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Kreis Pinneberg

Wedels Politik wehrt sich geschlossen gegen Recyclinghof

Das GAB- Firmenschild

Das GAB- Firmenschild

Foto: Marianne Lins / GAB

Empörung über die Informationspolitik des Entsorgers GAB. Politiker fordern Gutachten. FDP will sogar rechtliche Schritte.

Tornesch/Wedel.  Es ist ein seltenes Bild in der Wedeler Ratsversammlung, die seit der vergangenen Kommunalwahl mit so vielen Abgeordneten bestückt ist wie noch nie: dass alle Mitglieder der sechs vertretenen Fraktionen einer Meinung sind, dass bei einer Abstimmung alle gleichzeitig die Hand heben. Doch am späten Donnerstagabend ist das geschehen. Alle 34 anwesenden Ratsmitglieder stimmten für einen interfraktionellen dringlichen Antrag. Was die Wedeler so einen kann? Es sind die Pläne des Abfallentsorgers GAB, am Kronskamp einen Recyclinghof zu errichten.

Denn den Kommunalpolitikern stinkt mächtig, dass sie in die Pläne nicht eingeweiht und dass die Belange Wedels so nicht gehört wurden. Unter anderem fürchten die Wedeler den damit einhergehenden zusätzlichen Verkehr, der sich dann über die ohnehin überlastete Bundesstraße 431 seinen Weg durch die Innenstadt bahnen könnte. Außerdem kritisieren die Politiker, dass sich mit dem neuem GAB-Recyclinghof ihre Pläne erledigt hätten, das Gewerbegebiet am Kronskamp aufzuwerten.

Daher fordern sie nun eindringlich von der Kreispolitik, vor einer Entscheidung über den Betrieb erst gutachterlich untersuchen zu lassen, welche Auswirkungen die Pläne auf den Wedeler Verkehr sowie das Gewerbegebiet hätten. Die Liberalen gehen in ihren Forderungen sogar noch weiter. Sie wollten bereits alle politischen und rechtlichen Mittel ausschöpfen, um die Anlage an dieser Stelle gleich ganz zu verhindern. Mit ihrem entsprechend verschärften Antrag konnten sie sich am Donnerstag aber nicht durchsetzen. Noch nicht. Denn die anderen Fraktionen machten deutlich, dass sie durchaus bereit sind, schwere Geschütze aufzufahren, wenn der jetzige Eilantrag keine Wirkung zeigt.

Standort wird seit Langem von der Abfallwirtschaft genutzt

Dazu muss man wissen: Müll ist für den Standort am Kronskamp nichts Neues. Denn dort ist seit Jahrzehnten ein Abfallunternehmen ansässig, das in der Vergangenheit allerdings wegen Lärm, Gestank, Ratten sowie Verstößen gegen die Betriebsgenehmigung bei den Aufsichtsbehörden aufgefallen ist (das Abendblatt berichtete). Von dem etwa 5700 Quadratmeter großen Areal aus steuerte das 70 Mitarbeiter starke Unternehmen Optisys die Entsorgung von Altglas und Verpackungsmüll in 15 Kreisen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Anfang 2018 übernahm Deutschlands größter Abfallkonzern, die Remondis GmbH Nord, erst das Unternehmen samt Fahrzeugen, Equipment und Personal sowie den langfristig geschlossenen Pachtvertrag für das Grundstück in Privatbesitz. Nach Abendblatt-Informationen möchte nun die kreiseigene GAB (Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung) all das wieder von Remondis übernehmen und umbauen.

Dabei tickt offensichtlich die Uhr. Denn bereits für den Umweltausschuss des Kreises am 27. September steht das Thema Errichtung und Betrieb eines zusätzlichen Recyclinghofes in Wedel und einer weiteren, seit Monaten bekannten Abfallannahmestelle in Quickborn auf Tagesordnung.

Hintergrund ist, dass der GAB-Standort in Tornesch-Ahrenlohe an seine Grenzen stößt. 2017 entsorgten dort 136.455 Bürger insgesamt 25.700 Tonnen Gartenabfall, Holz, Bauschutt, Metall, Papier, Sperrmüll und Schadstoffe. Das entspricht laut GAB einer Steigerung um 15 beziehungsweise 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den vergangenen zehn Jahren habe sich das Abfallaufkommen verfünffacht, die Kundenzahl fast verdoppelt. Das führt zu längeren Wartezeiten, und es bringt Genehmigungsprobleme mit sich. 2016 wurde die Betriebsgenehmigung bereits von 20.000 Tonnen pro Jahr auf 30.000 erweitert.

Eine erneute Erhöhung der genehmigten Menge haben Vertreter der Genehmigungsbehörde nach einem umfangreichen Vor-Ort-Termin ausgeschlossen. Wie im April 2018 mitgeteilte wurde, wäre dafür eine Neugenehmigung nötig – ein deutlich aufwendigeres und vor allem auch beklagbares Verfahren. Der Vorteil von Wedel: Der Standort ist bereits genehmigt. Das heißt aber auch, dass die Möglichkeiten der Stadt begrenzt sind, sich zu wehren, wenn die Kreispolitiker sich für den Recyclinghof entscheiden. Doch die Wedeler Politiker wollen Müll – wenn überhaupt – nur vor den Toren der Stadt, zum Beispiel an einem Standort im Bereich Wedel Nord.

GAB-Chef Jens Ohde wollte sich auf Abendblatt-Anfrage im Hinblick auf die ausstehende Entscheidung nicht äußern. Nun blickt alles in Richtung Elmshorn, wo der Kreistag im Müll-Streit entscheiden muss.