Pinneberg
Gemeinderat

Brauchen Moorrege und Holm ein Entwicklungskonzept?

Moorreges SPD-Fraktionsvorsitzender Axel Mankel

Moorreges SPD-Fraktionsvorsitzender Axel Mankel

Foto: Thomas Pöhlsen

Einige Politiker bezweifeln den Sinn solch eines Konzepts. Haseldorf und Appen haben schon Erfahrungen damit gesammelt.

Moorrege.  „Perfekt für uns“ ist es aus der Sicht von Haseldorfs Bürgermeister Klaus-Dieter Sellmann (BfH). Und „eine hervorragende Sache“ nennt es der stellvertretende Bürgermeister Appens, Hans-Peter Lütje (CDU), dar. Dorfentwicklungsplan, Ortsentwicklungskonzept, Gemeindeentwicklungsplan – das Kind hat viele Namen, doch es steckt immer die gleiche Idee dahinter: Wie lässt sich die Zukunft der kleinen Kommunen aktiv gestalten? Wie können Probleme in den Dörfern gelöst werden? Antworten werden von Politikern und Bürgern mit Unterstützung von Fachplanern gefunden. Zu den Kommunen, die diesen Weg gegangen sind, gehören außer Haseldorf und Appen auch Tangstedt und Borstel-Hohenraden. In Holm und Moorrege wird derzeit diskutiert.

„Es ist gut, wenn ein Planer völlig neutral auf eine Gemeinde guckt“, sagt Lütje. So wurde den Appenern klargemacht, dass die Bevölkerung aufgrund des demografischen Wandels schrumpfen würde, mit all den negativen Folgen für die Dorfgemeinschaft. Ein moderates Wachstum wurde gemeinsam mit den Bürgern als Ziel ausgegeben. Das Inter-esse der Menschen sei groß gewesen, die Zukunft des Dorfes mitzugestalten, streicht der stellvertretende Bürgermeister heraus.

Haseldorf: Ortskern soll gestärkt werden

Besonders brennen den Appenern die Verkehrsprobleme auf der Hauptstraße auf den Nägeln. Zwar war vor einigen Jahren eine Initiative der Gemeinde bereits an den zuständigen Landesbehörden gescheitert, das Tempo des Verkehrs aus Richtung Pinneberg durch einen Kreisel am Pinnaubogen zu drosseln. Mit dem Konzept im Rücken könnte ein neuer Versuch erfolgreich sein, ermutigten die Planer die Appener.

Als „Glücksgriff“ hat sich für den Haseldorfer Sellmann die Auswahl des Planungsbüros herausgestellt. Bei der Analyse von Stärken und Schwächen ergab sich, dass Haseldorf über einen „wunderbaren Ortskern“ verfüge, so der Bürgermeister. Einige Gebäude sind allerdings in einem schlechten Zustand. In diesen Fällen bleibt den Politikern nur, mit den Besitzern das Gespräch zu suchen. Direkten Einfluss können sie jedoch im Bereich Kindergarten, Schule und Turnhalle nehmen. Um den Ortskern zu stärken, soll daraus ein „Multifunktionszentrum“ werden. Dazu gehören eine bessere Verknüpfung der einzelnen Gebäude, mehr Platz für die Betreuungsschule, eine Mensa sowie ein Raum, in dem sich Gruppen und Vereine treffen können.

Die Auseinandersetzungen um den Verkauf der alten Oberglinder Schule in Moorrege ist für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Axel Mankel ein Beleg für die Notwendigkeit eines Dorfentwicklungsplanes, dessen Erstellung er zur nächsten Gemeinderatssitzung beantragt hat. Die damalige CDU-Mehrheitsfraktion hatte den Verkauf eines der wenigen erhalten historischen Gebäude im Dorf an einen Investor gegen den Protest vieler Bürger und der Oppositionsfraktion durchgesetzt. „Mal wird hier etwas gemacht, mal dort, je nachdem, wo ein Investor Pläne hat“, sagt Mankel. Niemals werde darüber nachgedacht, ob etwas für die Gemeinde nützlich sei, ob vielleicht Änderungen sinnvoll wären und welche Auswirkungen es auf die Infrastruktur der Kommune hat. „Es gibt keine Vorstellung darüber, wie sich Moorrege entwickelt soll“, sagt der Sozialdemokrat, der sich optimistisch zeigt, eine Mehrheit im Gemeinderat zu bekommen. Kritisch sieht Mankel, dass in Moorrege Wohnraum nur von Investoren geschaffen wird. Aus seiner Sicht sollte auch die Gemeinde initiativ werden, etwa in Zusammenarbeit mit einer Baugenossenschaft, um Wohnraum für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zu schaffen.

In Holm werden Pro und Contra diskutiert

Pro und Contra eines Konzepts werden derzeit auch in Holm diskutiert. Die frisch in den Gemeinderat gewählten Grünen starten ihre erste Initiative mit dem Antrag auf Erstellung eines Gemeindeentwicklungsplanes.

Die CDU-Mehrheitsfraktion beurteilte während der jüngsten Gemeinderatssitzung das Vorhaben kritisch. „Wir sehen nicht die Notwendigkeit, immer neue Gremien zu schaffen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Zeitler. Außerdem gehe es Holm nicht so schlecht, obwohl es immer Sachen gebe, die man besser machen könnte. Entscheidung vertagt: Das Thema wurde noch einmal in die Fraktionen zur Beratung verwiesen.

Moorrege Gemeinderat: Di 25.9., 20 Uhr, Moorrege, Restaurant Grando Sukredo, Kirchenstraße 28