Pinneberg
Schenefeld

Mode-Urgestein Uwe Hansen hört mit 85 Jahren auf

Herrenausstatter Uwe Hansen gehört zu den Mieter der ersten Stunde im Stadtzentrum Schenefeld. Nun hört er mit unglaublichen 85 Jahren auf.

Herrenausstatter Uwe Hansen gehört zu den Mieter der ersten Stunde im Stadtzentrum Schenefeld. Nun hört er mit unglaublichen 85 Jahren auf.

Foto: Katy Krause / krk

Herrenausstatter Uwe Hansen geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Er ist Mieter der ersten Stunde im Stadtzentrum Schenefeld.

Schenefeld.  Das macht ihm so schnell keiner nach: Uwe Hansen verabschiedet sich mit unglaublichen 85 Jahren in den Ruhestand. Gut, noch ist der Unternehmer und Herrenausstatter 84, endgültig aber schließt er die Türen seines Ladens im Schenefelder Stadtzentrum auch erst zum 31. Dezember. Hansen ist Mieter der ersten Stunde, seit 28 Jahren betreibt er in dem Center ein Modegeschäft. Für viele ist ein Stadtzentrum ohne den Herrenausstatter kaum vorstellbar. Für den Inhaber selbst auch noch nicht.

Traurig blickt er auf das Schild „Räumungsverkauf. 30 Prozent auf Alles“, das seit kurzem im Schaufenster prangt. „Das ist schon komisch. Aber jetzt bloß nicht pathetisch werden“, sagt Hansen. Für ihn ist es schwer loszulassen. „Das ist mein Lebenswerk.“

Fünf Centermanager hat er mittlerweile erlebt

Das Unternehmen hat er aufgebaut, es durch Höhen und Tiefen geführt. Versuche, einen Nachfolger zu finden, scheiterten. Zumindest bislang. Denn plötzlich mit dem Schild im Schaufenster sind neue Interessenten aufgetaucht. Doch laut Hansen gab es die in den vergangenen Jahren immer einmal. „Man wird sehen“, sagt er.

In den vergangenen 28 Jahren hat der Unternehmer im Center viel gesehen. Fünf Centermanager hat er mittlerweile erlebt. „Doch gar nicht so viel“, sagt Hansen. Stimmt. Allerdings muss man dazu wissen, dass einer davon, fast 20 Jahre die Geschicke lenkte. Zu Zeiten als Thomas Bleis noch Manager war, war auch Uwe Hansen nicht einfach nur Mieter. Er hatte seit Eröffnung den Vorsitz der Werbegemeinschaft, zu der sich die Händler im Center zusammengeschlossen haben, fast zwölf Jahre inne. „Thomas Bleis war ein tüchtiger, aber auch schwieriger Mensch“, erinnert sich Hansen. Vielen auch außerhalb des Centers ist Bleis im Gedächtnis, weil er gegen seine Kündigung 2011 vorging und gewann. Anschließend gab es die verrückte Situation, dass es im Stadtzentrum gleich zwei Centermanager mit zwei Büros gab. Eine Posse, die fast zwei Jahre lang anhielt – bis sich die Parteien die Inhaber des Centers und Bleis außergerichtlich einigten. „Das Ende war nicht schön“, sagt Hansen heute.

Vor 16 Jahren wagte Hansen einen Neustart

An die Anfangszeit des Centers 1991 erinnert er sich dagegen gern. Hansen, der zuvor drei Häuser des Bekleidungsunternehmens Ortlepp in der Mönckebergstraße geführt hatte und nach der Übernahme durch Anson’s den Sprung in die Selbstständigkeit wagen wollte, ergatterte mit Mühe den letzten freien Laden im Center. Vollvermietung – davon können die Centermanager heute nur träumen. Die Kassen klingelten, der Umsatz rollte.

„Das waren goldene Zeiten“, sagt Hansen. Er tauschte die kleinere Ladenfläche gegen eine deutlich größere im Erdgeschoss – dort, wo heute Dressmann ansässig ist. 14 Mitarbeiter benötigte er damals und deutlich mehr Ware. „Damit habe ich mich übernommen“, weiß Hansen heute. Er musste Insolvenz anmelden. Damals war er 70 Jahre alt. Ein guter Zeitpunkt um aufzuhören? „Nein, das kann nicht das Ende sein“, sagte sich der Herrenausstatter damals und startete von vorn. Den Namen Hansen und Co. durfte er behalten, wie er prüfen ließ. Mit dem kleinen Eckladen im ersten Stock, wo er heute noch ansässig ist, wagte er vor 16 Jahren den Neustart. Es gelang.

Unternehmer wünscht dem Center eine Vollvermietung

Viele Kunden sind Stammkunden. Warum Hansen nur Herren ausstattet? „Sie sind deutlich unkomplizierter“, berichtet er. Aus Erfahrung weiß er, dass sie nur am Bedarf orientiert sind. Wird es kalt, kommen sie um Pullover zu kaufen. Frauen seien modischer interessiert. Das Internet habe ihm in der Vergangenheit nicht zugesetzt, sagt er. Zu speziell sei sein Klientel. „Das möchte persönliche Beratung“, so Hansen, der im Center als Umschlagplatz für Geschichten gilt. Wenn man etwas über Schenefeld oder aus dem Stadtzentrum wissen wollte, ist man beim Herrenausstatter genau richtig. Das zieht auch Kunden an.

Anderen ergeht es weniger gut. Wer durchs Stadtzentrum läuft, sieht viele leere Geschäfte. Zuletzt machte Medimax dicht. Ein Ankermieter. „Das muss man skeptisch betrachten, weil das Sortiment sonst nicht woanders im Center zu bekommen ist“, kritisiert Hansen. Für die Zukunft wünscht er dem Center wieder eine Vollvermietung wie zur Eröffnung. Für seine eigene Zukunft plant der in Hamburg lebende zweifache Familienvater, der sieben Jahre in den USA lebte, als Soldat diente und im Empire State Building arbeitete: „Ein Buch schreiben über mein Leben.“

Weitere Infos: Mit der Elektronikkette Medimax verliert Stadtzentrum Ankermieter

Am 4. November 1999 eröffnete die Elektronikkette Makro-Markt eine Filiale im Stadtzentrum Schenefeld. Aus Makro-Markt wurde später Pro-Markt, nach einem erneuten Wechsel des Eigentümers schließlich Medimax. Und auch innerhalb des Centers erhielt die Elektronikkette, die einst auf der heute von der Warenhauskette TK Maxx belegten zweigeschossigen Fläche residierte, einen neuen, etwas kleineren Platz im ersten Stock über dem Eingang. Dort erinnern aktuell nur noch verklebte Schaufensterscheiben an Medimax. „In Schenefeld sagt man Tschüss“ ist dort zu lesen und der Hinweis auf drei andere verbliebene Filialen, die sich in Barmbek, Rahlstedt und Wandsbek und damit weit entfernt von Schenefeld befinden. Mit der Elektronikkette, die sich im September nach fast 19 Jahren heimlich, still und leise aus dem Center zurückzog, steht das Stadtzentrum ohne einen seiner Ankermieter da. Das Elektronik-Sortiment ist mit Ausnahme von vier Handyläden unbesetzt. Ob die Verantwortlichen eine Nachfolge aus diesem Segment finden, erscheint zweifelhaft. Eine Neuerung wird es im Erdgeschoss des Centers geben. In dem Seitenarm, der in Richtung LSE führt, ist die Einrichtung einer Saft- und Salatbar geplant.