Elmshorn

Minimal Music: Hochintensives Klangerlebnis

| Lesedauer: 3 Minuten
Marvin Mertens
Hochkonzentriert: Schüler und Lehrer der Musikschule Glückstadt beim Konzert „Phaze Two“ des Minimal Music Projects

Hochkonzentriert: Schüler und Lehrer der Musikschule Glückstadt beim Konzert „Phaze Two“ des Minimal Music Projects

Foto: Marvin Mertens / HA

Kritik der Woche: Schüler und Lehrer der Musikschule Glückstadt spielen Stücke von Steve Reich, Philip Glass und David Lang.

Elmshorn.  Was am Sonnabendabend in der Aula der Elmshorner Bismarckschule zu hören ist, ist weniger ein Konzert als ein Klangerlebnis. Unter dem Titel „Minimal Music Project –
Pha­ze Two“ spielen Schüler und Lehrer der Musikschule Glückstadt in Kooperation mit dem Glückstädter Detlefsengymnasium unter der Leitung von Daniel Schröder und Wieland Reich Stücke von Steve Reich, Philip Glass und David Lang. Diese gelten als herausragende Komponisten und Mitbegründer der Minimal Music, die der modernen Musik zugeordnet wird und sich ab den 1960er-Jahren in den USA entwickelte.

Minimal Music lässt sich wohl am besten als eine Mischung aus Klassischer Musik, Free Jazz und Psychedelic Rock charakterisieren. Auch Einflüsse außereuropäischer Musik, etwa perkussive Elemente aus dem afrikanischen Raum fließen in die Minimal Music ein. Die Stücke sind geprägt von zahlreichen Wiederholungen kleinster Teile mit stark rhythmischem Charakter, die sich additiv aufbauen und wieder abflachen. Die Klangfarbe ändert sich dabei wenig, nur hin und wieder entstehen leichte Dissonanzen, die nur langsam, manchmal sogar gar nicht wieder aufgelöst werden.

Schon beim ersten Stück, Steve Reichs „Tehillim“ aus dem Jahr 1981, wird deutlich, dass diese Musik nicht unbedingt leicht zugänglich ist und den Zuhörer durchaus stark fordert. Die vier Sängerinnen Sybille Förster, Karin Pawolka, Valeria Schumann und Ulrike Wendebourg singen den Psalm Tehillim auf Hebräisch, teilweise nur begleitet von Klatsch-Rhythmen oder spärlicher Instrumentalbesetzung. Der Rhythmus ist schwer zu fassen, ebenso wie die Harmonien, die sich kaum verändern. Auch beim „Klarinetten4tett“ von Philip Glass für zwei Klarinetten (Theresa Großekathöfer und Charlotte Kerstein) und zwei Bassklarinetten (Karsten Schepelmann und Daniel Schröder) finden sich ähnliche Stilmittel.

Die Vielseitigkeit der Minimal Music und die Experimentierfreudigkeit der Komponisten wird bei dem Konzert der Musikschüler und Lehrkräfte sehr gut deutlich. „Music for pieces of Wood“ von Steve Reich besteht beispielsweise nur aus Klopfrhythmen, die auf Holzstücken gespielt werden. Herausragend ist die Darbietung des gut 16 Minuten langen „Eight Lines“, ebenfalls von Steve Reich komponiert. Während die Streicher, in diesem Fall Violine, Viola und Cello längere Töne spielen, die sich ständig wiederholen, wechseln sich Piano, Klarinetten und Querflöten mit filigranen, schnell gespielten und oft wiederholten Melodien. Ein Paradebeispiel für die Stilelemente der Minimal Music und sicherlich eine Herausforderung für die Musiker.

Zwischen den Stücken werden auf einer Leinwand Interviews mit den Komponisten gezeigt. David Lang, Steve Reich und Philip Glass geben in diesen Videosequenzen Einblicke in ihre Arbeit und die Entstehung der Stücke. Ein interessantes, auflockerndes Element, das zudem die Umbaupausen überbrückt. Im Zusammenspiel mit der Musik entsteht so ein hochintensives, tolles Klangerlebnis, das begeistert und viel mehr ist als nur ein Konzert.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg