Wedel

Ein erster Blick in Wedels neuen Stadtteil

| Lesedauer: 4 Minuten
Katy Krause
In Nord Wedel planen Investoren zusammen mit der Stadt ein Quartier mit 1000 Wohneineinheiten. So könnte die Eingangssituation von der Bündtwiete aussehen.

In Nord Wedel planen Investoren zusammen mit der Stadt ein Quartier mit 1000 Wohneineinheiten. So könnte die Eingangssituation von der Bündtwiete aussehen.

Foto: Architektencontor Agather-Bielenberg, Hamburg / Rehder

Investoren präsentieren aktualisierte Pläne für Wedel Nord. Die CDU macht Tempo, Grüne kritisieren fehlende Zukunftsvision.

Wedel.  Es zählt zu den großen Zukunftsprojekten der Stadt, und dementsprechend groß war auch das Interesse am Dienstagabend, als die Investoren die aktualisierten Pläne für Wedel Nord öffentlich den Mitglieder des Planungsausschusses präsentierten. Im Ratssaal waren freie Plätze Mangelware. So zahlreich waren die Wedeler gekommen, um sich ein Bild zu machen. Sie wurden nicht enttäuscht. Denn erstmals präsentierten die Investoren auch Visualisierungen, wie das Wohnquartier einmal aussehen könnte, das nach Fertigstellung bis zu 2500 Menschen Platz bieten würde.

Auf rund 50 Hektar Baumschulland sollen in den kommenden Jahren circa 1000 neue Wohneinheiten entstehen. Rund 35 Prozent davon sind als geförderter Wohnraum vorgesehen. Der neue Stadtteil unterteilt sich dabei in fünf Quartiere, die von großzügigen, grünen Achsen durchschnitten werden. Der Stadtteil soll architektonisch einheitlich gestaltet werden. „Die Quartiere sollen aber einen eigenen Wiedererkennungswert haben“, erklärte Architekt Hans-Joachim Agather den Politikern und Zuhörern den inhaltlich weiterentwickelten Rahmenplan für das Gebiet. Dieser sieht bislang zwei Kitas und eine zweizügige Grundschule vor.

Das Herzstück des neuen Stadtteils bildet aber das „Kernhaus“. Es soll zentral im Wohnquartier liegen und an einen Platz angrenzen. Dort sind ein Café, ein Kiosk und ein kleiner Nahversorger vorgesehen. Außerdem soll im „Kernhaus“ das Quartiersmanagement untergebracht werden. Denn das Bauunternehmen Semmelhaack möchte im Zusammenspiel mit dem neuen Partner aus Wedel, dem Bauunternehmen Rehder, das Gebiet nach Vorbild des bereits in Elmshorn realisierten Generationenquartiers am Henry-Dunant-Ring entwickeln. Dort wurden 224 Wohneinheiten für Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf, Familien, Alleinerziehende und Senioren geschaffen. Ein Quartiersmanager ist Ansprechpartner für alle Bewohner. Das soll auch in Wedel der Fall sein.

24 Stunden am Tag wäre das Quartiersmanagement besetzt, wie Hartmut Thede als Sprecher von Semmelhaack dem Abendblatt am Mittwoch auf Anfrage näher erläutert. Ein weiterer wichtiger Baustein, der das Quartier einzigartig machen soll: der geplant Seniorencampus. Dabei handelt es sich um einen Wohnkomplex für etwa 220 Menschen. In Kooperation mit dem Unternehmen Paritätische Pflege Schleswig-Holstein soll ein selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter ermöglicht werden. Auch das werde bereits in Elmshorn erfolgreich so umgesetzt. „Das Quartier in Elmshorn war das Erste dieser Art und ein Leuchtturmprojekt“, erklärt Thede. Aber auch das, was man nun in Wedel plane, sei sehr ungewöhnlich in Deutschland.

So ungewöhnlich und innovativ die Investoren den Plan finden, so stark kritisierte Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke die fehlende Weitsicht: „In einem Punkt ist der Entwurf wie aus der Steinzeit. Wenn man wirklich für zukünftige Generationen bauen will, vermisse ich im Rahmenplan beispielsweise Ideen für autoarmes Wohnen.“ Die vorgesehenen 1500 Parkplätze versiegeln aus Sicht der Grünen unnötig Fläche, gleichzeitig würde nicht über ÖPNV und alternative Verkehrsmittel oder Treibstoffe der Zukunft nachgedacht.

Die CDU schlug auch kritische Töne an, allerdings in ganz andere Richtung. Denn für die Christdemokraten geht es mit dem Projekt Wedel Nord viel zu langsam voran, und das sei politisch verschuldet. Seit der letzten Präsentation vor knapp einem Jahr sei viel zu wenig passiert – und dabei wurde eigens eine Arbeitsgruppe aus Politikern, Verwaltung und Vertretern der Bauunternehmen gegründet, damit Details schneller geklärt werden. „Wir brauchen dringend Wohnungen, um den Markt in Wedel zu entspannen. Wir brauchen Kitas und Pflegeplätze. All das kann Wedel Nord bringen“, sagte Kay Burmester, CDU-Mitglied und Vorsitzender im Planungsausschuss. „Mir dauert das alles zu lange. Wir müssen jetzt mal Gas geben.“ Denn wie es derzeit aussehe, würde vor 2025 kein Bewohner in die neuen Wohnungen einziehen können.

Aber auch am Dienstagabend beschlossen die Politiker nichts, sondern nahmen nur den aktuellen Stand zur Kenntnis. Laut Stadtverwaltung könnte Anfang des kommenden Jahres der Rahmenplan beschlossen und daraufhin ein Bebauungsplanverfahren angeschoben werden. Wedels Bauamtschefin Gisela Sinz rechnet erst 2021 mit Baurecht. Anschließend müssten die jeweiligen Baugenehmigungen für die Gebäude erteilt werden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg