Pinneberg
Uetersen

Einmal selbst eine alte Eisenbahn fahren

Rainer Cord bereitet die Modellbahnlandschaft der Eisenbahnfeunde Uetersen–Tornesch

Rainer Cord bereitet die Modellbahnlandschaft der Eisenbahnfeunde Uetersen–Tornesch

Foto: Sebastian Becht

Eisenbahnfeunde Uetersen-Tornesch veranstalten am Sonntag, 2. Dezember, einen Adventstag mit Modellbahnen und Zügen in Originalgröße.

Uetersen.  Rainer Cord steuert seine Lokomotive durch die etwa 20 Meter lange Modelllandschaft. Nicht etwa mit dem Trafo, sondern mit dem Smartphone. „Auch Modelleisenbahnen gehen mit der Zeit“, sagt Cord. Aufs Mobiltelefon oder aufs Tablet muss dafür eine App runtergeladen werden, dann lassen sich damit nicht nur verschiedene Züge zeitgleich steuern, sondern auch Lichtsignale geben und Weichen stellen.

Cord ist stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Uetersen-Tornesch. Der Verein veranstaltet am 2. Dezember seinen alljährlichen Adventsfahrtag in und vor den Räumen des Güterschuppens der ehemaligen Uetersener Eisenbahn. Dieses Jahr fällt das Ereignis nicht nur auf den ersten Advent, sondern auch auf den internationalen Tag der Modelleisenbahn. Am Ostbahnhof in Uetersen können Besucher von 11 bis 17 Uhr in den Vereinsräumen mehrere Modelleisenbahnanlagen betrachten. Dabei können auch eine Vereinslok oder selbst mitgebrachte Modellzüge auf den Schienen gesteuert werden. Im Außenbereich laden je nach Wetterlage eine Feldbahn und zwei Dräsinen zur Mitfahrt ein. Nicht in Modell-, sondern in Originalgröße.

„Die Handhebeldräsine hat der Verein selbst gebaut“, sagt Cord. Eine Dräsine ist ein Hilfsfahrzeug der Bahn, das zur Inspektion von Strecken sowie zum Transport von Arbeitern und Werkzeug verwendet wird. Der Verein hat zwei zur Auswahl. Eine motorbetriebene und eine, die durch Muskelkraft angetrieben wird. Auch gefahren werden kann eine Feldbahn auf den Schienen im Waldstück neben dem Vereinsgebäude. Die historische Werksbahn ist eine Dauerleihgabe der Feldmuehle. Zwar nicht fahren, aber anschauen können Gäste außerdem eine Köf II, die im Einsatz für die Papierfabrik viele Jahre zwischen Uetersen und Tornesch unterwegs war – auf einer Strecke, die den Tornescher Bahnhof mit dem ehemaligen Uetersener Stadtbahnhof verband. Was viele nicht wissen: „Es hätte auch eine Verbindung nach Hamburg werden können“, sagt Cord. Bei der Planung der Altona-Kieler Eisenbahn in den 1840er-Jahren sprachen sich Fuhrleute aus Uetersen gegen eine Anbindung ihres Ortes aus, woraufhin die Trasse durch das kleinere Tornesch geführt und dort ein Bahnhof errichtet wurde. Erst Jahrzehnte später fiel den Uetersenern auf, dass sie wohl einen Fehler gemacht hatten. Um nicht abgehängt zu werden, wurde Kaiser Wilhelm gebeten, eine Strecke zwischen Uetersen und Tornesch zu genehmigen. Der Herrscher erteilte 1871 die Konzession, und die Uetersener Eisenbahn war geboren.

Heute gibt es Überlegungen, die momentan nur für den Güterverkehr der Feldmuehle genutzte Strecke wieder mit Personenverkehr zu nutzen. Cord hält davon nicht viel. „Aktuell ist die Strecke dafür zu kurz“, sagt er. Es ergäbe nur Sinn, wenn die Gleise wieder, wie früher, bis zum Uetersener Stadtbahnhof führen würden. Wie das aussah, können Gäste der Veranstaltung beim Adventsfahrtag in Modellgröße betrachten. Auf weiteren 20 Metern Länge hat Cord mit seinen Vereinskollegen die Uetersener Eisenbahn originalgetreu nachgebaut. Mit Häusern, die entlang der Strecke standen und zum Teil noch immer stehen.

Unter anderem über die Geschichte der Trasse und ihre Betreiber können sich Besucher im vereinseigenen Eisenbahnmuseum informieren. Auch eine Kopie der von Kaiser Wilhelm erteilten Konzession hängt gemeinsam mit ungezählten anderen Sammlerstücken an der Wand. Neben den Ausstellungsräumen gibt es auch ein Café, das mit zahlreichen Eisenbahnutensilien ausgestattet ist. Dort können Besucher, auf alten Bänken der Hamburger S-Bahn sitzend, frisch gebackenen Kuchen und Kaffee genießen.

Adventsfahrtag: So 2.12., 11–17 Uhr, Ostbahnhof Uetersen, Lindenstraße 9, Eintritt frei, Spenden willkommen