Pinneberg
Advents-Serie

Ein Besuch bei der Sternwarte in Tornesch

Jens Sander (l.) und Bodo Hübner (r.) mit dem Spiegelteleskop auf dem Dach der Klaus-Groth-Schule in Tornesch.

Jens Sander (l.) und Bodo Hübner (r.) mit dem Spiegelteleskop auf dem Dach der Klaus-Groth-Schule in Tornesch.

Foto: Anne Dewitz

Hausnummern-Kalender: An Tag 11 geht es in die Sternwarte nach Tornesch. Ein Gespräch mit Bodo Hübner vom Verein RVST.

Tornesch.  „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. … Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“ Der Stern von Bethlehem führte nach der Darstellung des Matthäusevangeliums die Weisen aus dem Morgenland zu dem Haus in Bethlehem, in dem Jesus geboren worden war.

Seit Beginn des 14. Jahrhunderts stellen Künstler den Stern von Bethlehem als Kometen dar. „Das ist Unsinn“, sagt Bodo Hübner. Er ist der Erste Vorsitzende des Vereins RVST, der die Sternwarte Tornesch leitet und betreut. Diese befindet sich auf dem Dach der Klaus-Groth-Gemeinschaftsschule an der Klaus-Groth-Straße 11. Hübner: „Seit Menschengedenken galten Kometen am Himmel als göttliche Vorzeichen kommender Katastrophen. Die Unheilsbringer wurden in Verbindung mit Seuchen, Hungersnot oder Dürren in Verbindung gebracht, aber ganz sicher nicht mit dem Kommen des Messias.“ So hätten Scharlatane früher sogar Kometenpillen verkauft, als Gegenmittel zu den angeblich giftigen Gasen, die der Sternenschweif verströmte.

Planeten hatten für Weisen eine astrologische Deutung

Viel wahrscheinlicher sei folgendes, so Hübner: Im Jahr sieben vor Christus – die Geburt Jesus von Nazareths wird zwischen sieben und vier vor Christus angenommen – kam es zu einer außerordentlichen Begegnung von Jupiter und Saturn am Himmel: Die beiden Planeten kamen sich sehr nahe (Konjunktion), und das innerhalb eines Jahres sogar dreimal. Die These über die dreifache Planentenkonjunktion von Jupiter und Saturn gehört zu den bekanntesten Theorien über den Stern von Bethlehem. „Ohne ein Teleskop sah dies mit bloßen Auge betrachtet wie ein langgezogenes Objekt am Himmel aus“, sagt Hübner.

Dreifachkonjunktionen von Planeten sind selten. Die bislang letzte fand 1980/81 statt, die 13. nach der „Weihnachtskonjunktion“. Eine nächste Dreierkonjunktion haben Astronomen für das Jahr 2238 errechnet.

Die Planeten hatten für die Weisen früher auch eine astrologische Deutung. Alles, was sich am Himmel abspielte, entsprach Ereignissen auf der Erde. So stand der Planet Jupiter, „der Königsstern“, für den höchsten babylonischen Gott „Marduk“. Saturn entsprach dem Gott „Kajmanu“, einem Wandelstern, der mit dem König Israels in Verbindung gebracht wurde. Die Planeten standen im Sternbild Fische, was wiederum symbolisch für das Land Palästina war. Die Konjunktion von Saturn und Jupiter, so Hübner, konnte infolge der astrologischen Deutung nur einen Höhepunkt „im Himmel wie auf Erden“ bedeuten: Ein neuer König musste in Palästina geboren worden sein.

Verein trägt sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden

Die Sternwarte Tornesch ist für alle da, die mehr über Himmel und Erde erfahren wollen oder sich speziell für die Astronomie interessieren. Am großen Teleskop in der Kuppel können Sonne, Mond, Planeten, Sterne, Galaxien und weitere Himmelsobjekte direkt beobachtet werden, wenn die Wetterlage es zulässt. Es werden Vorträge über das Sonnensystem und die Milchstraße oder eben Einblicke in die Tiefen des Weltraums geboten. Die Hobbyastronomen informieren auch über aktuelle astronomische Himmelserscheinungen wie Finsternisse, Kometen und Sternschnuppen-Schwärme oder über Neuigkeiten aus der Weltraumfahrt. Für Besucher ist dies kostenlos.

„Unser Verein trägt sich finanziell selbst durch Mitgliedsbeiträge (Kinder und Jugendliche 10 Euro, Erwachsene 30 Euro pro Jahr) und durch Sponsoring. Dank der Spenden aus Wirtschaftsunternehmen, aber auch kleinen Spenden von Besuchern sind wir in der Lage, die teilweise sehr kostspieligen Geräte für die Beobachtung und Astrofotografie anzuschaffen und zu pflegen“, sagt der Zweite Vorsitzende Jens Sander.

Die nächste Tornescher Astronacht in 2019 beginnt am Donnerstag, 3. Januar, in der Sternwarte, Klaus-Groth-Straße 11, 20 Uhr.

Die Serie im Überblick:

In der sechsmal pro Woche erscheinenden Regionalausgabe Pinneberg des Hamburger Abendblatts schauen wir bis Weihnachten an jedem Erscheinungstag (montags bis sonnabends) hinter eine andere Tür. Und das sind die geplanten Serienteile: 1 Die Hausnummernexpertinnen; 3 In der Weihnachtsbäckerei; 4 Bei der Hebamme; 5 Bei der Feuerwehr; 6 Im Seniorenheim; 7 In der Sammelstelle für „Weihnachten im Schuhkarton“; 8 In der Kerzenfabrik; 10 Im Sozialkaufhaus; 11 In der Sternwarte; 12 Wo Bedürftige ein Weihnachtsessen bekommen; 13 Bei der Schenefelder Tafel; 14 In einer „Herberge“; 15 Wo Weihnachtsbäume wachsen; 17 Weihnachten im Krankenhaus; 18 Beim Pastor; 19 Auf dem Flugplatz; 20 Beim Goldschmied; 21 In der Aalkate; 22 Beim Sportverein; 24 Im Kino.