Wedel

So will Weltmeister im Tischkickern den Titel verteidigen

Am Tischkicker kann Marlin Sielfeld den Weltmeistertitel noch verteidigen, während die deutsche Fußballmannschaft ihre Chance verspielt hat

Am Tischkicker kann Marlin Sielfeld den Weltmeistertitel noch verteidigen, während die deutsche Fußballmannschaft ihre Chance verspielt hat

Foto: Michael Althaus / HA

Im Abendblatt-Interview spricht Marlin Sielfeld aus Wedel über Trainingsmethoden und verrät Tricks, wie es am Tischkicker besser läuft

Wedel.  Am Tischkicker macht Marlin Sielfeld niemand etwas vor. Und nun ist auch klar: Mit den Erfolgen des 26-Jährigen, der in der deutschen Nationalmannschaft spielt, kann keiner von Jogis Jungs mithalten. Der Wedeler, der hauptberuflich im Garten- und Landschaftsbau arbeitet, ist unter anderem zweifacher Juniorenweltmeister und fünffacher Deutscher Meister. In der nächsten Woche kämpft er in Berlin erneut um den Weltmeistertitel. Zuvor ist er am Sonnabend und Sonntag am Stand der Stadtwerke auf dem Wedeler Hafenfest zu Gast, wo Besucher gegen ihn antreten können. Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt verrät er seine Tipps für Amateurkicker, sein Erfolgsgeheimnis für den Meistertitel – und was er anders angeht als die Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Herr Sielfeld, Sie haben reichlich Meistererfahrung. Warum hat es Ihrer Meinung nach bei unserer Fußball-Nationalmannschaft diesmal für den Weltmeistertitel nicht gereicht?

Marlin Sielfeld: Zum einen fand ich die Aufstellung nicht so gut. Ich hätte im Spiel gegen Südkorea Stammspieler wie Thomas Müller spielen lassen. Das Durchwechseln hat die Spieler total verunsichert. Zum anderen fand ich, dass die Mannschaft zu viel auf Sicherheit und zu wenig auf Risiko gespielt hat.

Ihr Tipp: Wer wird in diesem Jahr Weltmeister?

Frankreich oder England. Frankreich wäre auf jeden Fall mein Favorit.

Gibt es denn eigentlich Gemeinsamkeiten zwischen Fußball am Kickertisch und auf dem Rasen?

Ja, auf jeden Fall. Bei beiden Sportarten ist Konzentration wichtig. Wenn ich mich beim Kickern ein paar Bälle lang nicht konzentriere, dann kann das Spiel schon vorbei sein. Auf dem Rasen ist das ähnlich: Wenn die Spieler den Gegner aus den Augen lassen, kann auch schnell ein Tor fallen. Darüber hinaus spielt die Aufstellung eine große Rolle. Wenn der Gegner den Ball hat, muss ich genau wissen, wo meine Figuren und insbesondere mein Torwart stehen. Das gilt für die Mannschaft auf dem Platz genauso.

Wie sind Sie eigentlich zum Tischfußball gekommen?

Ich bin als Jugendlicher regelmäßig ins Jugendzentrum der Christuskirche Schulau gegangen, wo ich auch heute noch trainiere. Dort stehen zwei Kickertische rum, und wir haben einfach immer gespielt. Eines Abends habe ich zufällig gesehen, wie dort zwei türkische Nationalspieler trainiert haben. Ich habe sie gefragt, ob ich mal mitmachen könne. Mit 15 Jahren bin ich in ihr Team „Cim Bom Bom Wedel“ aufgenommen worden, in dem ich bis vor Kurzem gespielt habe. Seit dieser Saison bin ich beim FC St. Pauli.

Wollten Sie von Anfang an Weltmeister werden?

Ich bin nach zwei Jahren Hamburger Meister geworden, habe mich für andere Turniere qualifiziert und bin dann auch zu Wettkämpfen in anderen Städten gefahren. Ich bin da sehr ehrgeizig: Wenn ich einmal etwas gewonnen habe, möchte ich auch weiterkommen. So hat sich das entwickelt.

Was fasziniert Sie so am Kickern?

Kickern macht einfach süchtig. Das kennt wahrscheinlich jeder, der schon einmal Tischfußball gespielt hat. Wer einmal damit angefangen hat, kann einfach nicht mehr damit aufhören. Und wenn man dann noch ein bisschen Ehrgeiz hat, will man gegen jeden Gegner gewinnen und fängt an zu trainieren.

Die meisten Leute denken: Kickern? Das kann doch jeder. Was ist die Herausforderung an Ihrem Sport?

Das Wichtigste ist sicherlich das Ballgefühl. Bevor ein Tischfußballer irgendwelche Schüsse lernt, muss er den Ball führen können. Ein Spiel beginnt immer gleich: Der Ball wird auf der Mittellinie hingelegt, dann wird ein Pass auf die vordere Dreierreihe gespielt und von dort wird geschossen. Jeder Spieler muss sein System entwickeln und sich beispielsweise überlegen, ob er in die linke oder rechte Ecke spielt.

Was sind Ihre Stärken beim Kickern?

Ich bin im Einzel stärker als im Doppel, weil ich sehr schnell bin. Und ich mache gern Sachen, mit denen der Gegner nicht rechnet.

Und Ihre Schwächen?

Wenn ich die wüsste … (lacht). Ich finde, mein Stellungsspiel könnte noch ein bisschen besser sein. Es passiert mir manchmal, dass ich noch Lücken aufhabe, von denen ich eigentlich dachte, dass sie geschlossen seien. Und dann schießt der Gegner einfach von hinten durch.

Wie sieht Ihr Training aus?

In der Regel trainiere ich zweimal in der Woche, vor großen Turnieren natürlich häufiger. Normalerweise nehme ich mir dann einen bestimmten Schuss vor und übe dann ein oder zwei Stunden lang nur diesen Schuss.

Klingt ziemlich langweilig…

Nein. Wenn ich erst einmal drin bin, macht das richtig Spaß. Vor allem merke ich hinterher immer, dass es etwas bringt. Nach einer Stunde Training bin ich in dem jeweiligen Schuss gleich viel sicherer. Manchmal trainiere ich auch gemeinsam mit einem Teampartner. Dann spielen wir gegeneinander, um gegenseitig unsere Schwächen herauszufinden.

Schon in der nächsten Woche steht für Sie in Berlin erneut der Kampf um die Weltmeisterschaft auf dem Programm. Wollen Sie den Titel holen?

Ja, das Einzel würde ich gern auf jeden Fall gewinnen. Das wird sehr schwer, aber wenn ich die nächsten Tage noch ein bisschen Gas gebe, könnte auf jeden Fall was drin sein.

Auf dem Wedeler Hafenfest gebe Sie Tipps für Amateurkicker. Können Sie unseren Lesern schon ein paar verraten?

Wer gut kickern will, dem empfehle ich viel Praxis, um einen Überblick über das Spiel zu bekommen. Anfänger sollten als Erstes die Ballkontrolle üben, indem sie von Figur zu Figur hin und her passen. Viele machen den Fehler, eine Hand während des Spiels immer am Torwart zu lassen. Davon rate ich ab. Lieber den Torwart und die Verteidiger auf die eine Seite und die übrigen Figuren auf die andere Seite stellen, um dicht zu machen. Und eines noch: Einfache Tricks gibt es nicht. Um seine Technik zu verbessern, hilft nur eines: trainieren.