Pinneberg
Pinneberg

Flüchtlinge werden nicht mehr in Hotels untergebracht

Foto: HA

Pinneberg zahlt nicht mehr an Gastwirte, um Asylbewerber unterzubringen und plant nun Wohnraum in Waldenau.

Pinneberg.  Pinneberg hat seine Krise um die Unterbringung von Flüchtlingen bewältigt. Es ist derzeit nicht mehr nötig, Hotelzimmer anzumieten, um Asylbewerbern ein Zuhause zu bieten. Das war seit 2015 an der Tagesordnung gewesen. Und hatte der Stadt wegen hoher Kosten Kritik beschert. Noch im Jahr 2017 hatten knapp 100 Menschen in Gasthäusern gelebt.

„Wir haben derzeit keine Geflüchteten mehr in Hotels“, bestätigt Rathaussprecherin Maren Uschkurat die Entspannung, die sicher auch mit kontinuierlich zurückgehenden Zahlen bei der Zuweisung von Asylbewerbern zu tun hat. Hatten im März 2015 noch 572 Menschen in Pinneberg Asyl begehrt, sind es aktuell nur noch rund 200, von denen die meisten aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Iran kommen.

Neubau in der Müssentwiete kann nicht voll belegt werden

Seit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise im Jahr 2015 hatten Pleiten, Pech und Pannen der Stadt wiederholt Schlagzeilen beschert. Die Stadt hatte es zunächst nicht geschafft, Asylbewerber adäquat unterzubringen. Stattdessen hatte es wiederholt Zoff um Standorte gegeben. Als eine für mehr als eine Million Euro gebaute Unterkunft dann endlich fertig war, stand das Gebäude 2017 wegen Wirbels um die Insolvenz des engagierten Generalunternehmers leer. Das neue Haus an der Müssen-twiete kann mittlerweile genutzt werden.

„In der Müssentwiete sind derzeit 25 Männer untergebracht“, bestätigt Uschkurat. Eine Vollauslastung des eigentlich für 38 Menschen konzipierten Baus gestalte sich in der Praxis hingegen schwierig. Denn in der Stadtverwaltung sei man bestrebt, Auseinandersetzungen der Bewohner untereinander zu vermeiden. Darum würden bei der Belegung unter anderem die verschiedenen Nationalitäten sowie das Geschlecht berücksichtigt, so Uschkurat.

122 Mietwohnungen für Obachlose

Stand Anfang November musste die Stadt Pinneberg 201 Asylbewerber unterbringen. Deren Zahl ist klar rückläufig. Zu Beginn des Jahres 2018 waren noch 240 auf Asyl hoffende Menschen gemeldet. Dazu kommen allerdings derzeit 422 Obdachlose, von denen einige zuvor als Asylbewerber geführt wurden – und denen ebenfalls eine Wohnalternative aufgezeigt werden muss. Die städtischen Unterkünfte reichen da noch längst nicht aus, wie Uschkurat einräumt. Darum setze Pinneberg weiterhin auch auf private Vermieter.

Laut Uschkurat hat die Stadt gegenwärtig 122 Mietwohnungen für Obdachlose und obdachlose Geflüchtete angemietet. „Fortwährend werden einzelne Wohnungen neu angemietet und auch einige wieder abgegeben“, so die Rathaussprecherin weiter. Auch gibt es Pläne, die Situation mittels Wohnbauinvestoren weiter zu entspannen. Für ein Grundstück am Moorweg in Waldenau etwa wird derzeit ein Bieterverfahren durchgeführt.

Auch Obdachlose sollen von dem Wohnraum profitieren

Die Hälfte des dort auf 2800 Quadratmetern am Moorweg zu schaffenden Wohnraums ist zunächst für Geflüchtete und Asylbewerber gedacht. „Anschließend werden diese Wohnungen Sozialwohnraum für die Pinneberger Bevölkerung“, so Uschkurat. Die anderen 50 Prozent würden sofort als Sozialwohnungen angeboten. Grundsätzlich bestehe weiterhin Bedarf an Wohnraum für Obdachlose, nicht nur speziell für Geflüchtete. „Ziel sollte es jedoch sein, dass die Betroffenen eigenen Wohnraum bekommen.“

Dass das gelingen kann, belegt eine weitere Statistik der Stadt, derzufolge 2018 insgesamt 118 Menschen ein Mietvertrag für eine Wohnung oder anderweitige Unterbringung vermittelt werden konnte.

Besagter Statistik nach tauchten in diesem Zeitraum übrigens zwölf Pinneberg zugewiesene Menschen komplett unter. Abgeschoben oder in die Landesunterkunft nach Boostedt verlegt wurden demzufolge neun Menschen. Insgesamt wurden der Stadt Pinneberg seit dem Januar 2015 bis Ende November 704 geflüchtete Menschen zugewiesen.

Weitere Infos: Verteilt an die Kommunen wird nach Quote

Im Kreis Pinneberg werden Asylbewerber nach einer festgelegten Quote an die Kommunen verteilt. Die Stadt Pinneberg etwa muss 13,8 Prozent der Geflüchteten aus dem Kreisgebiet unterbringen. Einer von der Gemeinde Rellingen veröffentlichten Statistik mit dem Stichtag 8. November zufolge beläuft sich die Zahl der 2018 bislang an die Kommunen verteilten Asylbewerber auf 393 Menschen, 30 davon etwa seien Pinneberg zugewiesen worden, 37 Elmshorn, 29 Schenefeld, 25 Halstenbek und 21 Rellingen.