Pinneberg
Kreis Pinneberg

Uetersen: Wo aufmerksame Nachbarn wachen

Rüdiger Laube (55) mit dem von ihm entworfenen Aufkleber

Rüdiger Laube (55) mit dem von ihm entworfenen Aufkleber

Foto: Arne kolarczyk / HA

Rüdiger Laube aus Uetersen will mit warnenden Aufklebern Einbrecher abschrecken. Die Polizei spricht von einer „guten Idee“.

Uetersen.  Dessaus Kamp in Uetersen. Eine kleine, beschauliche Straße – und eine Hochburg der Einbrecher. Drei Taten in diesem Jahr, am 17. und 21. Januar sowie zuletzt am 9. Februar, haben Anwohner Rüdiger Laube aufgeschreckt – und zu einer privaten Präventionsaktion getrieben. Der 55-Jährige hat einen professionell gestalteten Aufkleber entworfen und an alle Häuser in der Nachbarschaft verteilt, um so Täter abzuschrecken.

Das Design des knallroten Aufklebers erinnert an ein Stopp-Schild. „Stop It – Wachsame Nachbarn und Webcams sehen Dich“ steht zweisprachig auf der Vorderseite, als Initiator ist „Eine Initiative der Anwohner im Dessaus Kamp gegen Einbruch“ angegeben. „Ich wollte etwas tun und gleichzeitig versuchen, den Zusammenhalt in der Nachbarschaft zu fördern“, sagt Laube, der vor drei Jahren in die kleine Straße am Rande der Stadt gezogen ist. Er glaube daran, „dass richtig gestreute Botschaften auch den Empfänger erreichen“.

Ihm gehe es nicht darum, belehrend durch die Gegend zu laufen, sondern präventiv zu wirken. „Ich glaube schon, wenn alle gemeinsam ein bisschen genauer hinzuschauen, dass wir einiges bewirken können“, sagt der Initiator weiter. Einer der Einbrüche in der Straße lasse vermuten, dass die Täter Gebäude und Hausbewohner ausgekundschaftet haben müssen. „Mehr auf auffällige Personen und Fahrzeuge achten“ – das wünscht sich Laube.

Er hat allen Nachbarn in der Straße ein kleines Anschreiben mit seiner Idee und drei Aufklebern zukommen lassen. Laube glaubt, dass der Aufkleber am Eingang, der in der Regel zuerst ausgespäht wird, sowie an schlecht einsehbaren Fenstern abschreckend wirken kann. Der Uetersener hat das selbst entworfene Werk an mehreren Stellen seines Reihenhauses angebracht. „Ich habe gesehen, dass auch bei mehreren Nachbarn einige Aufkleber schon kleben.“

Als Initiator der Aktion sei er von einigen Nachbarn („Ich wohne ja noch nicht so lange hier und kenne nicht alle“) bereits darauf angesprochen worden. „Die Resonanz war überwiegend positiv. Daraus ist jetzt die Idee entstanden, mal ein Straßenfest zu machen, damit sich die Nachbarn besser kennenlernen“, sagt Laube. Er wolle mit der expliziten Nennung des Straßenamens Dessaus Kamp dokumentieren, dass dies „kein 0815-Sticker aus dem Internet ist, sondern eine lokale, ernst gemeinte Initiative“.

Präventionsbeamter warnt vor privaten Streifengängen

Die von der Polizei begrüßt wird. „Das ist eine gute Idee“, sagt Jörg Mangelmann, einer der Beamten aus dem Sachgebiet Prävention der Polizei in Pinneberg. Eine funktionierende Nachbarschaft sei „ein wesentlicher Faktor der Prävention“, sagt der Experte. Die Polizei habe seit Langem eine ähnliche Aufkleber-Aktion am Start.“ Unser Aufkleber trägt die Aufschrift ,Vorsichtig, wachsame Nachbarn‘“, sagt Mangelmann.

Er hält lokale Initiativen gegen Einbrecher für wichtig und richtig. „Aber sie darf gewisse Grenzen nicht überschreiten“, sagt der Experte. Ein gemeinsamer Streifengang von Nachbarn in der Nacht sei schlecht. „Solche Dinge sollte man lieber uns überlassen, das ist eine der Kernaufgaben der Polizei.“ Laut Mangelmann komme es inzwischen immer öfter vor, dass sich Nachbarn über What’sApp-Gruppen über verdächtige Personen und Fahrzeuge in der Nachbarschaft austauschen und teilweise auch Fotos davon teilen. Mangelmann: „Wir sehen das kritisch.“

Erst vor Kurzem habe er einen Fall gehabt, wo auf diese Weise Fotos unschuldiger Personen im Internet gelandet seien. „Es verschieben sich zum Teil Grenzen, die Leute wissen nicht, was sie posten dürfen und was nicht.“ Mangelmann verweist auf das Recht am eigenen Bild.

Er empfiehlt, in der eigenen Nachbarschaft Augen und Ohren offen zu halten. „Im Zweifelsfall sollten verdächtige Personen oder Fahrzeuge in der Nachbarschaft sofort an den Polizeinotruf 110 gemeldet werden. Wichtig ist, uns eine gute Personenbeschreibung zu übermitteln und festzustellen, in welche Richtung die Personen sich entfernt haben.“ Die Art und Farbe der Kleidung, das Autokennzeichen – alle diese Dinge könnten den Beamten helfen, den gemeldeten Sachverhalt zu überprüfen. Wenn die Personen zu Fuß unterwegs sind, könne man ruhig ein paar Schritte hinterhergehen, sagt Mangelmann. Generell gelte aber: „Niemand sollte den Helden spielen.“