Pinneberg
Itzehoe

Zeugen berichten von der Wedeler Brandnacht

Der Gewerbekomplex an der Rissener Straße in Wedel war im Mai 2017 niedergebrannt

Der Gewerbekomplex an der Rissener Straße in Wedel war im Mai 2017 niedergebrannt

Foto: Anne Dewitz / HA

Angestellte belastet Disco-Betreiber. Deniz B. soll schon vor dem Feuer mit mehreren Personen über eine Brandlegung gesprochen haben.

Wedel/Itzehoe.  Das verheerende Großfeuer von Wedel, dem in der Nacht zum 25. Mai 2017 der riesige Gewerbekomplex an der Rissener Straße zum Opfer fiel – Reinhold D. hat es entdeckt. Der 64-Jährige sagte Montag als Zeuge vor dem Landgericht Itzehoe aus, wo sich
Peter S. und Mehmet P. wegen besonders schwerer Brandstiftung sowie Deniz B., der in dem Gewerbekomplex eine Diskothek betrieb, wegen Anstiftung und versuchten Versicherungsbetrugs verantworten müssen.

Reinhold D. arbeitete zum Brandausbruch in der Spielhalle, die direkt an die Disco angrenzte. „So zwischen 2 und 2.30 Uhr war kein Kunde mehr da, sodass ich die Spielhalle abgeschlossen habe und in den Personalraum zum Rauchen gegangen bin.“ Als er dort aus dem Fenster guckte, sei draußen „alles voller Nebel“ gewesen. Er habe sich daraufhin eine Taschenlampe geholt, um draußen nach dem Rechten zu sehen. „Da stand ein Mann an einem Auto, der sagte, dass es hier irgendwo brennen müsse.“ Er sei auf die Rückseite des Gebäudes gegangen, so der Zeuge. „Im zweiten Stock waren Flammen hinter einem Fenster zu sehen.“ Wenig später habe der gesamte Dachstuhl gebrannt. „Mir war schnell klar, dass auch die Spielhalle abbrennen würde. Die Feuerwehr hat mich nicht mehr reingelassen, um das Geld zu holen.“

Der Autofahrer, dem Reinhold D. begegnet ist – es war Yüksel S. (30). „Ich kam von meinem Cousin und wollte zu meinen Eltern, als ich den Rauch auf der Straße wahrgenommen habe.“ Er habe angehalten und die Feuerwehr gerufen. Weil vorne nichts zu sehen war, sei er zwei bis drei Meter hinter Reinhold D. auf die Rückseite gegangen. „Oben links war eine Scheibe kaputt, da schlugen Flammen raus.“

Vietnamesischer Koch sucht auf der Toilette Zuflucht

Zu dem Zeitpunkt befand sich Ngoc Chu D. (63) im Erdgeschoss des Komplexes. Der Koch eines dortigen vietnamesischen Restaurants sagte – übersetzt von einem Dolmetscher – aus, er habe nach Schließung des Lokals gegen 23 Uhr noch etwas für den nächsten Tag vorbereitet und sei dann gegen Mitternacht im Umkleidebereich eingeschlafen. „Ich wachte auf, hörte knisternde Geräusche und roch Feuer. Ich hatte Angst.“ Er habe aus dem Fenster brennende Teile gesehen, die aus dem Obergeschoss heruntergefallen sind. „Ich bin in die Toilette gelaufen und dort geblieben, bis mich die Polizei gegen 9 oder 10 Uhr rausgeholt hat.“

Verteidiger Martin Lemke, der Disco-Betreiber Deniz B. vertritt, ließ kein gutes Haar an der Aussage des Zeugen. Der Koch habe sich im Vergleich zur polizeilichen Vernehmung widersprochen und verschwiegen, dass sich ein Landsmann, der sich illegal in Deutschland aufhielt, mit ihm auf der Toilette versteckte. „Wurden eigentlich die Finanzen des Restaurants unter die Lupe genommen?“, fragte er in Richtung Staatsanwaltschaft.

Lemke bilanzierte, dass an den bisherigen Verhandlungstagen nichts belastendes gegen seinen Mandanten vorgebracht worden sei. Dafür sorgte später – zumindest ansatzweise – Jasmin L. Sie arbeitete in der Brandnacht im zweiten Club des Angeklagten in Hamburg – und bekam dort mit, wie sich die Angeklagten Deniz B. und Peter S. etwa dreieinhalb Stunden vor Ausbruch des Feuers zu einem Gespräch zurückzogen. „Ich musste dafür das Büro verlassen.“ Auch habe ihr einige Zeit nach dem Feuer ein anderer Mitarbeiter erzählt, dass er zuvor schon einmal mit Deniz B. über eine mögliche Brandstiftung in der Wedeler Diskothek gesprochen habe. Auch Peter S. soll an einem der Treffen beteiligt gewesen sein. An weitere Details dazu konnte sich die 34-Jährige allerdings auch auf mehrfache Nachfrage nicht mehr erinnern. Der Prozess wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.