Pinneberg
Advents-Serie

Wo Wichtel Kartons für den guten Zweck packen

Petra-Kathrin Karpowski (v.l.), Christel Führung und Nicole Schlender in der Zentrale der Sammelstelle am Schwatenseekamp 7a in Wedel.

Petra-Kathrin Karpowski (v.l.), Christel Führung und Nicole Schlender in der Zentrale der Sammelstelle am Schwatenseekamp 7a in Wedel.

Foto: Isabella Sauer / HA

Hausnummern-Adventskalender: An Tag 7 steht die Sammelstelle der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ in Wedel im Fokus.

Wedel.  Auf der Eingangstür des Reihenhauses mit der Nummer 7 a am Schwartenseekamp in Wedel prangt ein Zettel mit der Aufschrift: „Bitte mehrmals hintereinander klingeln, wir sind im Keller“. Rechts daneben ein weiteres Schild: „Weihnachten im Schuhkarton – Sammelstelle“. Richtig sind wir hier auf jeden Fall. Nach mehrfachem Klingeln schlagen die Hunde der Familie Karpowski Alarm und Frauchen ruft: „Ich komme, Entschuldigung. Wir waren in unserer Arbeit vertieft.“

Es geht durch den Hausflur vorbei an der Küche hinunter in den Keller. Wohin auch der Blick in den etwa 20 Quadratmeter großen Raum fällt – überall stapeln sich mit Weihnachtsgeschenkpapier beklebte Schuhkartons. 100? 200? 300?

Weihnachtsmusik erklingt aus dem Radio. Wie kleine Wichtel flitzen drei Damen mit gestrickten Wollsocken, Schals, Plüschtieren und Zahnpasta in den Händen umher zu den Schuhkartons, die vor ihnen liegen. Auf einem riesigen Tisch stehen Körbe, befüllt mit Flummis, Schokolade, Schulheften, Radiergummis und anderen kleinen Geschenken. In einer anderen Ecke lagern Kartons voller Kleidung, gestrickter Socken und Schals.

„In der Regel geben unsere Spender einen fertig befüllten Schuhkarton bei einer Annahmestelle in Wedel ab“, sagt Petra-Kathrin Karpowski (53). „Dann werden die Kartons zu mir zur Sammelstelle gebracht.“ Hier muss jede Geschenkebox einzeln aufgemacht und kontrolliert werden. Der Grund: Der Verein Geschenke der Hoffnung, über die die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ läuft, hat strenge Auflagen. So müssen in jedem Karton Schulmaterial, Süßigkeiten, Hygieneartikel, Spielzeug, Kuscheltier und Kleidung sein. Nicht erlaubt sind gebrauchte Gegenstände, Zerbrechliches, Lebensmittel, Süßigkeiten mit Nüssen oder Fruchtstücken, Literatur, gefährliche Gegenstände oder angstauslösende Dinge wie etwa Kriegsspielzeug. Schließlich muss alles durch den Zoll gehen, denn die Pakete werden nach Osteuropa zu bedürftigen Kindern gebracht.

Seit 15 Jahren arbeitet Karpowski ehrenamtlich für den Verein und betreibt diese Sammelstelle. „Das ganze Jahr über haben wir Helfer mit der Aktion zu tun.“ Manch einer beklebt über Monate Schuhkartons, ein anderer achtet beim Einkauf auf Sonderangebote für Schulhefte und Kuscheltiere, weitere stricken, was das Zeug hält. „Wir sind ein eingespieltes Team und freuen uns, wenn ab November dann die heiße Phase startet“, sagt die IT-Spezialistin. Jedes Wochenende im November steht sie von fünf Uhr morgens bis halb zehn abends in ihrem Keller und kontrolliert oder packt neue Kisten.

Einer der fleißigen Wichtel im Team ist Christel Führing (84), die in diesem Jahr mehr als 100 Schals gestrickt hat. „Mir macht es Spaß zu helfen und Kartons zu packen, von denen ich weiß, dass sie bei hilfsbedürftigen Kindern ankommen“, sagt die Rentnerin. Sie nimmt einen noch nicht kontrollierten Karton vom Stapel und sagt: „Okay, dieser Karton wurde für einen Jungen im Alter von fünf bis neun Jahren gepackt.“ Ein Spender kann wählen, ob er ein Mädchen oder einen Jungen beschenken will. Zudem gibt es drei Altersgruppen: zwei bis vier, fünf bis neun und zehn bis 14 Jahre.

Im Schuhkarton liegt ein Batmann-Pullover. Führing kontrolliert die Größe. „116 bis 140, kommt hin“, murmelt sie. Dann bemerkt sie, dass ein Kuscheltier fehlt, geht zu einem Karton und findet ein kleines Batmann-Kuscheltier, das zum Pullover in den Karton wandert. Wie passend. Die restlichen Artikel von der Packliste sind alle drin. Der nächste Karton wird geöffnet und kontrolliert.

Wer keine Zeit hat, einkaufen zu gehen, kann Geld spenden. Helferin Nicole Schlender: „Dann befüllen wir vor Ort die Schuhkartons.“ Das mag die 37-Jährige gern, sie lässt sich dann immer etwas ganz Besonderes einfallen. So wie jetzt: „Ich packe gerade zwei Mädchen-Kartons und suche alle Sachen zusammen, die etwas mit der Eisprinzessin Ella zu tun haben oder in rosa gehalten sind.“

Um die 550 Schuhkartons verlassen dieses Jahr das Haus von Familie Karpowski. Die Geschenke gehen per Post nach Berlin zur nächstgrößeren Sammelstelle, von da aus weiter nach Bulgarien, Georgien, Litauen, Moldau, Mongolei, Montenegro, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei und in die Ukraine. „Unser Paketbote bekommt jetzt täglich mehrere Umzugskartons mit, in denen sich zehn bis zwölf Geschenke befinden“, sagt Karpowski. Nur dank vieler Spenden können auch die Transportkosten gedeckt werden.

„Ohne meine treuen Helfer würde das alles nicht funktionieren“, sagt Karpowski und blickt in die Runde. Die Stimmung ist gut, es wird laut gesungen, Kekse und Stollen genascht. Kein Wunder, wenn man hier die Zeit vergisst und das Türklingeln überhört.

„Weihnachten im Schuhkarton“ ist eine Geschenkaktion für bedürftige Kinder. Jedes Jahr packen Menschen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Südtirol und der Schweiz zu Weihnachten Hunderttausende Schuhkartons, um sie Mädchen und Jungen zwischen zwei und 14 Jahren aus Osteuropa zu schenken. Es werden das ganze Jahr über ehrenamtliche Helfer gesucht, wer mitmachen möchte, meldet sich unter www.weihnachten-im-schuhkarton.org.