Pinneberg
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Wie der Fahltskamp zur Gastromeile wurde

Foto: Andreas Daebeler / HA

15 Lokale auf 650 Meter Wegstrecke, im Erdgeschoss kein Leerstand mehr: die Straße in der Pinnberger City mausert sich.

Pinneberg.  Sianny Effendi wartet schon. Die 46-Jährige steht vor ihrem kleinen Cafe am Pinneberger Fahltskamp, empfängt den angekündigten Besuch mit einem Lächeln. Wirtschaftsförderer Stefan Krappa will einen Blick ins Spatzennest werfen. So nennt sich das kleine Lokal, in dessen Küche Effendi seit Kurzem backt, brutzelt und würzt. Und Krappa macht kein Geheimnis daraus, dass er den Fahltskamp dieser Tage nur zu gern besucht. Einst lautstark beklagter Leerstand ist Geschichte. Die Straße hat sich zu einer Gastromeile gemausert. Auf einem Teilstück von 650 Meter Länge wird in 15 Lokalitäten bewirtet. „Hier gibt’s längst nicht mehr nur Kebap“, betont Pinnebergs Wirtschaftsförderer die Vielfalt.

Die ist unbestritten. Das Spatzennest von Sianny Effendi, die mittags indonesische Reispfanne anbietet und ihren Kuchen noch selbst backt, ist nur ein Beispiel. Wer den türkischen Fleischspieß schätzt, kommt bei Deal Döner nahe dem Lindenplatz auf seine Kosten. Nur einige Meter weiter dürfen Fans der fernöstlichen Küche bei Asia Pham zusehen, wie Hühnchen, Ente & Co. Im Wok garen. Ein paar Meter weiter Richtung Klinikum wird es dann noch internationaler. Bei Elena wird griechisch gekocht, die Pasteleria Lusitana hält portugiesische Natas bereit, bei Niitaka Sushi darf dem Genuss von rohem Fisch gefrönt werden, und bei John Martin gibt’s amerikanische Burger. Gourmets halten derweil dem Restaurant Rolin im Hotel Cap Polonio die Stange, die chinesische Küche des Canton ist ohnehin ein Dauerbrenner.

Zu einem gastronomisch boomenden Viertel hat sich vor allem der der Abschnitt zwischen Bahnhofstraße und Klinikum entwickelt. Auf gerade einmal 200 Metern Luftlinie haben sich fünf neue Lokalitäten angesiedelt. Vor allem der Trend zu Cocktails und Wasserpfeife scheint in Pinneberg ungebrochen. So öffnete im April mit dem Zahar eine Bar in den Räumen des ehemaligen Restaurants Pauls im denkmalgeschützten Gebäude im Fahltskamp 34. Auch in der Taiga Lounge darf bis spät in die Nacht an Mojito und Caipi genippt werden. Shisha wird dort ebenfalls geraucht. Der im Januar mit neuem Namen eröffnete Papperla-Pub im Fahltskamp 15 setzt auf gemütliches Kneipenambiente in einem schon vorher bekannten Gastraum.

Der Mangel an gastronomischen Angeboten wird seit Jahren in Pinneberg immer wieder beklagt. Wohl auch, weil es Restaurants andernorts zuletzt häufig schwer hatten. Erinnert sei beispielhaft an das Aus für das 2010 am Marktplatz eröffnete Edelweiss oder den Besuch des TV-Fernsehkochs Frank Rosin im Restaurant Alexandros in der City. Rosin war 2013 als Rettern einer heruntergewirtschafteten Gaststätte im ehemaligen Astra Pott aufgetreten – wenige Monate später war der Ofen aus.

Doch zurück an den Fahltskamp: Die Erfolgsgeschichte, die dort dieser Tage geschrieben wird, kommt für Stefan Krappa nicht von ungefähr. Der Wirtschaftsförderer hat die Vision einer Gastromeile schon vor Jahren formuliert. Nicht ohne Grund – schließlich liegen sowohl das Klinikum als auch mehrere Senioreneinrichtungen und nicht zuletzt die Kreisberufsschule im Einzugsgebiet. Zudem machen sich wochentags Jungen und Mädchen von der Johannes-Brahms-Schule auf den Weg Richtung Innenstadt. An hungrigen Mäulern mangelt es also nicht.

Wirtschaftsförderer sagt Gründern Unterstützung zu

Das hat auch Sianny Effendi, die zuvor im Hamburger Stadtteil Eppendorf kochte, bewogen, in Pinneberg zu investieren. In einem einstigen Steakhaus schuf sie ein freundliches Ambiente und kämpft seit der Eröffnung darum, wahrgenommen zu werden. Nicht immer leicht, wie sie zugibt. „Sonnabends habe ich Senioren, die regelmäßig kommen“, sagt die 46-Jährige, die in der Kreisstadt lebt. Schüler ließen sich noch eher selten blicken. Effendi, die mehr als 1000 Euro Miete monatlich zahlt, lockt mit Frühstück ab 2,50 Euro. Und damit, dass sie auch vegetarisch kocht. Dafür steht sie morgens um 7 Uhr in der Küche.

Krappa nötigt der Mut viel Respekt ab. „Es sind viele kleine Existenzgründer, die ihre Projekte allein schultern“, sagt er. Sie brächten Quartiere wie den Fahltskamp nach vorn. Wer Unterstützung benötige, möge sich an ihn wenden. Effendi packt die Gelegenheit beim Schopfe. Kleine Tische und Stühle vorm Spatzennest wären ein erster Schritt zu mehr Wahrnehmung. „Den Wunsch werde ich weitergeben, das wird geprüft“, sagt Krappa. In Bürgermeisterin Urte Steinberg dürfte er eine Fürsprecherin finden. Sie sagt: „Wer außergewöhnliche Ideen hat, ist erfolgreich. Ich freue mich, dass es am Fahltskamp viele Existenzgründer schaffen, aus dem Verborgenen ins Rampenlicht zu kommen.“