Pinneberg
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Thesdorfs Einkaufszentrum blutet weiter aus

Willy Berger vom Angelshop Fischerman’s Partner. Der Laden hat ein neues Domizil im Rosenfeld gefunden, wird 2019 umziehen.

Willy Berger vom Angelshop Fischerman’s Partner. Der Laden hat ein neues Domizil im Rosenfeld gefunden, wird 2019 umziehen.

Auch der Angelshop Fisherman’s Partner verlässt die „Weißen Riesen“. Wirtschaftsförderer appelliert an die Politik, etwas zu tun.

Pinneberg.  Einkaufszentrum steht auf einem Schild, das den Weg weist. Ein paar hundert Meter weiter führen Stufen aufs Plateau. Über den Köpfen der Passanten erheben sich die höchsten Gebäude Pinnebergs, unweit der S-Bahn-Station Thesdorf. „Weiße Riesen“, werden die Plattenbauten genannt. An deren Fuße konnte einst prima für den täglichen Gebrauch eingekauft werden. Bis vor elf Jahren gab es im Edeka-Markt Fleisch, Gemüse und Obst. Alles was Hunderte Hochhausbewohner eben so brauchen. Dann machte Edeka dicht. Nachmieter kamen und gingen. 2019 geht mal wieder einer. Das Drama um den abgehängten Stadtteil geht weiter.

Im Frühjahr hatte das Abendblatt zum wiederholten Mal über die Tristesse in Thesdorf berichtet. Willy Berger vom Angelshop Fischerman’s Partner hatte seinerzeit seiner Unzufriedenheit Ausdruck verliehen – und angedeutet, dass in seinem Laden die Lichter ausgehen könnten. Diesen Worten folgen nun Taten. 2019 ist Schluss. Dann zieht Berger mit seinen Kollegen in einen schicken Neubau im Rosenfeld. Für das Team ist der neue Standort ein dicker Fisch. Alles moderner, schöner – und es gibt reichlich Parkplätze. Anders als in Thesdorf.

Krise des Einkaufszentrums begann spätestens 2007

Rückblick: Sechs Jahre ist es her, dass ernsthaft über die Aufwertung des Quartiers diskutiert wurde. Sogar über einen Wochenmarkt in Thesdorf war 2012 spekuliert worden. Der sollte Kunden anlocken, Frequenz schaffen. Wurde letztlich nichts draus, weil sich kein Betreiber fand. Kurz zuvor hatte das Geschäft Preiszauber die mit 970 Quadratmetern größte Ladenfläche unten in den markanten, einst vom Pinneberger Architekten Walter Sauermilch geplanten Hochhäusern verlassen.

Die Krise des Einkaufszentrums hatte schon früher ihren Ausgang genommen. Spätestens 2007. Da war Edeka-Händler Martin Böge ausgezogen. Zwei Jahre später machte auch der Nachfolger Markant dicht. Mit Preiszauber gab sich besagter Billigladen ein Stelldichein von überschaubarer Dauer. Umso größer war die Freude im Jahr 2013, als mit dem Angelfachgeschäft namens Fisherman’s Partner ein neuer Mieter gefunden werden konnte. Zumal der Shop in der Region kaum Wettbewerb hat, Konkurrenten sind rar.

Auch Platz für Künstler, Galerien oder Initiativen

Angler kamen also auch von weit her, um sich in Pinneberg, unweit der A 23, für ihre Fischzüge auszustatten. Davon profitierten auch die kleinen Ladengeschäfte in der Nachbarschaft, darunter ein Bäcker. Parkplätze suchten die Kunden indes oft vergeblich. Die von Streusalz zerfressene Tiefgarage rottet seit langem vor sich hin und war zeitweise für Kunden komplett gesperrt. Zudem gibt es nicht vermietete Geschäfte in dem Quartier. Und Gerüchte über Drogenhandel in den dunklen Ecken.

Pinnebergs Wirtschaftsförderer appelliert immer wieder an die Politik, den abgehängten Stadtteil wieder ins Visier zu nehmen. „Es gibt leider immer noch Leerstände“ sagt er. Auch sei ihm eine Nachvermietung für die Fishermans-Fläche bislang nicht bekannt. „Dort wieder Einzelhandel anzusiedeln, wird sehr schwer“, so Stefan Krappa. „Die Flächen sind nicht mehr zeitgemäß, das gilt für die ungünstige Stellplatzverfügbarkeit, den Zuschnitt und die städtebauliche Anmutung.“

Räumung ist nicht mehr für Ende Oktober geplant

Aus Krappas Sicht könnte sich das Einkaufszentrum womöglich für Dienstleister aus dem Non-Profit-Bereich eignen. „Für Künstler, Galerien, soziale Initiativen wie die Tafeln, Beratungsstellen oder Ähnliches. Ich habe die Flächen entsprechend bereits vorgeschlagen“, sagt Pinnebergs Wirtschaftsförderer. „Die Mieten sind erschwinglich, es braucht aber auch Mut, sich auf Thesdorf einzulassen.“

Zunächst sah es sogar so aus, als drohe ein sofortiges Aus für Fisherman’s Partner. Auch Krappa ging bis vor kurzem davon aus, dass der Laden Ende Oktober schon geräumt wird. Das ist nun, nachdem die Politik einen Beschluss für den neuen Standort gefasst hat, nicht mehr geplant. „Wir gehen davon aus, dass wir hier noch bis zum Umzug weitermachen“, sagt Willy Berger. Etwas mehr Zeit für die schwierige Akquise von Nachmietern.

Wirtschaftsförderer Krappa hofft, dass die geplante Bebauung des nicht weit entfernten Rehmenfelds einen Schub bewirkt. Für das Einkaufszentrum, das schon lange keines mehr ist.

Weitere Infos: Mehr Einzelhandel im Rosenfeld

Der Ausschuss für Stadtentwicklung in Pinneberg hat kürzlich den Weg für mehr Einzelhandel im Rosenfeld freigemacht. Und somit auch für den Umzug des Angelgeschäfts aus Thesdorf. Investor Michael May wird zwischen Wedeler Weg und Westring einen Neubau hochziehen, in den „Fisherman’s Partner“ dann einzieht.

Im Rosenfeld wird Angelbedarf in modernem Ambiente auf einer Fläche von 890 Quadratmetern angeboten. Gleich nebenan eröffnet das Futterhaus eine neue Filiale.