Pinneberg
Kreis Pinneberg

Politiker erhöhen Druck auf Vermieter Vonovia

Ein Bild aus dem vergangenen Winter: Conrad Nowak (v. l.), Veit Ruppersberg, Jürgen Tafelmeier und Dieter Rase nehmen die Vonovia in die Pflicht

Ein Bild aus dem vergangenen Winter: Conrad Nowak (v. l.), Veit Ruppersberg, Jürgen Tafelmeier und Dieter Rase nehmen die Vonovia in die Pflicht

Foto: Andreas Daebeler / HA

Baumängel, Sperrmüll, keine Hausmeister: Bewohner berichten von anhaltenden Mängeln. Bundestagsabgeordnete schalten sich ein.

Kreis Pinneberg.  Wochenlang im Winter ohne Heizung. Monate ohne Fahrstuhl. Aus den Decken im Treppenhaus baumeln Kabel. Nein, Mieter des Wohnungsunternehmens Vonovia haben es nicht immer leicht. Das Abendblatt berichtete Anfang 2018 über Mängel in Wohnanlagen des Konzerns in Pinneberg und Elmshorn . Nachdem Recherchen des Investigativ-Journalisten Günter Wallraff, der Vonovia Mieter-Abzocke nachwies, erneut für Schlagzeilen sorgten, ist ein guter Zeitpunkt gekommen, nachzufragen: Hat sich die Situation für Mieter im Kreis Pinneberg verbessert?

Dieter Rase wohnt seit mehr als 30 Jahren in einem der großen Vonovia-Blöcke am Hindenburgdamm in Pinneberg. „Unflexibel und gleichgültig“, nennt er die Vonovia. Und liefert aktuelle Beispiele: „Türen zum Dachboden gammeln vor sich hin, seit Wochen ist eine Gehwegplatte lose. Nur eine Frage der Zeit, wann sich da jemand den Fuß bricht.“ Von 16 Lampen auf dem Dachboden seien zehn defekt. Kabel, die wohl für eine Notbeleuchtung gedacht seien, hingen unverkleidet aus der Decke. „Und ständig wird hier Sperrmüll im Hof abgestellt.“ Die Vonovia sei bei der Auswahl ihrer Mieter nicht allzu wählerisch. Zudem werde am Hausmeisterdienst gespart.

Haustür lange Zeit mit dem Bindfaden geöffnet

Dabei ist das Wohnen bei der Vonovia keineswegs billig. Rase zahlt 960 Euro warm für 75 Quadratmeter. „Spaß macht es hier nicht mehr“, sagt der Rentner. Zwar schaue er sich ab und zu mal nach Alternativen um, aber der Wohnungsmarkt gebe nicht viel her. „Und ein Umzug wäre ja auch mit Kosten verbunden.“

Veit Ruppersberg wohnt ebenfalls in einem von der Vonovia vermieteten Hochhaus in Pinneberg. Er hat seit den Protesten Anfang 2018 zumindest einige Verbesserungen verbucht. So gebe es in seinem Block am Hindenburgdamm endlich wieder einen Knauf an der Haustür. „Wir müssen die Tür nicht mehr mit einem Bindfaden öffnen“, frohlockt Ruppersberg. Nach Monaten funktioniere der Fahrstuhl. Die hässliche Sperrholzplatte vor dem Schacht ist verschwunden. Allerdings sei eine Fassadenplatte seit Langem beschädigt. Er habe den Objektbetreuer, der ab und zu für einige Stunden vor Ort ist, darauf hingewiesen – noch ohne Erfolg.

Bei Abgeordneten aus der Region nachgefragt

Genervte Mieter wünschen sich, dass die Bundespolitik einschreitet, Vonovia an die Kandare nimmt und reglementiert. Das Abendblatt fragte bei Abgeordneten aus der Region nach. Vom Sozialdemokraten Ernst Dieter Rossmann gab es zügig Antwort: „Schon im Frühjahr 2018 habe ich mich nach den Berichten an die Geschäftsführung des Unternehmens gewandt und darauf gedrängt, Abhilfe zu schaffen“, sagt er. „Vom Geschäftsbereich Nord war mir im März zugesagt worden, dass man sich der Probleme annimmt. Es ist sehr bedauerlich, dass das offenbar nur teilweise geschehen ist.“

Ist das fragwürdige Gebaren des größten deutschen Immobilienkonzerns überhaupt Thema in der Bundespolitik? „Mieterrechte und guter Wohnungsbau sind für die SPD wichtige Themen. Unser Ziel ist dabei, dass insbesondere kommunaler und Genossenschaftswohnungsbau gefördert werden und nicht internationale Konzerne, deren Ziel das Erreichen bestimmter Gewinnmargen ist“, so Rossmann. Die SPD setze sich bei der Neufassung des Mieterschutzgesetzes dafür ein, Mieter vor überzogenen Mieterhöhungen infolge von Modernisierungen zu schützen.

Kann Mieter Elmshorn Druck auf Vonovia aufbauen?

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael von Abercron findet drastische Worte: „Ich möchte anmerken, dass mich das Verhalten von Vonovia schockiert und abstößt, sagt der Christdemokrat. „Schon in Artikel 14 des Grundgesetzes steht, dass Eigentum verpflichtet.“ Diese Pflicht vernachlässige Vonovia auf das Sträflichste.

„Niederträchtig“ sei dies, da Mieter wegen der Situation auf dem Wohnungsmarkt kaum Möglichkeiten hätten, Vonovia mit üblichen Marktmechanismen zu strafen. Er sei in Gesprächen mit der Stadt Elmshorn, so von Abercron. Da die Stadt selbst Mieter bei Vonovia sei, werde geprüft, ob so Druck aufgebaut werden könne.

Ruf des Immobilienanbieters ist mächtig angekratzt

Der Ruf des bundesweit größten und seit 2013 an der Börse notierten Immobilienanbieters ist fraglos mächtig angekratzt. In der Konzernzentrale gibt man sich geläutert: „Wir bedauern natürlich die Unannehmlichkeiten für unsere Kunden, wenn es zu technischen Störungen kommen sollte“, sagt Unternehmenssprecherin Bettina Benner. Um nachzusetzen: „Selbstverständlich prüfen wir auch alle Möglichkeiten, um die Reparaturen zu beschleunigen. Leider ist es in manchen Fällen nicht möglich, da Ersatzteile gefertigt werden müssen oder lange Lieferzeiten haben.“ Ziel sei es, stets auf Mieter zuzugehen und „transparent unsere Lösungswege zu skizzieren“.

Transparenz, die im vergangenen Winter an der Beethovenstraße in Elmshorn nicht zutage trat. Dort froren Menschen nach einem Heizungsausfall wochenlang in ihren Wohnungen. Protest brach sich Bahn. Der Mieteraufstand hat offenkundig gewirkt. Die Vonovia hat für die Zeit des Heizungsausfalls Mietminderungen akzeptiert.