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Auf den Spuren der Elmshorner Polizei

Arbeiter- und Soldatenrat Elmshorn Dezember 1918

Arbeiter- und Soldatenrat Elmshorn Dezember 1918

Foto: Stadtarchiv Elmshorn

Gert Planer hat die Geschichte der Ordnungshüter in der Krückausstadt seit dem 18. Jahrhundert recherchiert und aufgeschrieben

Elmshorn.  Das 19. Jahrhundert stellt das Elmshorner Polizeiwesen vor neue Herausforderungen: Hafen und Handwerk gewinnen an Bedeutung. „Doch gerade unter den Schiffern gab es einige Unruhestifter“, sagt Gert Planer. „Der Fleckensbevollmächtigte und die in Barmstedt ansässige Administration waren mit ihnen überfordert.“ Am 24. Dezember 1804 beschwert sich Nicolaus Otto von Pechlin, seinerzeit Administrator der Grafschaft Rantzau, bei der dänischen Regierung über den „von Schifferknechten und Handwerksburschen getriebenen Unfug“. Es sei als „zweckdienlich erachtet worden“, den Elmshorner Untervogt – der neue Begriff für Fußknecht – Wischmann zum Polizeidiener des Fleckens zu bestellen.

Auch die Uniform des ersten Elmshorner Polizeidieners wird in dem Bericht beschrieben: ein „krapproter Überrock mit blauen Aufschlägen und Kragen sowie gelbem Futter und Knöpfen“. Ein silbernes Schild mit der königlichen Namenschiffre und der Aufschrift „Elmshörner Policey“ unterstreicht den hoheitlichen Auftrag. Die geforderte Bewaffnung lehnt die Regierung in Kopenhagen zunächst ab, erlaubt Polizeidienern am 30. April 1803 aber, beim Transport von Gefangenen einen Hirschfänger zu tragen.

Nachdem die Stadt Elmshorn 2014 die 26. und bisher letzte Ausgabe der „Beiträge zur Elmshorner Geschichte“ herausgegeben hat, hat Gert Planer nun unter dem Titel „Polizei in Elmshorn – Ein Lesebuch“ einen Nachfolgeband veröffentlicht. Der Autor ist Vorstandsmitglied und Kollege im Verein zur Förderung des Stadtarchivs Elmshorn. Planer zeigt auf, wie sich die Elmshorner Polizei seit dem 18. Jahrhundert entwickelt hat. Drei Jahre Arbeit stecken in dem Buch. „Ich war sehr erstaunt, wie wenig Material es zu diesem Komplex gab“, sagt der 71-Jährige, der zwischen 1985 und 2010 die Julius-Leber-Schule in Hamburg-Schnelsen leitete. Weder im Stadt- noch im Landesarchiv fand er etwas dazu. Fündig wurde er in Schriften des Elmshorner Heimatforschers Konrad Struve und des früheren städtischen Archivars Richard Bobell. Fleckenprotokolle, Verwaltungsberichte sowie Personalakten von Polizeibeamten dienten als weitere Quellen.

„Im 18. Jahrhundert wurde unter dem Begriff Polizei die gesamte allgemeine Verwaltung verstanden, soweit sie der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, Ruhe und Ordnung diente“, so Planer. Man unterschied die Verwaltungspolizei, die heute mit dem Ordnungsamt vergleichbar ist, und die Exekutivpolizei, die der heutigen Schutz-, Wasserschutz- und Kriminalpolizei entspricht. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verstand man unter Polizei immer mehr letzteres.

1766 wurde die Gebührenordnung der „Elmshorner Gerichtsdiener oder Fußknechte“ erlassen. Sie setzte unter anderem das „Sitzgeld“ und Strafen für die Verurteilten fest. Sollte ein Straftäter ausgepeitscht werden, wurden zwei Mark fällig. Für eine Mark errichteten sie Galgen und verkündeten die Vergehen der Straftäter.

Im 19. Jahrhundert war die Polizei noch recht schwach besetzt. Daher wurden dem Nachtwächter auch polizeiliche Aufgaben übertragen. Stellte dieser zum Beispiel einen Einbruch fest, sollte er sofort einschreiten und die Täter notfalls mit Hilfe anderer Einwohner dingfest machen. Sie setzten auch die Polizeistunde in den Gaststätten durch, brachten Betrunkene nach Hause und sorgten für Ruhe.

Mit dem Eisenbahnanschluss 1844 an die Strecke von Hamburg nach Kiel wuchsen Stadt und Mobilität. Das erforderte den personellen Ausbau der Ordnungshüter. Als der letzte Polizeidiener Lampske im Frühjahr 1850 pensioniert wurde, wurde ein Polizeireiter eingestellt. 1854 kam ein zweiter dazu. Zum 1. Oktober 1898 wurde zusätzlich die Stelle des Polizeiwachtmeisters geschaffen. Nach der Neuordnung des Polizeidienstes 1901 verrichteten fünf Beamte den Tagesdienst und wachten über etwa 12.000 Einwohner. Zudem wurde im Rathaus eine ständig besetzte Polizeiwache eingerichtet.

Die Geschichte der Polizei ist eine wechselvolle. Am 7. November 1918 wurde im Gasthof „Zur Linde“ ein Elmshorner Arbeiter- und Soldatenrat gegründet, der durch Kontrollen Auswüchse in diesen politisch turbulenten Zeit unterbinden sollte. Damals liefen Soldaten unter Führung eines Polizeisergeanten Patrouille. In der Zeit der Nationalsozialisten wurde die Polizei zum Instrument des NS-Terrorregimes. Nach 1945 wurde sie neu geordnet.

„Polizei in Elmshorn – Ein Lesebuch“ wurde in einer Auflage von 1500 Stück gedruckt und ist für 18 Euro in der Buchhandlung Heymann in Elmshorn erhältlich.