Pinneberg
Uetersen/Glückstadt

Der Ex-Hatlapa-Chef ist jetzt Reeder

Ex-Hatlapa-Chef Alexander Nürnberg (58) steht am Hafen in Glückstadt nahe seinem neuen Firmensitz. Die Aufnahme ist vor Kurzem entstanden, als es noch sommerlich warm war.

Ex-Hatlapa-Chef Alexander Nürnberg (58) steht am Hafen in Glückstadt nahe seinem neuen Firmensitz. Die Aufnahme ist vor Kurzem entstanden, als es noch sommerlich warm war.

Foto: Burkhard Fuchs

Nach 26 Jahren bei der Uetersener Maschinenfabrik versorgen Alexander Nürnberg und sein Sohn jetzt Offshore-Windparks in der Nordsee.

Uetersen/Glückstadt.  26 Jahre lang hat er die Geschicke der Uetersener Maschinenfabrik Hatlapa, die 2019 ihr 100-jähriges Bestehen feiert, maßgeblich gelenkt – erst als technischer Leiter und seit 1996 als geschäftsführender Gesellschafter. In diesen knapp drei Jahrzehnten hat Alexander Nürnberg das wellenmäßige Auf und Ab eines Schiffbauzuliefererunternehmens hautnah miterlebt. Nun hat sich der heute 58-Jährige noch einmal selbstständig gemacht. Mit seinem 30 Jahre alten Sohn Vincent leitet er jetzt in Glückstadt die kleine Reederei Off-Shore (OS) Energy, die die Windparks in Nord- und Ostsee versorgt.

Mit vier Schiffen, die vor Cuxhaven, Rügen und dem dänischen Esbjerg stationiert sind, versorgen sie jetzt die Offshore-Windparks, die gerade vor Helgoland und Rügen errichtet werden und für die nächsten Jahrzehnte die Energieversorgung in Deutschland klimafreundlich sicherstellen sollen, beschreibt Nürnberg die Arbeit von OS Energy.

„Das Geschäft boomt zurzeit“, sagt Nürnberg. Das junge Unternehmen, das zehn Mann „an Land“ in Glückstadt und Flensburg sowie 20 Mann an Bord der vier Schiffe beschäftigt, habe alle Hände voll zu tun und werde schnell wachsen, davon ist er überzeugt. „Wir sind gut aufgestellt und bedienen einen Nischenmarkt.“

Zum Schluss war Nürnberg nur noch in Asien unterwegs

Endlich habe er wieder alles in einer Hand, freut sich der leidenschaftliche Schiffsliebhaber. Keine langwierigen Konzernentscheidungen mehr, die irgendwo im fernen Helsinki getroffen werden. Nun könne alles im kleinen Kreis am Familientisch beratschlagt und entwickelt werden, wobei Sohn Vincent für das operative Geschäft und er für die Strategie des Unternehmens verantwortlich sei, erklärt Alexander Nürnberg. „Und ich kann sogar mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.“

Das war nicht immer so. Bei Hatlapa erlebte der promovierte Ingenieur der Verfahrenstechnik aufregende Zeiten. Mitte der 90er-Jahre hatte sich das Unternehmen, das Schiffswinden, Rudermaschinen und Kompressoren für die weltweite Handelsflotte produzierte, bis auf 600 Mitarbeiter vergrößert. Doch den Banken war die Expansion plötzlich zu riskant. „Das Geld war alle. Die Banken hatten Stacheldraht im Portemonnaie“, erinnert sich Nürnberg.

Sie forderten frisches Kapital von dem damaligen Alleininhaber Hubertus Hatlapa, der den Familienbetrieb in dritter Generation leitete. Also stieg Nürnberg in die Gesellschaft mit 25 Prozent ein, weitere zehn Prozent übernahm der noch zehn Jahre jüngere Vertriebschef Jörg Tollmien. Nürnbergs Eltern bürgten mit ihrem Haus für das gezeichnete Kapital ihres Sohnes. Und die Mitarbeiter verzichteten zwei Jahre lang auf ein Siebtel ihres Gehalts. So überstand Hatlapa diese Krise, auch wenn kurz darauf nur noch 250 Mann am Tornescher Weg in Uetersen arbeiteten.

