Pinneberg
Elmshorn/Itzehoe

Mordversuch? Polizistin belastet Angeklagten schwer

Der Prozess wird vor dem Landgericht Itzehoe verhandelt

Der Prozess wird vor dem Landgericht Itzehoe verhandelt

Foto: Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Eine Polizeibeamtin schildert vor dem Landgericht Itzehoe, wie sich der Elmshorner Markus E. stellte und einen Mordversuch einräumte.

Elmshorn/Itzehoe.  Die Polizei stufte die Tat zunächst als gefährliche Körperverletzung ein. Vor Gericht verantworten muss sich Markus E. allerdings wegen versuchten Mordes. Und die Schlinge um den Hals des 22 Jahre alten Elmshorners – sie zog sich am dritten Verhandlungstag vor dem Landgericht Itzehoe weiter zu.

Mit Franziska J. (36) sagte die Polizistin als Zeugin aus, die nach dem Vorfall in der Nacht zum 1. November 2017 als erste den Angeklagten vernommen hatte. „Er kam zu uns in Husum auf die Wache und sagte, er wolle sich stellen, weil er in Elmshorn versucht habe, jemanden umzubringen“, so die Polizistin. Sie habe dann zunächst Kontakt mit der zuständigen Leitstelle aufgenommen, um zu erfragen, ob der von dem Angeklagten geschilderte Angriff auf seinen Bekannten Frank N. dort bekannt sei. „Erst hatte ich überlegt, ob der mich veräppeln will. Nach der Bestätigung durch die Kollegen habe ich ihn dann absolut ernst genommen.“ Der 22-Jährige habe im ruhigen, sachlichen Ton ausgesagt, habe keine Emotionen erkennen lassen und sei „total einsichtig“ gewesen. Er habe auf Nachfrage immer wieder erklärt, dass er sein Opfer umbringen, es erwürgen wollte.

Der Angeklagte hat eine Tötungsabsicht bestritten

Genau dies hatte der Angeklagte zu Prozessbeginn bestritten. Den Gewaltausbruch, das Einsperren des Kontrahenten im Kofferraum, die Schläge und Tritte sowie ein kurzes Würgen des Opfers – all das hatte der Elmshorner eingeräumt. In Tötungsabsicht will er allerdings nicht gehandelt haben.

Dass der Elmshorner zu Übersprungshandlungen neigt, bestätigte seine Ex-Freundin Selina K. (20). Sie schilderte, wie Markus E. nach einem Streit weglief und später ihr und einem Freund per Handynachricht mitteilte, sich umbringen zu wollen. Dazu habe er Fotos von Bahngleisen geschickt. „Er ist über Bahnschienen getanzt, wir haben die Polizei alarmiert, die hat ihn aufgegriffen. Hinterher hat er gesagt, das sei gar nicht so gemeint gewesen.“ Ihr habe er nie ein Haar gekrümmt. „Ich hätte ihm eine solche Tat nie zugetraut, so ein Mensch ist er eigentlich nicht.“

Selina K. hat nach der Tat, für die Markus E. seit sechs Monaten in Untersuchungshaft sitzt, den Kontakt zu ihm abgebrochen, ebenso wie Florian S., der sich vor Gericht als „bester Freund“ des Angeklagten bezeichnete. Ihn hatte der 22-Jährige kurz vor dem Gewaltexzess besucht – gemeinsam mit Frank N., dem späteren Opfer. „Markus hatte sich gegen 23 Uhr am Abend gemeldet und wollte mich noch besuchen kommen. Ich wollte das nicht und habe ihm gesagt, dass ich ihn nicht abholen kann“, so Florian S. Daraufhin habe der Freund Frank N. als Fahrer engagiert. „Ich habe mehrere Nachrichten geschickt, dass ich keinen Besuch mehr will, aber darauf wurde nicht reagiert.“

Gegen 0.15 Uhr wären beide eingetroffen. „Die Situation war total komisch.“ Markus E. sei völlig anders gewesen als sonst („Ich weiß nicht, was er genommen hatte“), Frank N. habe erkennbar Angst gehabt. „Ich habe beiden gesagt, dass ich möchte, dass sie wieder fahren. Frank habe ich noch gesagt, er soll sich wieder bei mir melden, wenn er Markus nach Hause gebracht hat.“ Weil er nichts von dem Freund hörte, habe er dann selbst zum Telefon gegriffen. „Im ersten Gespräch sagte Frank, sie seien noch unterwegs. Beim zweiten Anruf berichtete er, dass Markus ihm eine verpasst habe.“ Weil Frank N. auf weitere Anrufe nicht reagiert habe, „habe ich die Polizei gerufen und bin selbst nach Elmshorn gefahren.“

Polizist Philipp S. (23) befragte als erster Opfer Frank N. „Kleidung und Gesicht waren total verdreckt, er hat geblutet und war sehr verängstigt. Der Vorfall hat ihn sehr mitgenommen.“ Der Prozess wird am 17. Mai mit dem Gutachten eines Psychiaters fortgesetzt.