Pinneberg
Kreis Pinneberg

Vier von fünf Arbeitnehmern haben „Rücken“

Thomas Ehlert, Leiter der DAK-Gesundheit im Kreis, und Angelika Roschning, Fachdienst Gesundheit stellten den Gesundheitsreport vor 

Thomas Ehlert, Leiter der DAK-Gesundheit im Kreis, und Angelika Roschning, Fachdienst Gesundheit stellten den Gesundheitsreport vor 

Foto: Anne Dewitz

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind laut DAK häufigster Grund für Krankschreibungen. Aber: Pinneberger sind im Land am seltensten krank.

Kreis Pinneberg.  Der Krankenstand im Kreis Pinneberg ist 2017 um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent gesunken – und damit der niedrigste in Schleswig-Holstein. Der Landesdurchschnitt liegt bei 4,0 Prozent. Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der DAK hervor, den die Krankenkasse am Donnerstag im Kreishaus in Elmshorn vorgestellt hat.

„An jedem Tag des Jahres waren also von 1000 Arbeitnehmern 35 krankgeschrieben“, sagt Thomas Ehlert, Chef der DAK-Gesundheit im Kreis Pinneberg. Zum Vergleich: Der höchste Krankenstand in Schleswig-Holstein wurde in Lübeck, Neumünster und im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit jeweils 4,4 Prozent verzeichnet.

Die aktuelle Analyse der DAK für den Kreis zeigt die wichtigsten Veränderungen bei Zahl und Dauer der Krankschreibungen: Die Fehltage bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen, zu denen Rückenschmerzen zählen, nahmen zwar um zwei Prozent ab und lagen deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Ihr Anteil im gesamten Krankenstand beträgt jedoch rund 20 Prozent. Damit führt die Diagnose die Liste der Krankheitsursachen an.

Um 15 Prozent gestiegen sind die Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, die sich unter anderem auf Grippewellen zurückführen lassen. Sie landeten auf dem zweiten Platz. Dritthäufigster Grund für eine Krankschreibung waren 2017 psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände. Sie sind um zehn Prozent und damit am stärksten im Kreis zurückgegangen.

Die Krankenkasse setzt im aktuellen Report den Schwerpunkt auf Rückenschmerzen, an denen immerhin 1,1 Millionen Schleswig-Holsteiner leiden. Dafür wertete das IGES Institut in Berlin die Fehlzeiten aller erwerbstätigen DAK-Versicherten in Schleswig-Holstein aus. Es wurden darüber hinaus mehr als 5000 Beschäftigte im Alter zwischen 18 und 65 Jahren befragt und Experten eingebunden.

Demnach hatten 80 Prozent aller Befragten im vergangenen Jahr „Rücken“. Fast jeder Dritte hat aktuell Beschwerden. Auf 100 Erwerbstätige in Schleswig-Holstein entfielen rund 74 Fehltage wegen Rückenschmerzen. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt waren es mit rund 87 Tagen mehr. Im Kreis war die Zahl der Ausfalltage mit fast 63 geringer als im Landesschnitt. Die durchschnittliche Dauer je Krankschreibung lag mit zehn Tagen ebenfalls unter dem Landesdurchschnitt von knapp elf Tagen. „Im Vergleich zum Landesdurchschnitt zeigt sich bei uns, dass wir mit dem verstärkten Engagement im betrieblichen Gesundheitsmanagement eine Verbesserung erzielen können“, sagt Ehlert. Er plädiert dafür, den Arbeitsplatz rückenfreundlicher zu gestalten und Aspekte wie Stress und psychische Belastungen bei der Diagnose und Behandlung von Rückenschmerzen stärker zu berücksichtigen. 83 Prozent der Befragten gehen mit Rückenschmerzen weiter arbeiten. Dabei gilt: Je stärker die Schmerzen, desto höher ist der Druck im Job, und je weniger Freude bei der Arbeit, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Krankmeldung.

Die Mehrheit versucht, zunächst allein mit den Schmerzen zurechtzukommen. Nur jeder dritte Betroffene suchte 2017 einen Arzt auf. 53 Prozent von ihnen wurde Physiotherapie verschrieben. Jeder Zweite erhielt Schmerzmittel, 37 Prozent wurden krankgeschrieben. „Bei jedem Dritten wurde ein CT oder ein MRT des Rückens gemacht“, sagt Angelika Roschning von der Kreisverwaltung, Fachdienst Gesundheit. Sie sieht die Hauptursache für Rückenschmerzen darin, dass wir uns zu wenig bewegen. Daher sei Bewegung wichtiger als Schonung und Physiotherapie sinnvoller als Massagen.