Pinneberg
Gastronomie

Hoteliers übernehmen Wedeler Reepschlägerhaus

Vorsitzender des Fördervereins, Bernd Vorwerk (v. l.) und die neue Betreiberfamilie Blum: Tochter Julia, Mutter Gabriele, Vater Heinz

Vorsitzender des Fördervereins, Bernd Vorwerk (v. l.) und die neue Betreiberfamilie Blum: Tochter Julia, Mutter Gabriele, Vater Heinz

Foto: Sebastian Becht

Förderverein regelt die Bewirtung in Wedels ältestem Haus neu. Familie Blum wird verpflichtet. Das Haus bleibt aber eine Teestube.

Wedel.  Der Kassenwart des Fördervereins macht es kurz: „Wir sind pleite“, sagt Joachim Röhrig, auf der Jahreshauptversammlung des Förderkreises Reepschlägerhaus am Donnerstagabend. Beziehungsweise sie wären es, wenn die Stadt Wedel nicht ausgeholfen hätte. 7500 Euro Nebenkosten hat sie für das Jahr 2018 bezahlt. Allerdings nur als einmalige Hilfe unter der Bedingung, dass Ende des Jahres ein Konzept steht, mit dem der künftige Betrieb des Reepschlägerhauses gesichert ist. „Das haben wir jetzt geschafft“, sagt der Vorsitzende des Förderkreises, Bernd Vorwerk. Ab Januar kommenden Jahres wird Familie Blum die Bewirtung des denkmalgeschützten Fachwerkhauses übernehmen. Als Betreiber des Wedeler Hotels Diamant bringen die Blums einiges an Erfahrung mit. Deshalb ist sich Vorwerk sicher: „Ab Januar wird es wieder laufen.“

Das bisherige Konzept wird dabei aber nicht auf den Kopf gestellt. Das Reepschlägerhaus – von den Wedelern liebevoll nur „Reepi“ genannt – soll weiterhin als Teestube betrieben werden. Im Detail wird sich allerdings einiges ändern. Angefangen mit den Öffnungszeiten. „Bis auf Dienstag werden wir täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet haben“, sagt Gabriele Blum, die den Fokus auf das Frühstück legen möchte: Im „Reepi“, dem mit 260 Jahren ältesten Gebäude Wedels, soll es künftig ein breit aufgestelltes Frühstück geben. Vital, vegan oder glutenfrei, wenn gewünscht, dann auch deftig mit Fisch. Gekocht werden darf in dem 1758 als Handwerkerhaus für Seiler erbauten Gebäude nicht. Es fehlt ein Fettabscheider, der Fette und Öle vom Abwasser trennt. Kein Problem für Blum, deren Hotelküche fußläufig nur zehn Minuten entfernt liegt.

Täglich wechselndes Angebot an selbstgebackenen Kuchen

Mittags soll es Salate und Suppen geben. „Alles frisch, nichts aus der Dose oder Tüte“, sagt die 49-Jährige mit 25 Jahren gastronomischer Erfahrung. Generell würde sich die Qualität der Speisen und Getränke deutlich erhöhen: „Das täglich wechselnde Angebot an Kuchen wird selbst gebacken.“ Und auch eine große Auswahl an hochwertigem, losen Tees soll angeboten werden. „Ich komme aus dem Ammerland. Bei uns wurde das Teetrinken schon immer zelebriert“, sagt Blum, die sich schon als junges Mädchen eine Teestube gewünscht hat. „Aber meine Eltern wollten keine fremden Leute im Garten“, sagt sie und lacht. Zusätzlich zum gastronomischen Betrieb am Tag will die gelernte Immobilienmaklerin ihren Gästen auch noch Abendveranstaltungen wie beispielsweise Weinproben bieten.

Durch die Veränderungen sollen wieder mehr Besucher ins Reepschlägerhaus geholt werden. „Die sind in letzter Zeit ausgeblieben“, sagt Bernd Vorwerk. Der bisherige Betreiber habe das nicht hinbekommen. Jetzt soll es professioneller laufen, da die Blums auf ihre Fachkräfte aus dem Hotel zurückgreifen könnten. Durch das erweiterte Angebot und durch die eigene Herstellung hochwertiger Kuchen würden bald wieder mehr Kunden kommen.

Mit dem Tod des ehemaligen Betreibers Werner Wietek hatte eine Talfahrt des traditionsreichen Hauses begonnen. Über viele Jahrzehnte bewirtschaftete Wietek das Reepschlägerhaus allein und mit viel Herzblut. Als der feinsinnige und beliebte Gastronom im Frühjahr 2016 starb, verfiel auch dessen Konzession. Dass eine neue Konzession erteilt wurde, knüpften die Ämter an heutige Gastronomie-Standards, die vor 40 Jahren und auch danach offenbar kein Thema gewesen sind. Ein Gezerre mit Behörden entwickelte sich, denn die Anforderungen an einen gastronomischen Betrieb hatten sich deutlich erhöht. Die Toilette musste einen Eingang durchs Kaminzimmer bekommen, da der Zugang durch die Küche nicht mehr zeitgemäß war.

Eine der größten Hürden beim Umbau war der Brandschutz, da das verwinkelte Haus keine Fluchtwege für viele Menschen gleichzeitig bietet. Aus diesem Grund musste eine Rauchschutztür am Eingang zu Wieteks ehemaliger Wohnung im Obergeschoss gebaut werden. Die Wohnung durfte fortan auch nicht mehr genutzt werden. Unter anderem deshalb, weil die Treppe nach oben zu schmal war und ein Umbau oder der Anbau einer Feuerleiter aus Denkmalschutzgründen nicht möglich erschienen. 45.000 Euro wurden investiert. Die Stadt Wedel als Eigentümerin des Hauses hat 20.000 Euro gezahlt, allerdings nur, da der Freundeskreis 25.000 Euro an Spenden beigesteuert hat.