Elmshorn

Verkauf von Dopingmitteln war Familiensache

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Arne Kolarczyk
Ein Zollfahnder zeigt sichergestellte Ampullen mit Anabolika. Der Angeklagte soll den Handel mit Steroiden gemeinsam mit seinem Vater aufgezogen haben (Symbolbild)

Ein Zollfahnder zeigt sichergestellte Ampullen mit Anabolika. Der Angeklagte soll den Handel mit Steroiden gemeinsam mit seinem Vater aufgezogen haben (Symbolbild)

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Hans-Jürgen B. sitzt als Chef eines Anabolika-Rings eine Haftstrafe ab. Jetzt stand sein Sohn wegen Beihilfe vor Gericht.

Elmshorn.  Sechs Jahre ist die Großrazzia her, bei der die Ermittler große Mengen illegaler Doping- und verschreibungspflichtiger Arzneimittel in der Elmshorner „Athletenschmiede“ fanden. Doch noch immer befasst sich die Justiz mit dem länderübergreifenden Dopingring, dessen Kopf der ehemalige Senioren-Weltmeister im Bankdrücken Hans-Jürgen B. aus Elmshorn war.

Während der mittlerweile 68-Jährige derzeit seine Haftstrafe von 40 Monaten wegen gewerbsmäßigen Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport absitzt, musste sich am Dienstag sein Sohn Jan B. (43) vor dem Amtsgericht Elmshorn verantworten. Er soll seinem Vater bei dessen lukrativen Geschäften geholfen haben.

Der bullige Angeklagte mit dem kahlrasierten Schädel, der optisch haargenau dem Klischee eines Bodybuilders entspricht, hört sich Kaugummi kauend und scheinbar desinteressiert die Verlesung der Anklageschrift an. Darin stellt die Staatsanwältin Sandra Nehlep den Verkauf der verbotenen Substanzen als „Familiensache“ dar. Hans-Jürgen B., seine Lebensgefährtin, sein Sohn und dessen Partnerin – alle sollen aktiv in der Ende 2012 behördlich geschlossenen „Athletenschmiede“ tätig gewesen sein.

Während die anderen Drei inzwischen verurteilt sind, soll der jetzt vor Gericht stehende Jan B. vor allem für das Digitale zuständig gewesen sein. „Weil sein Vater sich mit Computern und E-Mails nicht so auskannte, lief die gesamte Kommunikation über den Angeklagten“, so die Staatsanwältin. So soll der heute 43-Jährige über das Internet die Bestellungen aufgegeben haben sowie per E-Mail bei den Lieferanten mögliche Liefermengen abgefragt haben. Außerdem unterzeichnete er laut Anklageschrift auch den Mietvertrag für das Studio an der Max-Planck-Straße, weil seinem Vater und dessen Lebensgefährtin vom Amt die Ausübung eines Gewerbes verboten worden war.

In weiteren Fällen wirft die Anklage dem Elmshorner vor, seinen Vater hinter dem Tresen der „Athletenschmiede“ vertreten zu haben. Dort ging es offenbar zu wie in einem Bienenstock. Während ein Sven Dopingmittel und Wachstumshormone in großen Mengen anlieferte, fragte ein Dennis nach Substanzen zur Potenzsteigerung. Ein Anruf des Angeklagten bei seinem Vater ergab demnach, dass diese Medikamente unter einer Matratze versteckt in der Herren-Umkleide lagen, eingewickelt in eine Decke. Zwischendurch soll Jan B. laut Anklage Präparate auch aus einem VW Bus heraus verkauft haben, der auf dem Parkplatz des Studios stand.

Was der heute 43-Jährige, der während seiner Helferstätigkeit für den Papa laut Staatsanwältin keine eigenen Einkünfte hatte, nicht wusste: Die Ermittler ließen Telefone und Internetanschlüsse der Familie überwachen und wussten stets über die Bestellungen und die Touren nach Polen Bescheid, bei denen ebenfalls Substanzen über die Grenze geschmuggelt wurden.

Jan B. beließ es am Dienstag beim Kaugummikauen, machte zu seiner Beteiligung an den Geschäften keine Angaben. Um eine wie in den vorangegangenen Verfahren sehr zeitaufwendige Beweisaufnahme mit vielen Zeugen und Gutachten zu vermeiden, versuchten Richterin Renate Päschke-Jensen, Staatsanwältin Nehlep und Verteidigerin Claudia Hauck-Delhey, hinter verschlossenen Türen zu einer Verständigung zu gelangen. Das gelang ihnen jedoch nicht. Daraufhin setzte die Richterin das Verfahren aus, das nun zu einem späteren Zeitpunkt neu beginnen wird.

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