Pinneberg
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Der Stadtteil Thesdorf wächst zusammen

Hinter den Gärten der Neuen Straße wachsen Weihnachtsbäume. Das Areal schließt am anderen Ende an die Straße Gehrstücken an und soll mit Gewerbe bebaut werden

Hinter den Gärten der Neuen Straße wachsen Weihnachtsbäume. Das Areal schließt am anderen Ende an die Straße Gehrstücken an und soll mit Gewerbe bebaut werden

Foto: Katja Engler

Pinneberg plant am Rehmenfeld und Gehrstücken ein Wohn- und Gewerbegebiet. Politiker und Anlieger befürchten eine Verkehrsüberlastung.

Pinneberg.  Weil in Pinneberg noch immer Wohnungen fehlen und die Stadt dringend ihre Gewerbeeinnahmen erhöhen muss, um die Defizite zu schmälern, werden derzeit die letzten geeigneten städtischen Flächen mit Bebauung überplant. Zwei dieser avisierten Zukunftsbaustellen liegen in Thesdorf dicht beieinander und grenzen an die Autobahn 23. Die eine ist das sogenannte Rehmenfeld, wo 500 bis 600 Wohnungen sowie Gewerbe entstehen sollen, die andere ist Gehrstücken Süd , wo reines Gewerbe geplant ist. Sorge bereitet Politikern und Anliegern schon jetzt eine mögliche Verkehrsüberlastung des Gebietes.

Auf beiden Flächen wiegen sich derzeit noch Gräser und Bäume, auf der Fläche Gehrstücken Süd werden Weihnachtsbäume im großen Stil angepflanzt. Vieles um diese beiden Gewerbe-Sahnestücke nahe der Autobahn wird derzeit diskutiert. Es fehlen allerdings noch entscheidende Gutachten.

Erholungs-Grün grenzt an Landschaftsschutzgebiet

Im Osten von Gehrstücken Süd grenzt das geplante Erholungs-Grün an ein Landschaftsschutzgebiet um die Düpenau-Niederung, wo sechs Fledermaus-Arten und seltene Vögel leben. Stark schmälernd ist hier die laute A 23.

Der Bebauungsplan Gehrstücken Süd wurde unter anderem deshalb aufgelegt, weil die dort beheimatete Firma für Dichtungstechnik, C. Otto Gehrckens, sich erweitern möchte, sagt Wolfgang Lange von den Bürgernahen. Auch auf dem Rehmenfeld ist Gewerbe erwünscht, was wegen der Nähe zur A 23 und der Auffahrt Pinneberg-Süd auf der Hand liegt.

Am Dienstag war im Rathaus nun für Gehrstücken Süd eine Variante als Favorit präsentiert worden, die zwar Gewerbe-Bebauung vorsieht, aber auch einen Grünstreifen zur angrenzenden Wohnbebauung. Dieses Zugeständnis ist das Ergebnis einer Bürgerbeteiligung: „Tendenziell sind wir damit zufrieden“, sagt Joachim Osses, Sprecher der 150-Anwohner-Interessenvertretung, der jetzt nur noch kleinere Dinge im Magen liegen. „Eine so intensive und konstruktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern habe ich bisher bei keinem Bebauungsprojekt erlebt“, frohlockt Gerhard Thomssen (SPD). Die jetzt angestrebte Variante sei „die von allen plausibelste“.

FDP begrüßt Ansiedlung von Gewerbe

Den Bürgernahen geht sie nicht weit genug. Sie hätten den Rahmen lieber voll ausgeschöpft: „Der Plan entspricht nicht unseren Vorstellungen, weil er zu viel Grün vorsieht. Wir hätten dort mehr Gewerbe und noch etwas Wohnbebauung eingeplant“, sagt Wolfgang Lange. Für mehr Gewerbe auf solchen Flächen spricht einiges. Und selbst wenn für die Stadt kurzfristig Erschließungs- und Straßenbaukosten anfallen, „werden die Gewerbeeinnahmen das kurz- oder mittelfristig wieder einspielen“, sagt Carl-Eric Pudor (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungs-Ausschusses. „Deshalb haben wir uns ja auch so für die Westumgehung stark gemacht. Damit wir auch dort Gewerbeflächen entwickeln können.“

Die FDP sieht das ähnlich: „Wir begrüßen in Gehrstücken Süd die Ansiedlung von Gewerbe. Auch den Grünstreifen finden wir gut“, sagt Birgit Klampe.

Gehrstücken: Bauten dürfen 14 Meter hoch werden

Manfred Stache von den Grünen/Unabhängigen findet, dass die Umsetzung des aktuellen Plans für Gehr-stücken Süd „im Prinzip besser machbar ist als das Rehmenfeld. Man müsste aber die beiden gemeinsam betrachten“. Denn die geplanten 500 bis 600 neuen Wohnungen bereiten den meisten Politikern Bauchschmerzen. Stache meint, das Rehmenfeld-Projekt gehöre „auf Eis gelegt“ und entscheidend verkleinert: „600 Wohneinheiten – das ist falsch.“ Falsch, weil Verkehrsdichte und Folgekosten zu hoch würden.

Die Gewerbebauten (Gehrstücken) dürfen laut Plan 14 Meter hoch werden - die Anwohner würden das gern auf zehn Meter drosseln und auch den Grünstreifen verbreitern. Auf 40 bis 50 Meter, wie das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume vorgeschlagen hatte. Im westlichen Grünstreifen leben keine geschützten Tiere oder Pflanzen mehr. Dass es Erleichterung auslöse, wenn die Natur nicht mehr intakt sei, finden die Grünen befremdlich.

Größte Sorge: ein erhöhtes Verkehrsaufkommen

Am meisten Sorgen macht allen das künftige Verkehrsaufkommen: „Ich sehe nicht, dass die Rellinger Straße das aufnehmen kann“, sagt Carl-Eric Pudor. „600 Wohneinheiten auf dem Rehmenfeld sind definitiv zu viel. Mindestens achtgeschossige Bauten finde ich städtebaulich nicht darstellbar.“ Die dadurch steigende Verkehrsbelastung sehe die CDU-Fraktion „sehr kritisch“. Auch Gerhard Thomssen glaubt, dass da „noch eine harte Nuss zu knacken ist“. Mit Spannung wird von allen das Verkehrsgutachten erwartet.

Letzten Endes wird die stetige Verdichtung in den Städten ein Umdenken, wie es im Mühlenau-Quartier propagiert wird, unumgänglich sein. Vieles geht schließlich auch ohne Auto. Erst recht, wenn die S-Bahn nicht weit ist.

Der nächste Stadtentwicklungs-Ausschuss tagt am 23.10. um 18.30 Uhr im Rathaus Pinneberg (Rockville-Zimmer)