Pinneberg
Halstenbek

Wie eine Sonnenuhr die Zeit überdauert hat

Bürgermeister Claudius von Rüden (v.l.), die Spenderinnen Melanie Ehrlich und Gudrun Gabriel-Schröder von der BI sowie Daniela Spitzar vor der neugestalteten Sonnenuhr

Bürgermeister Claudius von Rüden (v.l.), die Spenderinnen Melanie Ehrlich und Gudrun Gabriel-Schröder von der BI sowie Daniela Spitzar vor der neugestalteten Sonnenuhr

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Nach dem Abriss der Halstenbeker Realschule geriet das Kunstwerk in Vergessenheit. Jetzt wurde es am Rathaus neu aufgebaut.

Halstenbek.  Fünf Jahre lang hat sie kein Tageslicht mehr gesehen – nun strahlt sie mit der Sonne um die Wette: Die Rede ist von der Sonnenuhr, die jetzt an der Südwand des Halstenbeker Rathauses hängt. Es handelt es sich um ein Werk der örtlichen Künstlerin Hildi Schmidt-Heins, das 1969 für den Bau der Realschule geschaffen wurde und nach dem Abriss der Schule mehrere Jahre ein Schattendasein – eingelagert in einer Garage – fristete. Dank einer Spende fand die Installation nun einen neuen, sonnigen Platz.

Zu verdanken ist dies in erster Linie zwei Personen: Daniela Spitzar, bei der Gemeinde verantwortlich für Kunst im öffentlichen Raum – und Maurer Jan Lüders, der am Abriss der Schule beteiligt war und das Kunstwerk in der Garage seiner Firma einlagerte. „Er hat uns zwischenzeitlich schon gefragt, ob er die Sonnenuhr an seinem Privathaus anbringen darf“, verrät Spitzar. Sie lehnte jedoch ab – und ist jetzt froh, einen neuen würdigen Platz gefunden zu haben.

Es handelt sich um eine Vertikal-Sonnenuhr mit zwölf Tierkreiszeichen in Bronze. Der Entwurf von Hildi Schmidt-Heins wurde vom Metall- und Steinbildhauer Ernst Hansen aus Hamburg ausgeführt, der in seiner Heimatstadt unter anderem mehr als 80 Inschriften aus Metall an berühmten
Brücken geschaffen hat. Die Sonnenuhr an der Fassade der Realschule hat mehrere Generationen von Schülern täglich begleitet – und sie war ein beliebtes Fotomotiv. So entstand das traditionelle Foto der neugewählten Gemeindevertretung stets vor der Sonnenuhr.

Dass sie nun an der neuen Stelle aufgebaut werden konnte, ist der Spende der „Bürgerinitiative für den Erhalt der Halstenbeker Ortskerne“ zu verdanken. 2004 hatten sich 35 Personen zusammengeschlossen, um gegen das damals geplante Greve-Projekt mit einem gigantischen Fachmarktzentrum,
23 Meter hohen Bürobauten, einer Seniorenresidenz und einem Möbelhaus zu protestieren. Nachdem die aktuellen Pläne für die Flächen Wohngebäude und emissionsarme Gewerbebetriebe, getrennt durch eine Grünzone, vorsehen, sieht die BI ihre Arbeit als erledigt an und hat sich aufgelöst. Das noch vorhandene Kapital in Höhe von 4000 Euro wurde der Gemeinde gespendet und diente nun zur Neuaufstellung des Kunstwerks.

Hier kommt wieder Maurer Lüders ins Spiel. Er hat eine neue Platte geschaffen, auf der die zwölf Tafeln nebst Zeiger angebracht sind. An der Realschul-Fassade ruhte das Kunstwerk auf dunklen Fliesen, nun auf einem hell verputzten Untergrund. „Das sieht viel schöner aus als vorher“, sagen Gabriele und Barbara Schmidt-Heins, die beiden Töchter der Künstlerin. Sie freuen sich sehr, dass die Gemeinde das Werk ihrer Mutter nicht weggegeben, sondern einer neuen Bestimmung zugeführt hat.

„Der neue Standort soll dazu beitragen, dass sich die Bürger in unserem Ortskern wohlfühlen und dort verweilen wollen“, sagt dazu Bürgermeister Claudius von Rüden. Das Wohnviertel Rathausquartier, das auf dem Gelände der alten Realschule entstanden sei, stehe kurz vor der Vollendung – und es erhalte mit der Sonnenuhr eine neue Zierde. „Uns war sehr wichtig, dass sie erhalten bleibt“, so von Rüden.

Das wollte auch Maurer Lüders. „Für mich war das ein spannender Auftrag“, sagt er. Zwei Wochen werkelte er an der neuen Platte, einen Tag dauerte die Montage. Zuvor hatte ein Statiker grünes Licht gegeben, dass die Fassade des Rathauses das nicht gerade leichte Werk tragen kann. Sicher ist eben sicher. „Ich habe dann einen Astronomen aus meinem Bekanntenkreis gefragt, wie eine Sonnenuhr genau einzustellen ist“, so Lüders weiter. Er erfuhr, dass dazu der Breitengrad, auf dem sich die Uhr befindet, von entscheidender Bedeutung ist – und richtete dann den Zeiger nach dem Breitengrad aus.

Wer das Ergebnis betrachtet, stellt fest, dass die Sonnenuhr eine Stunde nachgeht. „Das war so gewollt“, so Bürgermeister von Rüden. Schließlich lasse sich eine derartige Uhr nicht beliebig auf Sommer- oder Winterzeit umstellen. „Wir mussten uns für eine Zeit entscheiden. Und da es 1969 noch keine Sommerzeit gab, haben wir die Winterzeit genommen“, so der Bürgermeister weiter.

Wer das Kunstwerk näher unter die Lupe nehmen möchte, kann sich dazu genau davor auf einer Bank niederlassen. Sie ist auch neu, und es handelt sich ebenso um eine Spende. Melanie Ehrlich, die Besitzerin der Baumschulenapotheke, hat in ihrem Geschäft gesammelt und davon zwei Sitzgelegenheiten bezahlt, die auf den Betonelementen mit direkter Sicht zur Sonnenuhr installiert worden sind.