Pinneberg
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Sieben Tipps für eine verflixt gute Ehe

Bitte Platz nehmen: Hartmut Riemenschneider, Pastor der Kirche am Fahlt in Pinneberg, empfängt demnächst Paare zu seinem Ehe-Kursus

Bitte Platz nehmen: Hartmut Riemenschneider, Pastor der Kirche am Fahlt in Pinneberg, empfängt demnächst Paare zu seinem Ehe-Kursus

Foto: Katja Engler

Aufgepasst: Der Pinneberger Pastor Hartmut Riemenschneider bietet einen Ehe-Kursus für Paare an. Sieben Tipps für eine gute Ehe.

Pinneberg.  Die Trennungswut in Deutschland nimmt seit Jahren ab, immer weniger Menschen lassen sich scheiden. Dennoch haben 153.500 Paare im Jahr 2017 diesen Schritt getan, und 124.000 minderjährige Kinder waren davon betroffen. Im Durchschnitt scheitert eine Ehe in Deutschland nach 15 Jahren. Statistik ist aber abstrakt, und nicht überall entsteht derselbe Eindruck: „Wir stellen fest, dass immer mehr Ehen scheitern“, sagt Pastor Hartmut Riemenschneider von der Pinneberger Kirche am Fahlt. Er tritt jetzt zum zweiten Mal die Flucht nach vorn an und offeriert ab Oktober einen Ehe-Kursus für Paare, um „zu helfen, dass es nicht zur Trennung kommt“.

Auch Riemenschneider ist verheiratet. Seit 36 Jahren. Mit seiner Frau hat er drei gemeinsame Söhne. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass „eine lebenslange Beziehung Arbeit bedeutet“. Wie diese Arbeit aussehen kann, darum geht es in seinem Kursus, der sich ausdrücklich an alle Menschen wendet – unabhängig von Religion oder Einkommen. Riemenschneiders folgende sieben Empfehlungen für eine glückliche Ehe auch nach dem „verflixten siebten Jahr“ basieren auf den Erfahrungen des Londoner Ehepaares Nicky und Sila Lee, das den so genannten „Ehe-Kursus“ entwickelt hat.

1. Fundament bauen

Eine gute Ehe bleibt nicht von allein gut. Entscheidet euch täglich neu für sie und wagt es, auch heikle Themen anzusprechen. Sorgt dafür, dass die Routine euch nicht in der Hand hat, seid fantasievoll, verbringt mindestens zwei völlig stressfreie Stunden wöchentlich ausschließlich zu zweit, wechselt auch mal eure Treffpunkte und teilt Dinge, die euch lieb sind. Aber schützt auch eure eigenen Bereiche, pflegt alte Freundschaften, und wenn ihr kleine Kinder habt, wenigstens ein Minimum an Hobbys.

2. Richtig kommunizieren

Hört einander wirklich zu, aber wählt den geeigneten Moment für wichtige Gespräche. Seid aufmerksam, wenn euer Gegenüber von den eigenen Gefühlen spricht. Das ist nicht selbstverständlich, denn nicht jeder kann sich spüren und die eigenen Gefühle benennen. Auch das will gelernt sein, insbesondere Männern fällt das oft schwer. Der US-amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg hat das bis heute gültige Konzept gewaltfreier Kommunikation entwickelt, das sich speziell im Fall von Konflikten als hilfreich erwiesen hat. Augenkontakt und Zugewandtheit sind dabei die Grundvoraussetzungen, aggressives Verhalten kontraproduktiv.

3. Konflikte bewältigen

Geld, Schlampigkeit, Erziehung, Hausarbeit und Sex sind zentrale Themen, über die Paare sich streiten. Nach Rosenberg ist die Basis erfolgreicher Kommunikation auch hier das Erkennen und Benennen eigener Gefühle, auch der unangenehmen. Statt den anderen zum Beispiel fürs Zuspätkommen mit Vorwürfen zu überhäufen, ist es besser, zu sagen, wie es dir damit geht und was du dir wünschst. Akzeptiert, dass ihr unterschiedlich seid und dass das Licht- und Schattenseiten für beide mit sich bringt. Schaut auf die guten Eigenschaften eures Ehepartners und setzt euch konstruktiv auseinander, wenn die schlechten euch allzu sehr stören oder einschränken. Bei allem gilt: Behaltet den Humor!

4. Entschuldigung sagen und vergeben

Eine Ehe ohne Verletzungen gibt es nicht. Damit sich nichts aufstaut, was leider oft passiert, müsst ihr darüber reden, wenn ihr euch verletzt oder gekränkt fühlt. Tut ihr das nicht, gräbt das langsam einen Graben zwischen euch. Seid ihr derjenige, der den anderen verletzt hat, dann geht in euch, versetzt euch in den anderen und bittet, wenn ihr es ehrlich meint, um Entschuldigung. Achtet künftig darauf, in ähnlichen Situationen achtsamer zu sein.

5. Gute Beziehung zu den Eltern pflegen

Ideal ist es, wenn Ihr eure Eltern lieben und ehren könnt. Bekommt ihr Kinder, so können eure Eltern euch unterstützen, damit ihr noch die dringend notwendigen Stunden zu zweit findet. Aber nutzt eure Eltern nicht aus, beansprucht sie nicht zu häufig. Daraus kann schließlich auch eine weitergehende Einmischung in euer Leben hervorgehen, die ihr vermutlich nicht wollt. Gibt es Stress, ist es ratsam, als Paar zusammenzuhalten, sonst werden Fronten aufgemacht, die sich verhärten können. Die Priorität junger Eltern, die heute ja meistens auch beide arbeiten gehen, sollte darin liegen, sich um die Kinder und umeinander zu kümmern.

6. Zärtlicher, authentischer Sex

Kaum etwas ist so aufgeladen, kaum etwas so heikel wie Sex. Gerade in langjährigen Beziehungen, in denen es Ehepartnern schwerfällt, darüber zu reden. Hier werden Nicky und Sila Lee ein wenig moralisch. Sex außerhalb der Ehe sei zerstörerisch, sagen sie, aber begründen das auch: Sexuelle Vereinigung „berührt uns auf einer tiefen emotionalen, seelischen und geistlichen Ebene“. Sex sei dazu da, eine einzigartige und verbindliche Beziehung auszudrücken. Beim Sex gehe es nicht um Leistungssport, sondern um Begegnung und darum, sich zu verschenken.

7. Liebessprache übersetzen

Womit drückt ihr eure Liebe aus? Und wird das überhaupt verstanden? Macht ehrliche Komplimente, verwöhnt euch und zeigt, dass ihr euch übereinander Gedanken macht. Der amerikanische Eheberater Gerry Chapman schreibt, dass Liebe durch Worte, Zeit, Berührungen, Geschenke und Taten ausgedrückt werden. Beglückende Folge ist, dass der andere sich dadurch geliebt fühlt.

Der Ehe-Kursus:

Beginn des Ehekursus’ ist am 17.10. um 19.30 Uhr in der Kirche am Fahlt, Fahltskamp 79. Angeboten werden sieben zusammenhängende Abende für Paare, die jeweils am Mittwochabend stattfinden. Teilnehmen kann jeder. Der Kursus kostet 30 Euro pro Paar. Anmeldungen schriftlich oder per Mail an ehe-kurs@kirche-am-fahlt.de oder per Telefon: 04101/37 47 387.