Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wedeler ist Chef von 48.913 Feuerwehrleuten

Frank Homrich aus Wedel wird neuer Landesbrandmeister und damit Chef der 1349 Feuerwehren des Landes Schleswig-Holstein

Frank Homrich aus Wedel wird neuer Landesbrandmeister und damit Chef der 1349 Feuerwehren des Landes Schleswig-Holstein

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Der Wedeler Frank Homrich wird neuer Landesbrandmeister. Der 60-Jährige will, dass ehrenamtlicher Brandschutz Zukunft hat.

Wedel.  1349 Feuerwehren im Land haben einen neuen Chef. Mit dem Wedeler Frank Homrich (60) steht erstmals ein Feuerwehrmann aus dem Kreis Pinneberg an der Spitze der Landeswehren. „Eine reizvolle Aufgabe, auf die ich mich sehr freue“, sagt Homrich. Er wird am 7. Mai offiziell von Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) zum Landesbrandmeister ernannt.

„Ich bin jetzt etwas, das ich nie sein wollte: nämlich Lobbyist“, sagt der Wedeler. Als Landesbrandmeister ist er die Stimme der 48.913 Feuerwehrleute in Schleswig-Holstein. Er ist an allen Gesetzesentscheidungen und Erlassen beteiligt, die das Feuerwehrwesen betreffen – und soll Lösungen für die Probleme finden, die von den Brandschützern zu meistern sind. „Das wird alles sehr politisch, ist für mich ein ganz anderes Parkett“, sagt Homrich, der nun vor einer wahren Terminflut steht. „Wer etwas verändern, etwas bewegen will, der muss viel unterwegs sein und Präsenz zeigen. Wenn es um die Feuerwehr geht, mache ich das gern.“

Im vierten Jahr in Folge ist die Zahl der ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Land gestiegen. „Feuerwehr ist attraktiv und macht Spaß“, sagt Homrich. Allerdings fehle es in ländlichen Regionen an verfügbaren Einsatzkräften. „In den Flächenkreisen legen die Kameraden viele Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz zurück, sodass sie im Fall einer Alarmierung nicht greifbar sind“, sagt er. Das Problem werde momentan dadurch gelöst, dass sofort auch die benachbarten Wehren alarmiert werden. Homrich: „Aber was nützt das, wenn ich die Knöpfe von zehn Wehren drücke, und dann kommen jeweils zwei Leute an?“

Eine Lösung wäre, eine größere Zahl an Berufsfeuerwehren zu schaffen. Homrich lehnt das als unbezahlbar ab. „Ich setze mich dafür ein, das Ehrenamtssystem in der Feuerwehr beizubehalten.“ Wie dennoch eine Lösung für dieses Problem aussehen könnte? „Mir geht es darum, gemeinsam mit den Wehren Ideen dazu zu entwickeln“, sagt der Wedeler, der sich als Teamplayer bezeichnet.

Als Landesbrandmeister muss er engen Kontakt zu den Wehrführern der Kreise und kreisfreien Städte halten – und er trifft bei Tagungen auf seine Amtskollegen aus den anderen Bundesländern. „Vielleicht kann man sich die eine oder andere Idee abschauen und auf unsere Verhältnisse übertragen.“

In den größeren Städten steht ein anderes Problem im Vordergrund. Dort gibt es in der Regel genügend Personal, das ausrücken kann – allerdings explodiert die Zahl der Einsätze regelrecht, weil Bagatellfälle immer mehr zunehmen. „Die Wehrführer der Mittelstädte stehen mit dem Rücken an der Wand“, sagt Homrich. Teilweise werde diese Problematik dadurch aufgefangen, dass die Zahl der hauptamtlichen Kräfte in den Wehren massiv erhöht wird. So beschäftige beispielsweise Elmshorn sechs Vollzeit-Gerätewarte, die kleinere Einsätze tagsüber übernehmen. Homrich: „Dauerhaft müssen wir für dieses Problem andere Lösungen finden.“

Konzepte für Anwerbung neuer Mitglieder sind gefragt

Mitgliederwerbung ist ein weiteres Thema, über das sich der Wedeler Gedanken macht. „Wir müssen uns schon fragen, wie wir in Zukunft genügend Menschen motivieren, bei uns mitzumachen. Und wir müssen uns überlegen, wie wir gerade die jungen Menschen dauerhaft an die Feuerwehr binden können.“ Sechs Jahre hat Homrich jetzt Zeit, als Landesbrandmeister Akzente zu setzen. Eine zweite Amtszeit ist aus Altersgründen nicht möglich.

„Landesbrandmeister ist schon so etwas wie ein Fulltime-Job“, sagt er. Er war einziger Kandidat für die Nachfolge des Lübeckers Detlef Radtke, der nach zwölf Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr antrat. Der Chefposten aller Wehren im Land ist ein Ehrenamt, das mit einer Aufwandsentschädigung abgegolten wird. Weil der Landesfeuerwehrverband als eingetragener Verein und nicht als Körperschaft öffentlichen Rechtes geführt wird, ist ein Arbeitgeber nicht verpflichtet, seinen Mitarbeiter für diese Aufgabe freizustellen.

Für Homrich ist das kein Problem. Er ist selbstständiger Techniker, wartet Maschinen in Fotolaboren – und hat wegen der Digitalisierung weniger zu tun. Dafür ist er nun verstärkt in Sachen Feuerwehr unterwegs, will auch versuchen, möglichst viele Wehren im Land persönlich zu besuchen. Keine leichte Aufgabe. „Als ich 2010 stellvertretender Kreiswehrführer geworden bin, habe ich mir vorgenommen, alle 50 Wehren des Kreises innerhalb eines Jahres zu besuchen. Natürlich hat das nicht geklappt.“

Kreiswehrführer will der 60-Jährige bleiben. „Ich habe ein sehr gutes Team, das mir den Rücken freihält. Daher glaube ich, beide Aufgaben wahrnehmen zu können.“ Vor der Kandidatur zum Landesbrandmeister hat Homrich seine Frau gefragt – und erst nach ihrem Ja seine Bereitschaft erklärt. „Das alles geht nur, wenn die Frau dahinter steht.“