Standort Uetersen sollte sogar geschlossen werden

Doch in den Nuller-Jahren wuchs Hatlapa parallel mit dem Schiffbauboom zu einem global agierenden Servicebetrieb, der überall auf der Welt Schiffe reparierte und mit seinen modernen Decksmaschinen ausrüstete. Dieses Geschäft lief so erfolgreich, dass 2013 der finnische Cargotec-Konzern das Uetersener Unternehmen kaufte und seiner MacGregor-Sparte einverleibte, die die gesamte Palette von Decksmaschinen, Kränen und Winden auf Schiffen im Programm hat.

Doch der Standort Uetersen kriselte auch hier bald wieder und sollte sogar geschlossen werden. Ende 2016 stieß MacGregor die Produktion ab und behielt nur noch die 150 Mitarbeiter, die für Konstruktion und Vertrieb zuständig waren. Daraus spaltete sich die Uetersener Maschinenfabrik mit 80 Mitarbeitern als reines Maschinenbauunternehmen wieder ab.

Nürnberg musste als neuer Geschäftsführer von MacGregor viel nach Asien reisen. Der Schiffbau war seit der Finanzkrise vor zehn Jahren so sehr in die Krise geraten, dass große Schiffe nur noch in Südkorea, China und Singapur vom Stapel liefen. Seine Familie in Glückstadt sah ihn kaum noch. Das ging ihm zunehmend „auf den Wecker“, erzählt Nürnberg. Vor allem, dass er seine Enkel nicht aufwachsen sah, nervte ihn.

Nürnberg beschäftigt sich mit Restauration von Gebäuden

So passte es, dass nun fünf Jahre nach dem Verkauf von Hatlapa an Cargotec sein Vertrag dort auslief. Sein Sohn Vincent, der Nautik studiert hat, hatte sich inzwischen mit der Reederei OS Energy selbstständig gemacht. Eine kleine Firma, die sich um die Windindustrie in Nord- und Ostsee kümmert, schien ihm genau das Richtige, um beruflich noch einmal von vorn anzufangen, sagt Nürnberg. Zumal auch Hatlapa sich in seiner Anfangszeit mit Windkraftanlagen beschäftigt hatte. Da schließt sich ein Kreis.

Und ganz nebenbei beschäftigt sich der frühere Hatlapa-Chef jetzt auch mit der Restauration von Gebäuden. Denn die Firmenzentrale von OS Energie befindet sich in einem der ältesten Häuser Glückstadts aus dem Jahr 1647, das direkt am dortigen Hafen liegt. Ein Schmuckstück. Alexander Nürnberg sagt stolz: „Das haben wir gerade frisch renoviert.“

Weitere Infos: Hatlapa – vor 99 Jahren gegründet

Max Hatlapa gründete 1919 die Uetersener Maschinenfabrik. Der Betrieb stellte kleine Diesellokomotiven, Winden, Kompressoren und Generatoren her, auch für den Schiffbau. Während des Zweiten Weltkrieges beteiligte sich Hatlapa an der Rüstungsproduktion.

Hans-H. Hatlapa konzentrierte sich nach dem Krieg wieder auf Lokomotiven, ab 1952 wieder auf Schiffbau.

Hubertus Hatlapa baute in den 90er-Jahren den Betrieb mit bis zu 600 Beschäftigten aus. 1996 gab er 35 Prozent der Anteile an Alexander Nürnberg und Jörg Tollmien ab. 2013 kaufte Cargotec-MacGregor die Firma, gliederte die Produktion aus und lässt unter anderem in Schenefeld produzieren. Die Uetersener Maschinenfabrik mit etwa 80 Mitarbeitern ist heute wieder im Maschinenbau tätig.