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Im Fluxkompensator von Hasloh zur Oldie-Messe

Foto: Sebastian Becht

Mechaniker Michael Wagner hat Kultauto aus Film „Zurück in die Zukunft“ nachgebaut – stellt es auf der Oldtimermesse in Hamburg aus.

Hasloh.  Michael Wagner zeigt auf einen gelben Koffer mit Strahlenwarnzeichen. „Darin sind die Plutoniumstäbe für den Kernreaktor im Heck – der erzeugt die für einen Zeitsprung benötigten 1,21 Gigawatt Leistung“, sagt der Kfz-Mechaniker. Und fügt stolz hinzu: „Alles in liebevoller Handarbeit selbst gebastelt“. Drei Jahre hat der Hasloher gebraucht, um seinen DeLorean zur „Zeitmaschine“ umzubauen. Jetzt sieht das Auto dem Original aus der Film-Trilogie „Zurück in die Zukunft“ zum Verwechseln ähnlich.

Wer möchte, kann den Wagen mit Nebelmaschine und Fluxkompensator Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr auf der Oldtimer-Messe „Motor Classics“ in Hamburg bewundern. In Halle A 3 steht die „Zeitmaschine“ neben zwei weiteren DeLorean-Modellen und einem Rahmen mit freigelegtem Motorblock.

Keine Lust auf Fließbandarbeit im Großstadtbetrieb

Neben seiner Zeitmaschine besitzt Wagner noch vier weitere „Delos“, wie er die silberfarbenen Wagen mit den charakteristischen Flügeltüren nennt. Ende der 80er-Jahre hatte der heute 41-Jährige den Kultfilm mit Michael J. Fox zum ersten Mal gesehen und sich in das Gefährt verliebt. „Es ist noch immer das einzige Auto, das komplett aus Edelstahl gebaut wurde“, schwärmt Wagner. Deshalb musste die rostfreie Außenhaut auch nicht lackiert werden, ist gänzlich unbehandelt. „Die nackte Wahrheit“, nennt das Wagner, der sich 2013 den Traum vom ersten eigenen DeLorean erfüllte.

Doch die Restauration war schwieriger als zunächst angenommen. Es ist fast unmöglich gewesen, Ersatzteile zu finden. Mühevoll hatte er sich eingearbeitet und ein Netzwerk aufgebaut, um an Spezialanfertigungen zu kommen. Dann kam Bewegung in die Sache.

„Es hat sich rumgesprochen, dass da ein Mechaniker mit eigener Werkstatt einen DeLorean hat“, sagt Wagner. Heute sei er einer von Europas größten DeLorean-Spezialisten. Es kämen Menschen aus der ganzen Welt, um ihre Autos bei ihm reparieren und restaurieren zu lassen. Ein Kunde habe seinen Wagen sogar aus Dubai in seine Werkstatt nach Hasloh geschickt.

Die hat Wagner 2012 eröffnet. Der gebürtige Hamburger hatte genug von der Fließbandarbeit im Großstadtbetrieb gehabt, wollte lieber aufs Land und sich Zeit nehmen für alte Autos. Das Wissen um die gehe nämlich verloren. „Ich bin kein Teiletauscher, ich repariere“, sagt Wagner. Sein neuestes Projekt: Ein DeLorian mit elektrischem Antrieb. In seiner Werkstatt arbeitet er auch mit anderen Modellen. Der Großteil seiner Arbeit fokussiert sich aber auf das silberne Kultauto. Die Fangemeinde wächst, ein Ende ist nicht in Sicht. „Viele, die den Film gesehen und sich einen DeLorean gewünscht haben, sind heute in einem Alter, in dem sie sich ihren Traum leisten können“, sagt Wagner.

Dieser Traum muss meistens vom Experten restauriert werden. Neukauf ist ausgeschlossen. Das Coupé wurde nur zwei Jahre lang produziert, bis der Hersteller, die DeLorean Motor Company, pleite ging. Der ehemaligen General-Motors-Vizepräsidenten und Firmengründer John DeLorean wollte nach eigenen Angaben ein sicheres langlebiges und nachhaltiges Auto bauen. Um die Produktionskosten möglichst niedrig zu halten, ging der Amerikaner nach Nordirland, das eine besonders hohe Arbeitslosenquote hatte. Die britische Labour-Regierung förderte sein Projekt mit 100 Millionen Pfund und diversen Steuervorteilen, da sie sich von den neu geschaffenen Arbeitsplätzen erhoffte, in der Bevölkerung Sympathien gegenüber der IRA abzuschwächen. Aufgrund des hohen Neupreises, der nur knapp unter dem eines Porsche 911 lag, und einer kurz nach Produktionsstart einsetzenden Automobilmarktkrise in den USA musste die Produktion aber schon bald wieder beendet werden.

Von den etwa 9000 gebauten Exemplaren sind heute noch rund 6000 übrig. Die sind bei Sammlern heiß begehrt und ab etwa 50.000 Euro zu haben. Nach oben sind die Grenzen offen. „Es ist ein Sammelobjekt und Spielzeug für Männer“, sagt Wagner, der erst vor kurzem seinen fünften DeLorean gekauft hat. Es sei der fünfzigste Wagen der vom Band gelaufen ist. Den musste er haben: „Ich bin so dicht an der eins, das gibt’s gar nicht.“ Die ersten 100 Wagen seien eigentlich Prototyen gewesen und hätten Teile verbaut, die in der späteren Serienproduktion fehlen.

Seiner Frau sage er immer, „den einen noch“, gibt Wagner mit einem Lachen zu. „Doch ein Ende gibt es nicht.“