Pinneberg
Haselau/Haseldorf

Warum das Kinderangeln zum Kriminalfall wird

Am Haken? Der Angelwettbewerb in Haseldorf hat für die Organisatoren ein juristisches Nachspiel.

Am Haken? Der Angelwettbewerb in Haseldorf hat für die Organisatoren ein juristisches Nachspiel.

Foto: P. Schuetz / picture alliance / blickwinkel/P. Schuetz

Tierrechtsorganisation Petazeigt Verantwortliche der Gemeinden Haselau und Haseldorf wegen Tierquälerei an

Haselau/Haseldorf.  Seit mehr als 30 Jahren organisieren die Gemeinden Haselau und Haseldorf einmal im Jahr den Angeltag. Während der Herbstferien im Oktober nahmen 30 Kinder teil. „Allen hat es Spaß gemacht“, sagt Haselaus Bürgermeister Peter Bröker. Tanja Breining von der Tierrechtsorganisation Peta sieht das anders: „Für Kinder kann es eine sehr traurige Erfahrung sein, Jagd auf friedliche Fische machen zu müssen.“. Sie hat alle erwachsenen Teilnehmer und die Gemeinden angezeigt – wegen Tierquälerei und einem Verstoß gegen das Landesfischereigesetz.

„Die Strafanzeige ist bei uns eingegangen“, bestätigt Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Sie sei zur Bearbeitung an die zuständige Kripo-Dienststelle in Pinneberg weitergeleitet worden.

Die Tierrechtsorganisation beruft sich auf Paragraf 39 des Landesfischereigesetzes, der Wettangeln verbietet. Die Veranstaltung habe Wettbewerbscharakter, weil für den Fang des schwersten Fisches Pokale ausgelobt worden waren. „Um Nachwuchs für den Angelsport zu gewinnen, wird Kindern suggeriert, Fische seien gefühlloses Spielzeug. Sie werden mit Pokalen gelockt, um zu lernen, wie man Lebewesen tötet“, kritisiert Breining, die bei Peta als Fachreferentin für Fische und Meerestiere tätig ist.

Fische seien neugierige, fühlende Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten. Sie würden ein komplexes Sozialleben führen, auf vielfältige Weise kommunizieren und auch Freundschaften schließen. Breining sagt: „Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei eine Beschäftigung für Kinder.“ Die Peta-Mitarbeiterin kritisiert, dass auch winzige Fische mit einem Gewicht von 14 bis 120 Gramm gewogen und dann in den Angelsee zurückbefördert wurden. Sie seien dadurch „unnötigem und längerem Leid“ ausgesetzt gewesen.

Das Landesfischereigesetz sieht bei Verstößen eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro vor. Der Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes droht sogar demjenigen eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe an, der ohne vernünftigen Grund ein Wirbeltier tötet oder ihm erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Robert Vollborn, Jurist und Geschäftsführer des Landessportfischerverbandes Schleswig-Holstein (LSFV SH), vertritt beide Gemeinden und den betroffenen Angelverein Binnenelbe als Rechtsbeistand. „Der Tatvorwurf geht vollkommen am Gesetz vorbei, da ist nichts dran“, sagt Vollborn. Zwar sei Wettangeln gesetzlich verboten. Jedoch sei klar geregelt, wann ein Wettangeln im Sinne des Gesetzes vorliegt. Vollborn argumentiert: „Das war hier nicht der Fall.“ So habe der Angeltag kein wirtschaftliches Interesse verfolgt, der Angelverein als Hegeberechtigter habe zugestimmt und der Fang sei sinnvoll verwertet – nämlich verzehrt – worden.

Auch der Vorwurf, dass sehr kleine Fische betroffen waren, laufe ins Leere. „Es kann manchmal sinnvoll sein, einem Gewässer kleinere Fische zu entnehmen – etwa wenn sie dort in zu großer Anzahl vertreten sind“, sagt der Geschäftsführer. Er halte die von Peta betriebene „Vermenschlichung der Fische für bizarr“, so der Jurist. Es sei wissenschaftlich überhaupt nicht geklärt, dass Fische überhaupt Schmerz empfinden können.

Peta hat schon mehrfach Angler angezeigt

Vollborn verweist darauf, dass die Tierrechtsorganisation in inflationärer Zahl Strafanzeigen gegen Angler und ihre Veranstaltungen stellt – auch im nördlichsten Bundesland. Auslöser dafür seien oft Artikel in lokalen Zeitungen oder Internet-Quellen. Vollborn dazu: „Mir ist nicht bekannt, dass jemals eine Anzeige davon in Schleswig-Holstein zum Erfolg geführt hat.“ Sie würden nicht wegen Geringfügigkeit, sondern wegen erwiesener Unschuld eingestellt. „Peta ist nicht lernfähig. Es kommen immer wieder dieselben Anzeigen mit den gleichen Textbausteinen“, so Geschäftsführer. Er gehe davon aus, dass Peta damit lediglich auf ein öffentliches Interesse aus sei. „Schließlich sind die auf Spenden angewiesen.“

Haselaus Bürgermeister Peter Bröker lässt sich trotz der vorliegenden Strafanzeige nicht Bange machen. „Ich mache mir keine großen Sorgen.“ Er habe sich als Verantwortlicher der Gemeinde selbst an die Polizei gewandt und gebeten, Einsicht in die Strafanzeige nehmen zu können. Das sei bisher noch nicht erfolgt. Die Beamten hätten seiner Kenntnis nach bis jetzt noch keinen der erwachsenen Beteiligten befragt. „Ich gehe davon aus, dass die erst einmal im Hintergrund prüfen, was an den Vorwürfen dran ist“, so der Bürgermeister.

Aus seiner Sicht war der Angeltag der beiden Gemeinden, der erstmals in den Herbst- und nicht wie zuvor in den Sommerferien stattfand, ein voller Erfolg. „So eine große Resonanz hatten wir schon lange nicht mehr.“ Daher seien beide Kommunen fest entschlossen, auch 2019 wieder die gemeinsame Veranstaltung an dem Haseldorfer Angelsee anzubieten. Ein Termin in den Herbstferien sei bereits festgelegt. „Wir machen das auf jeden Fall“, sagt Bröker. Im Fall, dass die Strafanzeige der Tierschützer Erfolg habe, werde man keine Pokale mehr vergeben, um jeglichen Wettbewerbscharakter von vornherein auszuschließen.