Pinneberg
Advents-Serie

Wo Essen mehr als einfach nur Nahrung ist

Susanne Wilk ist Leiterin des pinoCafés in Pinneberg

Susanne Wilk ist Leiterin des pinoCafés in Pinneberg

Foto: Mirjam Rüscher

Hausnummern-Adventskalender: Das pino Café in Pinneberg ist Anlaufstelle für Bedürftige. Hier wird christliche Nächstenliebe gelebt.

Pinneberg.  Braten, Rotkohl, Grünkohl – in den Tagen kurz vor Weihnachten wird die Speisekarte im pino Café festlich. Weihnachten allerdings bleibt die Küche in der Begegnungsstätte für Bedürftige in der Bahnhofstraße 12 in Pinneberg kalt. „Das schaffen wir personell nicht, und auch wir Festangestellten wollen natürlich Weihnachten bei unseren Familien sein“, sagt Susanne Wilk, Leiterin des sozialen Treff- und Anlaufpunktes. Allein sein müsse an Weihnachten trotzdem keiner, die Kirchengemeinden in der Umgebung würden teilweise Angebote für Bedürftige machen.

Das pino Café in Pinneberg ist mehr als nur ein Treffpunkt, an dem es einen Mittagstisch gibt. Es ist seit zwei Jahren wieder ein Beschäftigungsprojekt für langzeitarbeitslose Frauen und Männer. „Seitdem dürfen wir leider auch nur noch Essen und Getränke für Bedürftige ausgeben“, erklärt Wilk. Wie viele Besucher ins Café kommen, hänge dabei ganz von der Speisekarte ab. „Fisch und Schnitzel gehen immer, Möhrensuppe geht gar nicht.“ Mit der Zeit wüssten die Mitarbeiter, was ankommt.

Drei Festangestellte in Teilzeit und 14 Teilnehmer im Rahmen des Beschäftigungsprojektes arbeiten im pino Café. Vier von ihnen kümmern sich allein um das Flüchtlingscafé, das zweimal in der Woche stattfindet. „Beim Flüchtlingscafé registrieren wir im Winter auch deutlich mehr Zulauf als sonst, in allen anderen Bereichen nicht“, so Wilk. Dabei dürften die Besucher nicht nur zum Essen oder für einen Kaffee in die Begegnungsstätte kommen. „Es sind alle ausdrücklich eingeladen, einfach da zu sein – um sich aufzuwärmen oder zu reden.“

Für die Leiterin des pino Cafés ist die Einrichtung ein Ausdruck „gelebter christlicher Nächstenliebe“. „Hier dürfen alle sein, egal, wer sie sind. Wir schicken keinen weg.“ Die Sozialarbeiterin ist seit zwei Jahren in der Begegnungsstätte. Seit fünf Jahren arbeitet Wilk für das Diakonische Werk Hamburg-West/Südholstein, das der Träger des pino Cafés ist. Sie mag ihre Arbeit, für Menschen da zu sein, ist für sie wichtig. Wilk: „Essen ist mehr als nur Nahrung. Es ist eine Gelegenheit, zusammenzukommen und Gemeinschaft zu erleben.“

Liebevoll gestalten die Mitarbeiter des Cafés die Tischkärtchen in der Vorweihnachtszeit mit adventlichen Sprüchen, die Dekoration wurde zum Beginn der Adventszeit aus dem Keller geholt und aufgehängt. Die Besucher sollen sich willkommen fühlen. Seit elf Jahren gibt es das pino Café an der Bahnhofstraße, davor gab es den Treffpunkt schon einige Jahre in Pinneberg-Nord.

Susanne Wilk freut sich besonders auf den 19. Dezember. Da findet im pino Café die Wichtelaktion des Lions Clubs statt. Vorher wurden Listen ausgelegt, auf denen die Besucher ihre Wünsche notieren konnten, bei der Wichtelaktion werden diese Wünsche erfüllt. Die Geschenke werden individuell besorgt, verpackt und mit Namen versehen. Die Wünsche reichen von Handykarten über einen Stabmixer bis zur Wolldecke.

Es seien Wünsche, die sich die Besucher sonst nicht erfüllen könnten, meist „Extras“, die über den täglichen Bedarf hinausgehen. Wilk: „Wenn wir Wünsche haben, dann gehen wir los und kaufen uns das. Manchen Menschen ist das schlichtweg nicht möglich. Das macht mich persönlich auch immer demütig.“

Als Beschäftigungsprojekt des Jobcenters bekommt das pino Café Zuschüsse, ist dennoch auf Spenden angewiesen. Geld sowieso, aber auch ganz praktische Dinge. „Kaffee geht immer“, sagt Wilk. In der Vorweihnachtszeit auch Stollen oder Gebäck. „Wir haben festgestellt, dass vielen solche Spenden leichter fallen. Wenn man ohnehin Kaffee kauft, tut es nicht weh, noch ein Paket mehr zu kaufen und es vorbeizubringen.“

Unter www.engagiert-statt-nur-besorgt.de gibt es Informationen zu den Projekten, die das Diakonische Werk mit Spenden unterstützt.