Pinneberg
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Das Baumschulmuseum sucht Perspektiven

Foto: [.Katja Engler..] / [..Katja Engler.]

Heike Meyer-Schoppa, ehrenamtliche Leiterin, denkt manchmal ans Aufhören. Ihre große Hoffnung: dass Unterstützung aus Kiel kommt.

Pinneberg.  Kulturelle Initiativen starten in Pinneberg meist mit ehrenamtlichem Engagement, denn die Stadt oder das Land sehen sich selten in der Pflicht, Kultur öffentlich zu fördern. 1992 zum Beispiel hat sich eine Gruppe von Menschen zusammengetan und das Deutsche Baumschulmuseum gegründet. 1994 wurde es in Prisdorf eröffnet, heute befindet es sich in Pinneberg am Stadtrand an der Halstenbeker Straße. Es ist das einzige Museum seiner Art in der Republik. Und es ist mehr als fraglich, ob es so wie jetzt noch lange weiter existiert.

Museum wurde vor 24 Jahren in Prisdorf eröffnet

24 Jahre ehrenamtliches Engagement sind zum größten Teil mit dem Namen der Halstenbekerin Hildegard Lunau verbunden, die selbst aus einer Baumschulfamilie stammt und im Januar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Was sie über viele Jahre aufgebaut hat, führt die promovierte Historikerin Heike Meyer-Schoppa seit 2013 als neue Museumsleiterin fort. Beide Frauen und ein Kern von fünf sehr engagierten und weiteren sporadisch aktiven ehrenamtlichen Helfern haben bis jetzt keinerlei Geld für ihre Arbeit bekommen. Bei allen Kulturschaffenden der Stadt beziffert Herbert Hoffmann (SPD), Vorsitzender des Pinneberger Kulturausschusses, den Anteil Ehrenamtlicher auf 80 Prozent. „Irgendwann“, sagt Herbert Hoffmann, „haben die Leute aber keine Lust mehr“.

Für die 20.000 Euro Fixkosten für Ausstellungen, Ausstattung, Gestaltung oder Reparaturen treibt Heike Meyer-Schoppa, die mit Frank Schoppa, Geschäftsführer des Landes-Baumschulverbandes, verheiratet ist, 30 bis 40 Unterstützer pro Jahr auf, zum größten Teil sind es regionale Baumschulen. Der Förderverein des Museums hat 188 Mitglieder. Dennoch hat die Leiterin immer häufiger Zweifel, wie lange sie noch so weitermachen soll: „Es ist ein Kampf. Und manchmal ist es unheimlich schwierig, wenn man das Gefühl hat, es bleibt zu viel an einem hängen.“ Rund 20 Stunden wöchentlich arbeitet sie für das Museum. In dunklen Stunden denkt sie: „Lass mal gut sein.“

Aber eigentlich will sie nur eines: dass das Museum wenigstens eine minimale finanzielle Basis erhält. „Hier geht es darum, Werte zu vermitteln. Die Bedeutung von Grün und Natur für die Menschheit und die Arbeit mit Pflanzen sind unser Thema. Da geht es nicht um romantische Verzückung“, sagt sie. Um ihrem Herzensprojekt neue Perspektiven zu eröffnen, wird sie sich jetzt mit dem Baumschulmuseum beim Land Schleswig-Holstein um eine so genannte Museumszertifizierung bewerben. „Für mich ist das eine Nagelprobe, welche Perspektiven Fachleute von außen für das Museum sehen. Wenn wir die Zertifizierung erhalten, brauchen wir Geld für Stellen oder wenigstens eine Aufwandsentschädigung.“

2000 Besucher kommen pro Jahr, darunter 500 Kinder

Über die professionelle Museumsberatung und -zertifizierung, die das Land mit 87.000 Euro und damit rund 77 Prozent des Gesamtbudgets fördert, sollen Einrichtungen wie das Baumschulmuseum in ihrer Weitentwicklung unterstützt, gestärkt und wettbewerbsfähig gemacht werden, um im Konkurrenzkampf um Besucher und finanzielle Förderungen bestehen zu können. Das übrige Geld kommt von der Sparkassenstiftung und aus Eigeneinnahmen. Das Land hat die Museumsberatung vor fünf Jahren eingeführt, um Häuser wie das Baumschulmuseum zukunftsfähig zu machen und zu professionalisieren.

Schon jetzt hat es 2000 Besucher im Jahr. Heike Meyer-Schoppa legt großen Wert auf Umwelterziehung, weshalb rund 500 Kinder jährlich hierher kommen. Für sie ist ein modernes Museum „ein Freizeitort, an dem Menschen Spaß haben“ und an dem nicht nur schriftliche Informationen vermittelt werden. So wird im Baumschulmuseum das spielerische, haptische und visuelle Lernen praktiziert – durch das Schärfen der Sinne und die richtigen Informationen, wenn es beispielsweise darum geht, wofür Bäume wichtig sind oder wie mühselig früher der Anbau von Gemüse war. Gern arbeitet die Leiterin mit historischen Originalfotos. Eines zeigt eine große Gruppe von Frauen, die auf den Knien Unkraut jäten, beaufsichtigt von einem stehenden Vorarbeiter.

In dem kleinen Archivraum befindet sich eine Fachbibliothek, die gelegentlich von Studierenden aufgesucht wird, Bücher über Schnitt- und Pflanztechniken, Pomologie, Botanik, Schädlingsbekämpfung. Außerdem Bilder- und Dokumentenkisten und -Ordner zu einzelnen Baumschulen der Region. Heute gibt es noch rund 300, aber auch Unterlagen geschlossener Baumschulen werden hier aufbewahrt. Gepflegt und geordnet wird auch das von Ehrenamtlichen, für eine Fachkraft fehlt das Geld, für die Archivierung und Digitalisierung der 2000 bis 3000 Exponate auch.

Mit ihrer Arbeit will Heike Meyer-Schoppa vor allem Kindern Mut machen: „Die Übernutzung der Wälder hat zu einer geregelten Forstwirtschaft geführt, das Waldsterben zum Einbau von Entschwefelungsanlagen – man kann also etwas bewegen.“

Um viele weitere Themen geht es im Deutschen Baumschulmuseum: um Pflanzenvielfalt, Anpassung, historische Pflanzenimporte, um grüne Berufe, Anbau- und Kultivierungstechniken. Die Museumszertifizierung gilt als Türöffner zu alledem.