Pinneberg
Aktion

Warum Radfahrer in Pinneberg auf einem Parkplatz campen

Hans Peter Spurk (v. l.), Ingo Besendahl, Juliane Besendahl, Ingrid Metzner, Ulf Brüggmann und Matthias Walenda als Parkplatzbesetzer

Hans Peter Spurk (v. l.), Ingo Besendahl, Juliane Besendahl, Ingrid Metzner, Ulf Brüggmann und Matthias Walenda als Parkplatzbesetzer

Foto: Xenia Haensen

ADFC-Mitglieder in der Kreisstadt machen zum ersten Mal beim „Parking Day“ mit. Sie plädieren für weniger Autoverkehr.

Pinneberg.  Autofahrer und Fußgänger staunen: Dort, wo gerade noch Parkplätze waren, liegt nun grüner Rollrasen, stehen Tische und Bänke. Pinneberg, Bismarckstraße: Ulf Brüggmann und seine Mitstreiter vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) haben es sich auf zwei Parkplätzen gegenüber dem Rathaus gemütlich gemacht. Und sie haben – Ordnung muss sein – sogar zwei Parkscheine gezogen. Sieht ein bisschen aus wie Camping, ist es aber nicht: Sie wollen zeigen, wie dieser Raum ihrer Ansicht nach in Zukunft für und von Menschen besser genutzt werden könnte.

Hintergrund ist der am dritten Freitag im September stattfindende internationale „Parking Day“. Ein Aktionstag, an dem darauf aufmerksam gemacht werden soll, wie viel Fläche durch Parkplätze verloren geht. Und wie durch weniger motorisierten Verkehr mehr Aufenthaltsqualität für die Einwohner geschaffen werden könnte. Zum ersten Mal ist auch der ADFC Pinneberg dabei. „Beinahe 4300 Fahrzeuge stehen laut einer Stichprobe auf den Fahrbahnen Pinnebergs und verbrauchen Stellfläche. Mit der könnte weitaus mehr gemacht werden“, ist sich ADFC-Mitglied Matthias Walenda sicher. Damit spielt er hauptsächlich auf die Nutzung des Fahrrades an. Er fragt: Wie viel leerer und leiser könnten die Straßen in Pinneberg sein, wenn die Menschen deutlich mehr Wege mit dem Fahrrad zurücklegten? Für eine attraktive Infrastruktur zum Radfahren werde aber vor allem eines gebraucht: Platz. Platz, der bisher oft für geparkte Autos reserviert sei.

Zur großen Freude der ADFC-Mitglieder sollen in naher Zukunft die Parkplätze vor dem Rathaus Pinneberg ohnehin umgestaltet werden, sagen sie. In dem Bereich, in dem sich Matthias Walenda und seine Mitstreiter gerade für mehr Lebensqualität durch weniger motorisierten Verkehr einsetzen, solle „neben einer Fußgängerzone auch mehr Platz für Radfahrer gemacht werden“, so Walenda. Die Stadt Pinneberg hat damit aber noch nicht begonnen.

Gedankt wird der Einsatz des ADFC den Mitwirkenden nur teilweise. „Ohne Genehmigung kommt der Aktionstag, vor allem im Rathaus, eher weniger gut an. Fast ist er deswegen verhindert worden“, berichtet Walenda. Mitarbeiter des Rathauses störten sich dabei vor allem daran, dass die besetzten Parkplätze in der Zeit dieses Flashmobs, wie ADFC-Vorsitzender Ulf Brüggmann die Aktion nennt, nicht von Besuchern der Innenstadt hätten genutzt werden können.

In drei Orten wird die Aktion diesen Sonnabend nachgeholt

„Es muss sich grundlegend etwas ändern“, meint auch ADFC-Landesvorsitzender Thomas Möller. Und: „Der öffentliche Raum gehört allen und muss auch für die Kommunikation in der Nachbarschaft und zum Spielen nutzbar sein.“ Und das, ohne dabei Tag und Nacht von Autos blockiert zu werden.

Nun ist der dritte Freitag im September zwar schon vorbei, in einigen Kommunen wird der „Parking-Day“ aber auch erst an diesem Sonnabend begangen. So etwa in Elmshorn von 10 bis 12.30 Uhr in der Innenstadt, Details dazu hat der ADFC nicht genannt. In Wedel sichern sich Aktivisten von 10 bis 12.15 Uhr einen Parkplatz an der Bahnhofstraße. Und auf dem Vorplatz der S-Bahnstation Krupunder gibt es von 8.30 bis 12 Uhr eine Aktion.