Pinneberg
Elmshorn

Kreisverwaltung erteilt Ausstellung Absage

Kreissprecher Oliver Carstens vor dem Kreishaus in Elmshorn: „Wir haben nicht ausreichend Platz für diese Ausstellung im Kreishaus“.

Kreissprecher Oliver Carstens vor dem Kreishaus in Elmshorn: „Wir haben nicht ausreichend Platz für diese Ausstellung im Kreishaus“.

Foto: Burkhard Fuchs

Archiv-Schau „Gedächtnis unseres Landes“ kann im Kreishaus nicht gezeigt werden. Verein Spurensuche hat Zweifel an Begründung.

Kreis Pinneberg.  Der „Verein Spurensuche“ kümmert sich seit Jahren um die Aufarbeitung der NS-Zeit, sammelt Dokumente, benennt Täter und Opfer und ruft jedes Jahr Schüler dazu auf, sich mit diesem dunklen Kapitel deutscher Gesichte zu beschäftigen. Nun möchte der Verein gern die Ausstellung des schleswig-holsteinischen Landesarchivs „Das Gedächtnis unseres Landes. Archive in Schleswig-Holstein“ erstmals im Kreis Pinneberg zeigen.

Dem Verein schien dafür das Elmshorner Kreishaus ein passender Ort zu sein, wo täglich Hunderte von Besuchern ein-und ausgehen, erklärt Vorstandsmitglied Erhard Vogt. „Schließlich ist der Kreis Pinneberg Mitglied im Verein Spurensuche.“

Doch die Kreisverwaltung erteilte dem Verein jetzt überraschend eine Absage. „Wir haben nicht ausreichend Platz für diese Ausstellung im Kreishaus“, sagt Kreissprecher Oliver Carstens. „Wir bedauern das. Aber das sind acht große und 1,80 Meter hohe Stellwände.“ Die könnten weder im Foyer des Erdgeschosses noch auf der Empore im ersten Stock des Kreishauses so aufgestellt werden, dass sie von allen Seiten zu sehen seien. Auch der Brandschutz spiele bei dieser Entscheidung eine Rolle.

Der Verein, der die Ausstellung im Februar zeigen wollte, kann das nicht nachvollziehen. Es handele sich um 32 Infotafeln auf acht Stellwänden, die sich mit der Bedeutung von Archiven für unser Geschichtsbewusstsein befassen, erläutert Vogt. „Nur wer ein Archiv hat, kann auch die eigene Heimatgeschichte leben.“ Darum sei es wichtig, die Bürger und Politiker daran zu erinnern, welche Bedeutung die Archivarbeit für das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft hat.

„Bei uns sind die Originale der Dokumente zu finden, nicht bei Google“, sagt dazu Anke Rannegger, seit 1984 Stadtarchivarin in Wedel. Archive stünden für Authentizität im Unterschied zu Fake News.

Rannegger hat mit drei Kollegen im Jahr 2011 die Archiv-Ausstellung, die jetzt im Kreishaus gezeigt werden sollte, konzipiert und entworfen. Unter verschiedenen Themenblöcken werden Archive als „Wissensspeicher“ beschrieben, die „Informationen für morgen sichern“, die Kulturgüter und Persönlichkeitsrechte schützten, die Verwaltung transparenter und effektiver machten, Rechtssicherheit für alle schafften, für saubere Grundstücke sorgten und als Langzeit-Gedächtnis einer Kommune dienten.

Archive seien also nicht nur für die Geschichte eines Ortes oder einer Gesellschaft wichtig, erklärt Anke Rannegger. „Wir brauchen die Archive auch, um zu wissen, wo die Leitungen liegen und wo Kampfmittel geräumt werden müssen.“ Insofern verfolge die Ausstellung, die bereits im Kieler Landeshaus und einigen Kommunen in Schleswig-Holstein gezeigt wurde, „einen ganz pragmatischen Ansatz“.

Die Wedeler Stadtarchivarin kann nicht nachvollziehen, dass die Kreisverwaltung diese wichtige und gute Ausstellung nicht im Kreishaus zeigen will. Falls es dort wirklich Platzprobleme geben sollte, was sie sich kaum vorstellen kann, könnte die Ausstellung in Teilen gezeigt werden. Sie sei so konzipiert, dass die einzelnen Themenblöcke für sich allein stehen.

Für den Fall, dass die Kreisverwaltung bei ihrer ablehnenden Haltung bleiben sollte, gibt es jetzt aber einen Ausweich-Standort. „Ich würde der Archiv-Ausstellung des Vereins Spurensuche Asyl gewähren“, kündigt Ulrich Krause, Leiter der Kreisberufsschule in Pinneberg, an. Auch wenn die Schule wohl nicht so viele auswärtige Besucher anlocken dürfte wie das für jedermann zugängliche Kreishaus.