Kreis Pinneberg

Darum müssen Pendler auf A-23-Ausbau warten

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Andreas Daebeler
Ein gewohntes Bild: Im Berufsverkehr stauen sich die Fahrzeuge auf der Autobahn 23, hier zwischen Halstenbek-Krupunder und Eidelstedt. Der angekündigte Ausbau lässt auf sich warten

Ein gewohntes Bild: Im Berufsverkehr stauen sich die Fahrzeuge auf der Autobahn 23, hier zwischen Halstenbek-Krupunder und Eidelstedt. Der angekündigte Ausbau lässt auf sich warten

Foto: HA

Kein Starttermin, kein Grundstückskauf, keine neue Kostenprognose: Der Verkehrsminister will Projektplaner der DEGES einschalten.

Kreis Pinneberg.  Stoßstange reiht sich an Stoßstange. Auspuff an Auspuff. Oft auf bis zu 15 Kilometern. Der Stillstand auf der Autobahn 23 Richtung Süden ist für Tausende Pendler allmorgendlich ein Ärgernis. Am Nachmittag geht der Wahnsinn in die zweite Halbzeit. Dann stehen Menschen, die in Hamburg arbeiten und im Kreis Pinneberg wohnen, erneut im Stau, verbringen einen Teil ihres Feierabends hinterm Steuer. Darum soll die bislang vierspurige A 23 zwischen Tornesch und Eidelstedt sechsspurig ausgebaut werden. Zügig, so hieß es 2016. Ganz so schnell wird’s aber nicht gehen.

Auf Anfrage im Verkehrsministerium erfuhr das Abendblatt: Derzeit wird nicht einmal über den Ankauf benötigter Grundstücke verhandelt. „Erst im Rahmen der Planungen sind Auswirkungen auf die anliegenden Grundstücke und etwaige Entschädigungen zu prüfen und festzulegen“, sagt Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). So richtig geplant wird also gar nicht. Im Anfang 2016 veröffentlichten Verkehrswegeplan des Bundes las sich das noch etwas anders. Die Vorplanung laufe seit September 2013, stand dort zu lesen.

Einen Termin für den Baustart zwischen Tornesch und Eidelstedt gibt es laut Minister nicht. Da für 2021 die Gründung einer Infrastrukturgesellschaft des Bundes zur Übernahme der Bundesautobahnen beschlossene Sache sei, erscheine die „vorherige Planung durch die Landesstraßenbauverwaltungen Schleswig-Holstein und Hamburg nicht mehr sinnvoll“, so Buchholz.

Junge Unternehmer drängen auf Realisierung des Projekts

Gleichwohl seien beide Bundesländer bestrebt, den Ausbau der A 23 zu forcieren – etwa indem Projektplaner der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) ins Boot geholt würden. Der Ausbau der A 23 ist auf einer Länge von 15 Kilometern geplant. Die letzte Kostenprognose ist mehrere Jahre alt. Damals wurde mit Investitionen in Höhe von 208 Millionen Euro gerechnet. Seitdem hat sich die Lage auf dem Bausektor verschärft, die Nachfrage ist gestiegen, Preise auch. „Eine neue Kostenschätzung gibt es nicht“, so Buchholz auf Nachfrage. Dass es beim Megaprojekt hohe Klippen zu umschiffen gibt, daraus macht er kein Geheimnis. Der Ausbau der A 23 könne „aufgrund der eingeschränkten Flächenverfügbarkeiten und der teils sehr dichten Bebauung nur unter erschwerten Bedingungen erfolgen“, so Buchholz.

War 2014 noch über die temporäre Freigabe der Seitenstreifen zum Zweck der Verkehrsentlastung diskutiert worden, ist dergleichen wegen zu hoher Kosten endgültig vom Tisch. Eine Untersuchung habe ergeben, dass die erforderlichen Baumaßnahmen und der erforderliche Planungsaufwand und Zeitbedarf fast dem eines sechsstreifigen Ausbaus entsprächen. Buchholz sagt: „Es müssten daher erhebliche verlorene Investitionen getätigt werden.“ Daher werde auf besagten Zwischenschritt verzichtet.

Ampeln verbessern laut Minister den Verkehrsfluss

Im Kreis Pinneberg wird fraglos genau hingeschaut, was die beteiligten Bundesländer und der Bund auf den Weg bringen – und was nicht. Schließlich ist es bereits zweieinhalb Jahre her, dass dem A-23-Ausbau im Bundesverkehrswegeplan 2030 vordringlicher Bedarf zugedacht wurde. Die Jungen Unternehmer in Schleswig-Holstein etwa fordern, dass die Landesregierung den Ausbau des Streckenabschnitts zwischen Tornesch und Eidelstedt mit Tempo vorantreiben muss. „Die hohen Unfallzahlen im Kreis Pinneberg hängen mit der viel zu engen A 23 zusammen. Daher muss die Autobahn schnellstmöglich sechsspurig werden“, erklärt die Landesvorsitzende der Interessenvertretung Nathalie Mailin Rieck. In den vergangenen Jahren habe Schleswig-Holstein zu wenig in die Infrastruktur investiert. Das Ergebnis seien zahlreiche Unfälle und lange Staus. Rieck kritisiert: „Das Land muss jetzt zügig die planerischen und bautechnischen Voraussetzungen schaffen, damit das Projekt realisiert werden kann. Schließlich ist die A 23 eine Route für Pendler und Touristen, die für die gesamte Wirtschaftsregion bedeutsam ist.“

Buchholz verweist auf die 2017 in Betrieb genommenen Ampelanlagen, die den Verkehrsfluss bereits verbessert hätten. Mit Lichtsignalen wird an den Auffahrten Pinneberg-Mitte, Halstenbek-Rellingen und Halstenbek-Krupunder bei starkem Verkehr der Zufluss auf die A 23 geregelt. „Die bisherigen Erfahrungen sind positiv“, so Buchholz. Und wie geht’s mit dem Ausbau weiter? „Wir haben mit Hamburg vereinbart, dass beide Seiten prüfen, ob und wie eine Beauftragung der DEGES zielführend ist“, sagt der Minister. Gespräche würden fortgesetzt. Er hoffe, die Planungsgesellschaft 2019 im Boot zu haben.

Weitere Infos: Das ist die DEGES

Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH gibt es seit Oktober 1991. Die Projektmanagementgesellschaft wurde gegründet, um Planung und Bau von Verkehrsprojekten nach der Deutschen Einheit zu schultern.

Seit 2007 sind die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein jeweils mit rund sechs Prozent an der Gesellschaft beteiligt, an der der Bund knapp 30 Prozent hält. Die DEGES ist unter anderem auch an dem Dauerbauprojekt der A 20 beteiligt. Das Unternehmen beschäftigt laut eigenen Angaben mehr als 300 Mitarbeiter. and

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