Pinneberg
Tragischer Todesfall

Pinneberger stirbt bei ZDF-Dreh mit Steven Gätjen

Der Moderator Steven Gätjen sollte die Sendung moderieren

Der Moderator Steven Gätjen sollte die Sendung moderieren

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius / picture alliance / dpa

Die ZDF-Produktion „Mit 80 Jahren um die Welt“ sollte für Lothar Hachmann die Reise seines Lebens werden. Doch es kam ganz anders.

Hamburg.  25 Tage sollten die Teilnehmer der ZDF-Produktion „Mit 80 Jahren um die Welt“ auf Reisen sein, ständig vor laufenden Kameras agieren. Doch nach 20 Tagen wurden die Dreharbeiten für die Sendung, die vom Hamburger Steven Gätjen moderiert werden sollte, abgebrochen. Grund: der Todesfall eines Teilnehmers, der aus dem Hamburger Umland stammt. Lothar Hachmann, Altbürgermeister der 3000-Seelen-Gemeinde Klein Offenseth-Sparrieshoop im Kreis Pinneberg, starb in Bangkok an den Folgen einer Lungenentzündung.

Die Reise-Reportage, die sechs Folgen umfassen und im Sommer dieses Jahres ausgestrahlt werden sollte, basiert auf dem Originalformat „De wereld rond met 80-jarigen“ der Produktionsgesellschaft Talpa Global aus den Niederlanden. Ihre Tochterfirma Talpa Germany gewann das ZDF als Vertragspartner für die deutsche Adaption.

Es sollte die Reise seines Lebens werden

Das Konzept: Senioren, die trotz ihres hohen Alters noch nicht viel von der Welt gesehen haben, müssen sich an exotischen Schauplätzen beweisen. Auch die persönlichen Lebensgeschichten der Teilnehmer, ihr unterschiedlicher Umgang mit den Höhen und Tiefen des Älterwerdens und das Miteinander in der Gruppe sollten im Mittelpunkt der sechs Folgen stehen.

Dazu suchte die Produktionsfirma geeignete Kandidaten, die zum Zeitpunkt der Aufzeichnung 80 Jahre alt sein mussten – und stieß unter anderem auf Lothar Hachmann. In seiner Heimatgemeinde ist er bekannt wie ein bunter Hund, war von 1998 bis 2008 ehrenamtlicher Bürgermeister und auch bei der Feuerwehr auf Orts- und Kreisebene aktiv. Am 7. April bestieg der 80-Jährige gemeinsam mit den fünf gleichaltrigen Teilnehmern, dem Filmteam und Moderator Steven Gätjen in Frankfurt das Flugzeug. Es sollte die Reise seines Lebens werden.

Vorher musste sich Hachmann ebenso wie die anderen Teilnehmer umfangreichen medizinischen Tests unterziehen. „Die ausgewählten Teilnehmer haben eine umfangreiche medizinische Selbstauskunft erteilt, die dann mit dem behandelnden Hausarzt abgeglichen und gegebenenfalls ergänzt wurde“, sagt ZDF-Sprecher Stefan Unglaube. Dazu hätten die Senioren ihren Hausarzt von der Schweigepflicht entbunden.

„Zusätzlich haben sich die Kandidaten einem medizinischen Belastungstest unterzogen“, so Unglaube weiter. Die Hausärzte seien über das Reisevorhaben und mögliche damit verbundene gesundheitliche Belastungen informiert gewesen und hätten die notwendigen Impfungen der Kandidaten vorgenommen. Unglaube: „Es ergaben sich aus deren medizinischer Beurteilung keinerlei Einwände gegen die Mitwirkung an der Produktion.“

Teilnehmer wurden von einer Ärztin begleitet

Die erste Station, die von der ungewöhnlichen Reisegruppe besucht wurde, war Südafrika. Es folgten Kurzaufenthalte in Dubai, Indien, der Mongolei und Vietnam. Die Reiseroute war extra so gewählt worden, um Flugzeiten möglichst kurz zu halten und Probleme mit der Zeitumstellung zu minimieren. Vor Ort standen typische touristische Aktivitäten auf dem Programm, zum Beispiel Tempelbesuche oder der Aufenthalt auf einem lokalen Markt. Zudem konnte an jeder Station jeweils ein Teilnehmer einen lang gehegten Wunsch äußern, der ihm dann vom Sender auch erfüllt wurde.

„Alle Unternehmungen und Ausflüge wurden gewissenhaft ausgewählt. Die Teilnahme wurde den Kandidaten freigestellt, und es gab für sie jederzeit die Möglichkeit, hiervon Abstand zu nehmen“, sagt der ZDF-Sprecher. Besonders strapaziöse Ausflüge wie etwa Bungeesprünge seien in der Sendung nicht vorgesehen gewesen.

Wie beim holländischen Originalformat wurden auch die deutschen Teilnehmer ständig von einer Ärztin und einem Rettungsassistenten begleitet. In der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, der fünften Station auf der Reise, klagte Hachmann über Unwohlsein. Daraufhin ließ ihn die Ärztin in eine örtliche Klinik bringen, wo eine Lungenentzündung diagnostiziert wurde. Unglaube: „Als sich dort sein Zustand erheblich verschlechterte, entschieden die behandelnden Ärzte, den Patienten in eine Klinik nach Bangkok zu verlegen. Dort ist er am vergangenen Freitag verstorben.“ Genauere Auskünfte zum Krankheitsverlauf des Verstorbenen könne er auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen nicht geben.

Alle Wahlkampfaktivitäten wurden eingestellt

Noch am Todestag habe der Sender gemeinsam mit der Produktionsfirma, dem Team vor Ort und den anderen Teilnehmern beschlossen, die Dreharbeiten abzubrechen. Anstatt nach Australien, der sechsten und letzten Station der Weltreise, reiste die Gruppe am Wochenende nach Frankfurt zurück. Was nun aus der – bis auf die letzte Station – fertiggestellten Produktion wird, ist unklar. „Eine Entscheidung darüber trifft das ZDF zu einem späteren Zeitpunkt in Abstimmung mit den Angehörigen des Verstorbenen sowie mit den anderen Mitwirkenden“, sagt Sendersprecher Unglaube weiter. Oliver Heidemann, beim ZDF Leiter der Hauptredaktion Show, äußert sich „traurig und betroffen“ über den Todesfall des Teilnehmers. „Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden des Verstorbenen.“

In Klein Offenseth-Sparrieshoop, der Heimatgemeinde Hachmanns, herrscht tiefe Trauer. Dort war der 80-Jährige Ortsvorsitzender der Union und bei der Kommunalwahl am Sonntag einer der neun Direktkandidaten der Partei. Nach Bekanntwerden des Todesfalls haben CDU, SPD und die dortige Wählergemeinschaft alle Wahlkampfaktivitäten eingestellt. In dem betroffenen Wahlkreis fällt die Wahl aus. Sie wird voraussichtlich am 3. Juni nachgeholt, wenn die CDU einen Ersatzkandidaten benannt hat und neue Stimmzettel sowie Wahlbenachrichtigungen für die 850 Wähler gedruckt worden sind.