Pinneberg

Der Krebs ist da, aber Sophie geht verloren

Die Haare sind ab, der Schock ist groß: Jana Engel als Sophie, Jan Rzepucha als Pfleger Basti und Reinhard Matthies als Dr. Leonhard

Die Haare sind ab, der Schock ist groß: Jana Engel als Sophie, Jan Rzepucha als Pfleger Basti und Reinhard Matthies als Dr. Leonhard

Foto: Mirjam Rüscher

Das Forum Theater Pinneberg feierte am Sonnabend unter erschwerten Bedingungen die Premiere des Stückes „Heute bin ich blond“

Pinneberg.  Sie lacht, sie schreit, sie weint, sie verzweifelt – und sie fasst neuen Mut: Jana Engel liefert in der Rolle der krebskranken Sophie eine überzeugende und beeindruckende Darstellung auf der Bühne. Dank ihr und eines starken Ensembles hat das Forum Theater Pinneberg mit seinem neuen Stück „Heute bin ich blond“ am Sonnabend eine erfolgreiche Premiere gefeiert.

Wie schon beim vorherigen Stück „Das Verhör“ gastiert das Forum Theater mit seiner aktuellen Produktion im Pinneberger Ratssaal. Dass die Ernst-Paasch-Halle nach wie vor gesperrt ist, bedeutet für den Theaterverein erschwerte Bedingungen – der Ratssaal bietet nicht die gleichen Möglichkeiten wie die eigentliche Spielstätte, was dem Bühnenbild anzumerken ist. Die Darsteller müssen auf der Bühne hinter einer Wand auf ihren Auftritt warten, jedes Räuspern, jedes Rascheln ist im Zuschauerraum zu hören.

Doch das Team des Forum Theaters macht das Beste aus der Situation. Als die Darsteller auf der Bühne loslegen, sind die Umstände unter denen sie spielen müssen, schnell vergessen. Schon nach kurzer Zeit ist der Zuschauer ganz und gar im Stück gefangen.

Sophie ist 21 Jahre alt, sie hat Pläne, aber nur eine Überlebenschance von 15 Prozent. Kurz nach Silvester erhält sie die Diagnose Krebs. Eine seltene und aggressive Form. Die Chancen stehen schlecht, dass sie geheilt werden kann. Für Sophie beginnt eine Achterbahn der Gefühle – von Angst, über Trotz und Wut, Hoffnung bis hin zur Verzweiflung.

Jana Engel überzeugt in ihrer Rolle als Sophie

Jana Engel gelingt es, von Beginn an all diese Emotionen herüber zu bringen. Egal, ob sie mit weit aufgerissenen Augen ihre Sprachlosigkeit ausdrückt, ob sie angesichts dessen, dass ihr die Haare ausfallen, völlig hysterisch wird und ausrastet – Jana Engel spielt eine überaus glaubhafte und mitreißende Sophie. So verfolgt man gebannt, wie es ihr ergeht. Sie bringt einen zum Lachen, zum Nachdenken und so manches Mal muss zum Schlucken, weil es einen so mitnimmt, was auf der Bühne passiert.

Sophies Geschichte berührt auch deshalb so sehr, weil sie autobiografisch ist. Es ist die Geschichte der Holländerin Sophie van der Stap, bei der im Alter von 21 Jahren 2005 Krebs diagnostiziert wurde. Im Krankenhaus begann sie darüber zu schreiben, was der Krebs mit ihr macht und wie es ihr geht. 2006 erschien das Buch mit dem Titel „Das Mädchen mit den neun Perücken“ in den Niederlanden und wurde dort zum Besteller.

Sophie kämpft nicht nur gegen den Krebs, sondern auch dagegen, sich selbst zu verlieren. Haare bedeuten Identität, mit dem Verlust ihrer Haare, scheint auch das junge Mädchen selbst zu verschwinden. Doch dann entdeckt sie Perücken für sich und beginnt, mit jeder Perücke auch in eine andere Rolle zu schlüpfen.

An der Seite von Jana Engel glänzen auch die anderen Darsteller – vom witzigen und lebhaften Pfleger Basti (Jan Rzepucha), dem verknallten Fotografen Martin (Jan Lübeck), der besten Freundin Annabel (Hannah Langhein) bis hin zum sachlichen Dr. Leonhard (Reinhard Matthies) und zur Leidensgenossin Chantal (Gudrun Möller).

Dem Forum Theater gelingt es, mit einfachen optischen Mitteln, mit viel Witz und einer tollen Leistung der Schauspieler auf der Bühne die Botschaft vom Sophie rüberzubringen. So wird „Heute bin ich blond“ zu einer Aufführung, die einfach Spaß macht – weil trotz aller Ernsthaftigkeit und nachdenklicher Momente vor allem eins im Mittelpunkt steht: Die Lust am Leben und der Wille zu Überleben.

Das Forum Theater Pinneberg zeigt seine aktuelle Produktion „Heute bin ich blond“ noch am Freitag, 31. August, und Sonnabend, 1. September, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 2. September, um 18 Uhr. Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung. Karten zu 10 Euro gibt es im Vorverkauf im Pinneberger Bücherwurm, Dingstätte 24, und an der Abendkasse. Gespielt wird im Ratssitzungssaal des Pinneberger Rathauses, Bismarckstraße 8.