Pinneberg
Rellingen

Wie es es mit dem Schulbau klappen kann

Architekt Anton Nikolin (l.) und David Beverungen aus dem Bauamt vor der Brüder-Grimm-Schule

Architekt Anton Nikolin (l.) und David Beverungen aus dem Bauamt vor der Brüder-Grimm-Schule

Foto: Andreas Daebeler / HA

Rellingen erweitert Brüder-Grimm-Schule während des laufenden Betriebs – vollkommen problemlos. Millionen-Projekt ist im Sommer fertig.

Rellingen.  Die Wände sind gespachtelt. Der Estrich wird gerade aufgetragen. Von der Decke baumeln gelbe Kabel. Kilometer davon. „Das wird mal ein Computer-Netzwerk“, sagt Anton Nikolin. Der Architekt blickt sich zufrieden um. Diese Baustelle ist nach seinem Geschmack. Denn an der Brüder-Grimm-Schule geht es gut voran. Bei laufendem Betrieb saniert und erweitert die Gemeinde Rellingen das Gebäudeensemble im Ortskern. 6,8 Millionen Euro kostet es, die in die Jahre gekommene Grundschule fit für die Zukunft zu machen. Der Anbau soll noch vor den Sommerferien fertig sein. Zeit für den Schlussspurt an der Schmiedestraße.

Zum Ortstermin in Rellingens wachsender Schule ist noch jemand aus dem nicht weit entfernten Rathaus herübergekommen. Auch der Mann, der nun neben dem Architekten Nikolin steht, kennt hier jeden Winkel. David Beverungen arbeitet in der Verwaltung der Gemeinde. Und zwar dort, wo derzeit so gar nicht über Mangel an Arbeit geklagt werden kann. Im Fachbereich Planen und Bauen schultert Beverungen das Gebäudemanagement und fungiert als Technikchef.

Somit ist der 37-Jährige auch als Leiter für zwei Schulbauprojekte zuständig, die Rellingen in Angriff genommen hat. Denn nicht nur an der Schmiedestraße wird investiert. Auch die
Caspar-Voght-Schule im Ortsteil Egenbüttel wird zur Großbaustelle. Dort werden voraussichtlich um die 15 Millionen Euro investiert.

Doch bevor es in Egenbüttel so richtig in die Vollen geht, gilt das Hauptaugenmerk David Beverungens der Grundschule im Ortskern, die derzeit am offenen Herzen operiert wird. „Es gab bislang keine Klagen von Lehrern oder Eltern“, sagt der Bauleiter, der selbst ein wenig erstaunt scheint, wie glatt alles trotz laufenden Unterrichts geht. Aktuell gehe er noch davon aus, dass trotz eines feuchten und langen Winters der vorgegebene Zeitplan eingehalten werden könne. Ostern 2017 hatten die Arbeiten an der Brüder-Grimm-Schule begonnen. „Der Anbau wird wohl Ende Juni fertig“, sagt Beverungen. Zwar habe das schlechte Wetter zu Verzug beim Dachbau und bei den Elektroarbeiten geführt. „Aber die Handwerker arbeiten derzeit auch am Wochenende, es wird also kräftig aufgeholt.“

In dem Anbau entstehen zehn nagelneue Klassenzimmer. Auch Differenzierungsräume sind eingeplant. Die neue Mensa, in der angeliefertes Essen aufgewärmt werden wird, kann mittels hochgezogener Trennwand zur Aula für Aufführungen erweitert werden. 199 Menschen dürfen dann dort rein. Die Durchreiche, die Küche mit Essensraum verbindet, ist bereits zu erkennen.

In den Sommerferien wird das alte Hauptgebäude saniert

Zudem wird die Brüder-Grimm-Schule künftig über großzügigere Fachräume verfügen können. Bislang für die Betreuung von Jungen und Mädchen genutzte Container können weichen – sie werden für die Zeit der dortigen Bauarbeiten an der Caspar-Voght-Schule gebraucht.

Während der Sommerferien wird an der Schmiedestraße das Hauptgebäude aus den 1940er-Jahren auf Vordermann gebracht. Das bedeutet ab dem neuen Schuljahr bessere Arbeitsbedingungen für die Pädagogen. Schüler und Lehrer dürfen sich auf einen Innenhof freuen, den David Beverungen als „grünes Klassenzimmer“ bezeichnet. Dort werden Hochbeete eingerichtet. „Und es wird Sitzgelegenheiten geben“, verspricht der Mann aus dem Rathaus, der fast jeden Tag auf der Baustelle vorbeischaut.

Grundsätzlich kämpfen die Kommunen mit der angespannten Lage auf dem Baumarkt. Die Auftragsbücher der Firmen sind voll. Vor allem der Boom auf dem Wohnbausektor macht es immer schwieriger, Handwerker anzuwerben. Erinnert sei an das Jahr 2016. Seinerzeit war die Suche nach einem Generalunternehmer für das Projekt Brüder-Grimm-Schule komplett gescheitert. Niemand wollte den Job übernehmen, was mehrere Monate Verzögerung bedeutete. Der Mangel an Fachkräften treibt die Preise.

Das bestätigt auch David Beverungen, der ungünstige Submissionsergebnisse beklagt: „Vieles ist teurer geworden“, sagt er. Einzelne Gewerke riefen bis zu 40 Prozent höhere Preise auf als noch vor wenigen Jahren. Zuweilen gibt es gar keine Angebote. Die gute Nachricht: Der zuletzt 2017 um 300.000 Euro erhöhe Etat von 6,8 Millionen Euro reicht wohl aus. „Gut angelegtes Geld“, meint Beverungen.

Die von 243 Kindern besuchte Brüder-Grimm-Schule wird nach Fertigstellung behindertengerecht sein – und über einen Multifunktionshartplatz verfügen. Mehr Schüler sollen künftig allerdings nicht aufgenommen werden.