Pinneberg
Schenefeld

Pop-Up-Store: Mit Altkleidern groß in Mode

Abendblatt-Mitarbeiter Valentin Kraner probiert im Stadtzentrum Schenefeld Klamotten aus dem Altkleidercontainer an. Sieht gar nicht schlecht aus.

Abendblatt-Mitarbeiter Valentin Kraner probiert im Stadtzentrum Schenefeld Klamotten aus dem Altkleidercontainer an. Sieht gar nicht schlecht aus.

Foto: Alexander Sulanke

Gerade noch im Container, jetzt in der Boutique: Entsorger GAB setzt in Schenefeld mit neuem Projekt auf Nachhaltigkeit.

Schenefeld.  Eine Hose hängt auf einem Bügel. Eine Bluejeans. Sie hat eine Länge von 32, eine Weite von 30 – das müsste passen. „Levi’s“ steht auf dem kleinen Etikett und darunter der Preis: 20 Euro.

Ein Schnäppchen. Solche gibt es zuhauf gibt es in diesem Laden. Die Wände sind weiß gestrichen, mitten im Raum steht ein graues Ledersofa, das Schaufenster ist geschmückt mit Tannenbäumen und Geschenkpaketen. Das Besondere: Eigentümer der „Kleiderkiste“ im Stadtzentrum Schenefeld ist die Abfallentsorgungsfirma GAB . Die Mode, die hier verkauft wird, stammt aus Altkleidercontainern, vereinzelt sind es auch Spenden. Der Erlös wird an ein soziales Projekt gespendet.

„Bisher haben wir die Kleidung aus den Altkleidercontainern an andere Unternehmen weitervermarktet“, sagt Kristina Engels, bei der GAB zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Diese haben dann die Kleidung kategorisiert. Einwandfreie Textilien wurden gewaschen, gebügelt und dann weiterverkauft. Beschädigte wurden in ihre Fasern zerteilt und wiederverwertet. Diese Schritte übernimmt die GAB nun selbst. „Das Ganze ist für uns ein Pilotprojekt“, sagt Engels. „Wenn es gut läuft, werden wir das vielleicht weiterführen, möglicherweise sogar ausweiten. Erst mal wird es den Laden aber nur bis Dezember geben.“

Ähnliches Projekt in Hamburg

Inspiration für das Projekt hat sich die GAB bei der Stadtreinigung Hamburg geholt. Die betreibt seit 18 Jahren die Secondhandmarke Stilbruch. An mittlerweile drei Standorten verkauft die Stadtreinigung in der Hansestadt Kleidung, Möbel, Technik, Bücher und vieles mehr. Um die Erfahrung der Hamburger nutzen zu können, hat sich die GAB Claudia Schulz ausgeliehen. Sie arbeitet normalerweise in der Textilabteilung von Stilbruch und leitet nun den Pop-up-Store in Schenefeld. Pop-up-Stores sind Läden, die innerhalb kürzester Zeit auf- und abgebaut werden können. Das System ermöglicht es, auch kurzfristigen Leerstand zu nutzen, um kostengünstig einen Laden einzurichten und ihn bei Vermietung der Ladenfläche wieder einzulagern. „Am Mittwoch vergangener Woche erhielten wir vom Stadtzentrum die Schlüssel, dann musste es ganz schnell gehen“, sagt Kristina Engels: „Doch alles lief reibungslos. Bereits Montag haben wir die ,Kleiderkiste‘ eröffnet. Die Inneneinrichtung hat uns größtenteils Stilbruch zur Verfügung gestellt.“

Kleidung zu spenden hilft dreifach

Die Resonanz auf die ungewöhnliche Boutique sei insgesamt sehr gut, meint Claudia Schulz: „Wir haben einfach auch Angebote für alle.“ Neben No-Name-Artikeln für sehr wenig Geld finden sich auch Kleidungsstücke von Luxusmarken in dem Geschäft. Ein Wildledermantel mit Lammfellfutter von Boss ist beispielsweise für 180 Euro zu haben – neu kostete das Stück einen vierstelligen Betrag. Auch kämen viele, um alte Kleidungsstücke abzugeben. Spenden nimmt die „Kleiderkiste“ natürlich sehr gern entgegen, man solle aber darauf achten, dass die Klamotten in einem sehr guten Zustand seien. „Fehlt ein Knopf, ist das nicht so schlimm, dann kostet die Jacke eben später etwas weniger, aber Stücke mit Flecken, Rissen oder großen Löchern nehmen wir nicht entgegen. Gewaschen werden muss vorher alles“, sagt Schulz.

Nicht getragene Kleidung an die „Kleiderkiste“ zu geben helfe gleich dreifach, erläutert Kristina Engels: „Einerseits können Menschen günstig gute Klamotten kaufen, die sie sich sonst vielleicht nicht leisten könnten. Dann wird natürlich die Umwelt geschont, schließlich wird weniger Müll produziert und die Kleidung geht wieder in den Kreislauf. Und nicht zuletzt wird von dem Gewinn ja auch ein soziales Projekt unterstützt.“ Die Gewinne der „Kleiderkiste“ gehen in dieser Projektphase nämlich an das Projekt Näh Treff des Diakonievereins Migration in Wedel. Im Näh Treff treffen geflüchtete Frauen auf Deutsche und lernen, ihre Arbeit mit Stoffen selbst zu organisieren und gegen eine Spende auch zu vermarkten. Einige Produkte aus dem Näh Treff werden auch in der „Kleiderkiste“ angeboten. Von den Gewinnen werden unter anderem Stoffe und andere Materialien für den gemeinnützigen Verein bezahlt. Die Beteiligung am Näh Treff ermögliche den Frauen laut Diakonieverein eine tolle Integrationsmöglichkeit und setze ein Zeichen für Eigeninitiative und Selbstständigkeit.

Doch auch Kunden, die einfach nur neue Kleidung kaufen wollen, würden laut Schulz schnell fündig. „Hier hat man eine Überraschung“, sagt sie. Während es in Modeläden immer die gleichen Stücke in großer Zahl gebe, könne der Kunde in der „Kleiderkiste“ täglich Neues entdecken.

Zurück zur Bluejeans. Das Abendblatt macht den Praxistest. Zur Levi’s (20 Euro) passen ein Pullover von Jack and Jones (15 Euro) und eine dunkle Winterjacke (30 Euro) vom Kleiderständer. Macht zusammen 65 Euro und sieht gar nicht mal komisch aus, sondern richtig modisch. So gut sogar, dass der Pullover gleich nach dem Fototermin für die angesetzten 15 Euro den Besitzer gewechselt hat . . .