Pinneberg
Kreis Pinneberg

Bassist Bernhard Froh ist der neue Bürgermeister

Lange Haare, Schlaghose und 1970er Jahre Outfit: Bernhard Froh (r.) in seiner Abba-Tribute-Band Waterloo

Lange Haare, Schlaghose und 1970er Jahre Outfit: Bernhard Froh (r.) in seiner Abba-Tribute-Band Waterloo

Foto: Froh / HA

In Langeln regierten immer Landwirte das Dorf. Nun übernimmt mit dem Bassisten Bernhard Froh eine neuer Typ von Politiker den Job.

Langeln.  Niemand in Langeln kann sich daran erinnern, dass es einen Bürgermeister gegeben hätte, der kein Landwirt war. Das passt zu diesem klassischen Bauerndorf, das im äußersten Norden des Kreises Pinneberg an der B 4 liegt. Und dann das: Plötzlich hat der Bürgermeister lange Haare und trägt orangefarbene Hosen mit Schlag! Der neue Chef im Dorf ist kein Landwirt mehr, er ist ein Musiker. Eine zumindest äußerlich schillernde Figur, die mit einer Abba-Revival-Band durch die Republik tourt.

„Ja, ich bin hier der erste Bürgermeister, der nicht Landwirt ist“, sagt auch Bernhard Froh (51), der Mann mit der orangefarbenen Hose. Da schwingt ein bisschen Stolz mit. Er lebt schon – oder erst – 16 Jahre im Ort, ursprünglich war er in Kaltenkirchen zu Hause. Ein neuer Typ von Kommunalpolitiker hat übernommen. Es ist eine Zäsur für Langeln.

Froh sagt, er sei gerade wegen seiner beruflichen Verpflichtungen der ideale Mann für das Bürgermeisteramt. Tagsüber könne er sich in aller Ruhe um sein Amt kümmern, zum Beispiel jetzt gerade um das neue Baugebiet an der Schulkoppel. 26 Grundstücke für Einfamilienhäuser sind jüngst zum Quadratmeterpreis von 105 Euro verkauft worden. Der Bürgermeister muss zu Baubesprechungen in die Kreisverwaltung. Am Wochenende widme er sich dann seinen musikalischen Auftritten. „Das passt alles ziemlich gut“, sagt Froh.

Das haben sich wohl auch die anderen acht Kollegen im Gemeinderat gesagt, die den Musiker nach der Kommunalwahl zum Nachfolger Hans-Detlef Fuhlendorfs (Landwirt) gewählt haben. Einstimmig. Auch Fuhlendorf, der im Alter von 80 Jahren nach 20-jähriger Amtszeit nicht wieder kandidiert hat, ist überzeugt von seinem Nachfolger. „Ich glaube, Bernhard Froh ist der richtige Mann als Bürgermeister für Langeln. Von ihm fühle ich mich richtig vertreten.“ Durch seine Selbstständigkeit habe Froh genügend Zeit, um sich um die Belange der Gemeinde zu kümmern. Was beide eint: Sie sind Mitglieder der Bürgerlichen Wählergemeinschaft Langeln, kurz BWG.

Das Wochenende naht. Zeit für Bernhard Froh, Langeln Langeln sein zu lassen. Dann kommt die Schlaghose ins Spiel, dazu das Paar Schuhe mit den Plateausohlen und den hohen Absätzen. Frohs siebenköpfige Band heißt Waterloo. Seit 15 Jahren spielt er Elektrobass in der Abba-Revival-Band, die in einer zweieinhalbstündigen Show alle Hits der berühmten schwedischen Popgruppe live nachspielt.

Bis zu 50 Auftritte im Jahr haben sie mit ihrer Band, sagt Froh, der außer Bass auch Klavier und Keyboard spielt. Rund 500-mal seien sie seit 1999 schon aufgetreten. Die Begeisterung der Menschen für die schwedische Band, die 1972 bis 1982 weltweit viele Nummer-Eins-Platzierungen erzielte und bis heute fast eine halbe Milliarde Tonträger verkauft hat, sei ein Phänomen, so Froh. Drei Generationen vereinen sich begeisternd klatschend vor ihrer Bühne. Achtjährige Mädchen, die sich wie ihre Idole verkleiden, und Senioren, ältere Herrschaften, die hier ihre Jugendzeit wieder aufleben lassen. „Abba war so erfolgreich, die sind nicht totzukriegen. Ihre Musik ist einfach zeitlos“, sagt Froh.

Dabei sei die Musik, die Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad produzierten, nach deren Vornahmen-Anfangsbuchstaben die Band benannt wurde, sehr anspruchsvoll, sagt Froh. „Diese komplizierten Arrangements sind schwer zu spielen“, erklärt der Abba-Experte. „Wer das nicht glaubt, dem sage ich immer: Spiele es doch nach.“ Zu viert, wie in der Originalbesetzung, sei die Abba-Musik nicht zu spielen. Dafür sei der Gesang zu komplex. Darum haben sie um die beiden Sängerinnen eine komplette Band mit Gitarren, Piano, Schlagzeug und eben Bass gruppiert, die für den richtigen, vollen Sound auf der Bühne sorgen. Auch Abba sei damals in den 1970er Jahren in größerer Instrumentenbesetzung aufgetreten, weiß Froh, der es sehr bedauert, sie nie live erlebt zu haben.

Aber das wirklich Faszinierende an ihrer Tribute-Show ist die bis ins kleinste Detail authentisch wirkende Bühnenshow. Die beiden Sängerinnen, die natürlich blond und brünett, ziehen sich während der Show ein halbes Dutzend Mal hinter der Bühne um, genauso wie es Anni-Frid und Agnetha damals getan haben. Die Garderobe ist maßgeschneidert nach den Original-Kostümen. An diesem Freitag beginnt die Band auf Schloss Tambach bei Coburg in Bayern ihre Sommertour. Wenn am Ende die Scheinwerfer ausgehen und der letzte Applaus verklungen ist, kehrt Froh zurück nach Langeln. In das Bauerndorf, in dem er jetzt Bürgermeister ist.

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