Pinneberg
Adventsserie

Jeden Tag im Einsatz für Mutter und Kind

Bei Hebamme Maike Tauchmann

Bei Hebamme Maike Tauchmann

Foto: Mirjam Rüscher

Hausnummern-Adventskalender: In diesem Teil geht es um Maike Tauchmann Die Schenefelderin unterstützt Frauen auch währen der Festtage.

Schenefeld.  In keiner anderen Zeit ist der Geburtstermin so wichtig, wie kurz vor Weihnachten. In keiner anderen Zeit wird so häufig darüber gesprochen. „Die Frauen beschäftigen sich damit ganz anders als zu anderen Jahreszeiten“, berichtet Maike Tauchmann, die ihre Haustür im Kreuzweg 4 für Adventskalenderserie öffnet. Die Schenefelderin ist Hebamme. Sie weiß, dass in dieser Jahreszeit jeder Tag zählt. Heiligabend und Silvester sind bei den meisten als Geburtstermin besonders unbeliebt – jedenfalls im Vorfeld. „Ist das Kind dann erst einmal da, spielt es überhaupt keine Rolle mehr“, so Tauchmann.

Die 32-Jährige ist selbst Mutter von drei Kinder im Alter von sieben, drei und zwei Jahren. In diesem Jahr werden die drei Jungs zumindest teilweise an Weihnachten auf ihre Mutter verzichten müssen. Denn sie ist als Hebamme im Einsatz. Eine betreute Mutter von Tauchmann hat ihren Geburtstermin am 26. Dezember, eine andere direkt vor den Festtagen. Auch wenn die Hebamme nicht bei der Geburt dabei ist, in der ersten Woche nach der Entbindung stattet sie den Frauen jeden Tag einen Besuch ab – das gilt auch für die Feiertage.

„Es werden zumindest ungeplante Weihnachten für mich“, sagt Tauchmann und lacht. Die Hebamme kennt das schon. Die 32-Jährige macht den Job seit 2009, erst in der Klinik in Itzehohe, nach ihrer Elternzeit hat sie sich dann selbstständig gemacht. Für die Hebamme ist es mehr als ein Beruf, es ist eine Berufung.

Ja, die Bedingungen seien sicher nicht ideal, aber „ich habe keine Lust zu klagen“. Einige ihrer Kolleginnen würden den Beruf nicht weiterempfehlen. „Aber ich bin total glücklich damit. Ich möchte vielen Frauen Mut machen, auch Hebamme zu werden“, sagt sie.

Sie begleitet die Frauen teilweise ein Jahr lang. Zwischen der 8. und
14. Schwangerschaftswoche würden sich die meisten melden. Ab dem Zeitpunkt bietet Tauchmann ihnen eine regelmäßige Betreuung an. „Mir ist eine starke Bindung und ein Vertrauensverhältnis zu den Frauen wichtig. So lassen sich viele Dinge schon im Vorfeld klären, einige Probleme völlig vermeiden“, sagt sie. Auch nach der Geburt sei die Beziehung zwischen Hebamme und Mutter wichtig: „Ich untersuche die Frauen, unterstütze sie beim Stillen. Da ist es wichtig, dass sie wissen, wer da jetzt kommt“, sagt sie.

In der ersten Woche nach der Geburt besucht sie Mutter und Kind jeden Tag. Dann werden die Besuche langsam reduziert. Anspruch auf Betreuung haben die Frauen während der gesamten Stillzeit. Acht bis zwölf Wochen begleitet Tauchmann jede Frau nach der Geburt. Vier bis sechs Frauen pro Monat – bezogen auf den Entbindungstermin – nimmt sie an. „Mehr geht nicht. Das bedeutet für mich etwa sechs Besuche am Tag“, so Tauchmann.

Die Versorgungslage mit Hebammen sei ganz gut im Kreisgebiet. Wenn sie einmal eine Frau nicht annehmen kann, dann kann Tauchmann sie meist weitervermitteln. „Wir haben ein Netzwerk, in dem wir uns regelmäßig austauschen und auch vertreten“, berichtet sie.

Tauchmann bietet auch Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse in Zusammenarbeit mit der Familienbildung an. Bei denen können sowohl Frauen, die sie betreut als auch andere teilnehmen. Bei den Geburten der Kinder ist Tauchmann allerdings nicht dabei. „Ich vermisse das. Aber mit drei Kindern geht das nicht – jedenfalls im Moment“, erklärt Tauchmann. Denn Geburten sind nicht planbar. Sie müsse jederzeit abrufbereit sein und dann wisse man nie, wie lange es dauert.

Es ist ihr ein Anliegen, dass Frauen ihr natürliches Gefühl für sich und ihre Kinder nicht verlieren. „Die Technik ist wichtig, aber der natürliche körperliche Aspekt steht im Vordergrund. Ich möchte die Frauen darin bestärken, ihren eigenen Weg zu gehen, und nicht einen, den sie sich ergoogelt haben“, betont Tauchmann.

Sie bemüht sich immer, für ihre Patientinnen erreichbar zu sein. „Ich mache mir einen Plan, wann ich wo sein will. Aber wenn eine der Frauen anruft und um einen Besuch bittet, dann ändere ich die Pläne auch einmal ganz schnell.“ Nur nachts macht die Mutter von drei Kindern das Handy aus. Die Begeisterung für ihren Beruf ist bei Tauchmann ungebrochen. Das gilt besonders für die Freude darüber, die neugeborenen Babys zu sehen. Das sei aber nicht nur berufsbedingt. „Es wird Oxytocin, das Liebeshormon, ausgeschüttet, deswegen fühlen wir uns mit Babys automatisch wohl.“

Vielleicht macht es der Hebamme auch deshalb nicht viel aus, wenn sie an den Feiertagen erst noch die Mutter-Kind-Besuche macht, bevor es dann Zuhause die Bescherung gibt.