Pinneberg
Heist/Haselau

Raketen-Internet kommt jetzt auf die Dörfer

Foto: Thomas Pöhlsen

Breitband- Zweckverband hat nach langer Suche einen Tiefbauer gefunden. Kosten steigen von zwölf auf 20 Millionen Euro.

Heist/Haselau.  Jürgen Neumann ist in Feierlaune. Der sonst so nüchterne Vorsteher des Zweckverbandes Breitband Marsch und Geest hat an die Gemeindegrenze von Heist zu Haselau geladen, um ein paar von Silvester übrig geblieben Raketen abzufeuern. Damit löst er ein Versprechen ein. „Wir können endlich loslegen“, sagt Neumann. Er freut sich. Ein schnelles Glasfasernetz will der Zweckverband in allen 18 Mitgliedsgemeinden schaffen. Bis Ende 2020 soll der Job erledigt sein.

2016 hatte der Zweckverband das von einer Tochter des Abwasserzweckverbandes (azv) Südholstein errichtete Breitbandnetz in Holm, Lentföhrden, Hasloh und Teilen Heists übernommen. Den Betrieb des Netzes vergab der Zweckverband an wilhelm.tel. „Wir haben dort 2600 sehr zufriedene Kunden“, sagt Neumann. Gleich danach sollte es losgehen, auch in Heidgraben, Neuendeich, Groß Nordende, Moorrege, Haselau, Haseldorf, Appen, Seester, Seestermühe, Raa-Besenbek, Klein Nordende, Seeth-Ekholt, Kölln-Reisiek und Ellerhoop Breitbandnetze zu verlegen.

Es gab sogar Unterstützung aus Berlin: Im März 2017 hatte Neumann im Bundesverkehrsministerium einen Förderbescheid über vier Millionen Euro entgegengenommen.

Damals hatte der Zweckverband mit einer Investition von zwölf Millionen Euro gerechnet. Doch dann blies der Boom in der Bauwirtschaft alle Pläne hinfort. Es wurde kein Tiefbauer gefunden, der die Gräben zieht, in die die Glasfaserleitung verlegt werden können. Zwei Ausschreibungen mussten gestoppt werden. Nun kann Neumann zwar verkünden, dass endlich ein Generalunternehmer für den Tiefbau gefunden ist. Die Investitionssumme stieg derweil aber auf rund 20 Millionen Euro. Allerdings erhöhte sich auch die Fördersumme von vier auf 9,5 Millionen Euro. Zur Verzögerung trugen auch die Auflagen des Bundesverkehrsministeriums bei, die mit der Vergabe der Förder-Millionen verbunden waren. Immer wieder musste sich der Zweckverband mit der von Berlin beauftragten Firma abstimmen, die den Zweckverband bei der Ausgabe des Geldes kontrolliert.

Der Raketenstart an der Grenze von Heist zu Haselau ist symbolträchtig gewählt. Denn der Sitz des Zweckverbandes sowie der Hauptverteiler des jetzigen Netzes befinden sich in Heist. In Haselau und Haseldorf sollen die Verlegearbeiten beginnen. Deswegen durften auch die Bürgermeister der beiden Dörfer, Klaus-Dieter Sellmann und Peter Bröker, je eine Silvesterrakete starten.

Vermutlich im November erfolgt der erste Spatenstich für die beiden Marschdörfer, so Neumann. Dann soll sich der Tiefbauer langsam Richtung Norden vorarbeiten. So sind nach Haseldorf und Haselau dann Seester, Seestermühe, Neuendeich und Moorrege-Klevendeich dran.