Pinneberg
Serie: Gestern und heute

Ein besonderer Blick auf die Tornescher Geschichte

In unserer Serie stellen wir anhand historischer und aktueller Aufnahmen markante Gebäude in Städten und Gemeinden des Kreises vor.

Tornesch.  Frauen kommen in den Geschichtsbüchern viel zu selten vor. So sieht das jedenfalls Annette Schlapkohl und hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, den weiblichen Anteil der Geschichte zu beleuchten. Dafür veranstaltet die 52-Jährige schon seit Jahren in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gleichstellungsbeauftragten in Tornesch, Uetersen und Rellingen sogenannte Frauengeschichtswerkstätten, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. „Wir schauen mit einem etwas anderen Blickwinkel auf die Vergangenheit, Frauen stehen bei uns im Fokus“, sagt die freiberuflich tätige Historikerin, die unter anderem Werksgeschichten und Chroniken von Firmen oder Städten erstellt.

Schlapkohl betreut außerdem seit 2004 ehrenamtlich das Tornescher Stadtarchiv und ist Leiterin der Archivgruppe der Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut. Während im Stadtarchiv hauptsächlich Protokolle und andere Behördendokumente lagern, sammelt der Verein alles von Bedeutung. Glückwunschkarten zu Hochzeiten vor 100 Jahren, alte Tagebücher und natürlich Unmengen an Bildern. Historische Schätze, von denen Schlapkohl einen nach dem anderen digitalisiert und damit der Nachwelt dauerhaft zur Verfügung stellt. Fertig werden wird sie damit wohl nie, da zeitgleich immer Neues kommt. In einem digital erstellten Findbuch hält Schlapkohl fest, was alles hier landet. „Das meiste kommt aus Nachlässen, die Angehörige uns spenden, da es sonst im Müll landet.“ Und: „Vor Kurzem erhielten wir den kompletten Briefverkehr eines jungen Mannes, der seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs und später aus der Gefangenschaft in Afrika jahrelang Briefe schrieb“, erzählt Schlapkohl, deren Begeisterung für Vergangenes durch einen besonders guten Geschichtslehrer entfacht wurde. Die gebürtige Hamburgerin ist nach dem Geschichtsstudium 1992 in die Stadt Tornesch gezogen.

Schlapkohl hat die Ortsgeschichte aufgeschrieben

Kurz darauf war die Kommune auf der Suche nach jemandem, der die Ortsgeschichte aufschreibt. „Ich dachte, ich kann es in drei Jahren schaffen“, sagt Schlapkohl. Am Ende wurden es fünf Jahre Recherche, bis das Buch entstanden war. Auch weil ihre beiden Söhne zu der Zeit noch klein waren. Um sich der Geschichte Torneschs zu nähren, veranstaltete die Autorin sogenannte Erzählcafés. Zu Kaffee und Kuchen lud Schlapkohl Zeitzeugen ein, von ihrer Geschichte oder der ihrer Familie zu erzählen. Die Treffen führten zu mehr als 80 Einzelinterviews, bei denen Schlapkohl besonders relevante Erinnerungen zu Papier brachte. Entstanden ist eine umfassende, 500-seitige Ortschronik. Angefangen bei der Frühgeschichte über die frühe Neuzeit, die Eingliederung in den preußischen Staat, die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die Nachkriegszeit bis heute schildert sie detailliert die geografische, politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung in allen Facetten und unterlegt den Text mit Fotos, Grafiken und Karten. Vertrieben wird das Buch von der Ernst Martin Groth Stiftung, die es gemeinsam mit der Stadt Tornesch finanziert hat. Schlapkohl ist außerdem Redaktionsleiterin des regionalgeschichtlichen Buches „Jahrbuch für den Kreis Pinneberg“ und ist gerade dabei, den diesjährigen Band abzuschließen.

Schauen Sie sich in der Bildergalerie historische und aktuelle Fotos von Tornesch an.