Pinneberg
Elmshorn/Itzehoe

Vier Jahre Haft für Sexualstraftäter aus Elmshorn

Frank S. verging sich zwischen 2002 und 2009 im Reihenhaus der Familie in Elmshorn 557-mal an den zum Zeitpunkt der ersten Übergriffe neun und elf Jahre alten Mädchen (Symbolfoto)

Frank S. verging sich zwischen 2002 und 2009 im Reihenhaus der Familie in Elmshorn 557-mal an den zum Zeitpunkt der ersten Übergriffe neun und elf Jahre alten Mädchen (Symbolfoto)

Foto: imago stock&people / imago/blickwinkel

Frank S. verging sich an seinen Stieftöchtern. Das Landesgericht Itzehoe verurteilt den 57-Jährigen für 182 Missbrauchsfälle.

Elmshorn/Itzehoe.  Frank S. verzog keine Miene. Dass das Urteil des Landgerichts Itzehoe – vier Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen – nicht in seinem Sinne ausgefallen war, ließ sich der bullige Angeklagte am Montagnachmittag nicht anmerken. Und auch die eindringlichen Worte von Richterin Isabel Hildebrandt, die dem 57-Jährigen dringend zu einer Therapie riet, schienen an ihm abzuprallen.

Laut der Anklage soll sich Frank S. zwischen 2002 und 2009 im Reihenhaus der Familie in Elmshorn 557-mal an den zum Zeitpunkt der ersten Übergriffe neun und elf Jahre alten Mädchen vergangen haben. Eine Zahl an Taten, die sprachlos macht – und die das Gericht an insgesamt drei Prozesstagen aufgearbeitet hat. Die beiden Opfer, heute 25 und 27 Jahre alt, sagten zum Schutz ihrer Intimsphäre unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Der Angeklagte hatte sich auf Erinnerungslücken berufen

Am Ende stellte die Jugendkammer das Verfahren in 375 Fällen ein. 182 Missbrauchsfälle sahen die Richter dagegen als erwiesen an und schlossen sich mit ihrem Urteil dem Strafantrag von Staatsanwältin Dagmar Staack an. Der Verteidiger Matthias Maack hatte eine deutlich geringere Strafe für seinen in Teilen geständigen Angeklagten gefordert, hielt eine Haftstrafe von zwei Jahren, zur Bewährung ausgesetzt, für tat- und schuldangemessen.

Die Diskrepanz zwischen den angeklagten und den letztlich verurteilten Taten erklärt sich daraus, dass die Kammer die Aussagen eines Opfers als problematisch einstufte. Die heute 25-Jährige hat vor dem Prozess eine Therapie begonnen – und nun vor Gericht ihre im Ermittlungsverfahren gemachten Angaben in vielen Punkten verschärft. „Eine suggestive Beeinflussung ist nicht auszuschließen“, befand Richterin Isabel Hildebrandt. Aufgrund der Inkonstanz der Aussagen der jungen Frau könnten diese angeklagten Taten nicht einbezogen werden. Hildebrandt: „Wir können nur sagen, dass etwas passiert ist. Was genau, lässt sich nicht mehr aufklären.“

Daher könnten aus diesem Tatkomplex nur die zehn Fälle ins Urteil einfließen, die von dem Angeklagten eingestanden worden waren. Frank S. hatte, was die jüngere Stieftochter anging, einige weniger schwerwiegende Übergriffe eingeräumt. Im Fall der zweiten Stieftochter hatte der 57-Jährige lediglich angegeben, dass etwas vorgefallen sein könnte. An Genaueres könne er sich nicht erinnern. In diesen Fällen schenkte die Kammer der heute 27-Jährigen bis auf eine Ausnahme uneingeschränkt Glauben. Die junge Frau habe das Kerngeschehen konstant geschildert, und ihre Aussagen würden Realkennzeichen aufweisen, die ihre Angaben nachvollziehbar machen würden.

Richter vermissen Geständnis ohne Wenn und Aber

Demnach sei es beim „Familienkuscheln“ nach dem Sonntagsgottesdienst im Ehebett zu heimlichen Übergriffen gekommen. Aber auch im gemeinsamen Zimmer der beiden Mädchen im Dachgeschoss soll Frank S. das Gute-Nacht-Sagen zur Befriedigung seiner Bedürfnisse genutzt haben – und der älteren Stieftochter zu einem späteren Zeitpunkt im Wohnzimmer auch einen Pornofilm gezeigt haben.

„Sie haben das bestehende Vertrauensverhältnis zu den Mädchen auf das Übelste missbraucht“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor. Die Kammer ging davon aus, dass Frank S. sich an der älteren Stieftochter über Jahre mindestens einmal wöchentlich vergangen hatte. Zu Gunsten des Angeklagten nahmen die Richter einen „Sicherheitsabschlag“ vor, wie es die Vorsitzende Richterin formulierte – und sie werteten das Teilgeständnis sowie die lange Zeit zwischen den Taten und dem Gerichtsverfahren als strafmildernd.

Strafverschärfend wertete die Kammer, dass sich die Taten im geschützten Raum des Elternhauses abgespielt hatten. „Ihnen hätte es besser zu Gesicht gestanden, wenn Sie sich ohne Wenn und Aber zu ihren Taten bekannt hätten“, so Hildebrandt weiter. Die Aussage des 57-Jährigen, die Mädchen hätten sich nicht gewehrt und daher seine Aktionen als schön empfunden, seien zynisch. „Es ist vielleicht menschlich nachvollziehbar, dass Sie sich Ihre Taten schönreden. Aber sie waren nicht normal und für die Kinder alles andere als schön“, so die Richterin. Sie empfahl Frank S. eine Therapie – ordnete diese jedoch nicht an.

Hier gibts Infos:

Kinder werden auch heute noch vorwiegend vor dem „fremden Mann“ gewarnt. Sexueller Missbrauch durch Fremde tritt jedoch laut Polizei vergleichsweise selten auf. Er geschieht zumeist nicht in der Öffentlichkeit, sondern in der Familie, in der Verwandtschaft oder im engeren Bekanntenkreis. Nähere Infos dazu unter www.polizei-beratung.de im Internet.