Pinneberg
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Ausstellung: Dieses Tuch darf rostig sein

Die Künstlerin Inken N. Woldsen mit ihrem Werk „Lehmgedicht“, Rost auf Baumwolle, aus dem Jahr 1989

Die Künstlerin Inken N. Woldsen mit ihrem Werk „Lehmgedicht“, Rost auf Baumwolle, aus dem Jahr 1989

Foto: Anna Bielfeldt / HA

Die Künstlerin Inken N. Woldsen experimentiert mit Lehm und Altmetall. Das Museum Pinneberg zeigt ab Freitag das Ergebnis.

Pinneberg.  Braun-orangefarbene Tupfer reihen sich in der Mitte eines Baumwollstoffes aneinander. Drei grau-gelbe Balken finden sich in der Mitte eines anderen. Auf dem dritten Stoff kann der Betrachter ein gelbes Gitter sehen. Die Farbpalette reicht von Orange- und Rottönen, Ocker und Braun bis hin zu Grautönen. Die drei Werke stammen von der Pinnebergerin Inken N. Woldsen. Die aus Friedrichstadt stammende Künstlerin lebt mittlerweile schon seit beinahe 50 Jahren in Pinneberg. Und diese drei ihrer Werke sind nun im Stadtmuseum Pinneberg zu sehen.

Bereits im jungen Alter widmete sich Inken N. Woldsen der Kunst, fing mit zwölf Jahren an, Sonnenuntergänge zu malen. Nach der Beendigung ihres Studiums der Kunsterziehung in Kiel begann sie in den 70er-Jahren ihre künstlerische Arbeit mit Malerei und Zeichnung. Später fing sie an, mit den Elementen Erde, Wasser und Luft zu experimentieren. Sie legte ungefärbte Baumwollstoffe in Wasser oder grub sie in die Erde ein. Erde, Torf, Lehm oder organische Stoffe sorgten dafür, dass auf ihnen farbige Strukturen entstehen. Schließlich bezog sie rostige Metallstücke mit ein, die sie in der Natur fand. „Die drei Werke hier gehören zu meinen frühesten Arbeiten. Sie sind in Steinbruch am Untersberg im Jahr 1989 entstanden“, sagt sie. An einem Fluss entlang des Berges lagen mehrere Rostteile in verschiedenen Orange- und Rottönen herum. Der Anblick dieser Farbpracht sei der Ursprung ihrer Arbeiten gewesen. Sie fing an, ausgewählte Fundstücke aus rostendem Metall in Baumwollstoff einzuwickeln und mit Draht zu verschnüren, vergrub sie.

Jedes Werk ist ein Unikat

Durch den Einfluss von Feuchtigkeit und Temperatur sowie die Erde und den Rost veränderte sich der Stoff, nimmt farbige Strukturen an. „Es dauert etwa drei bis fünf Wochen, bis ein Tuch fertig ist und ich es wieder ausgraben kann. Das ist immer auch abhängig vom Wetter.“ Geduld muss sie also haben. Nachdem der Stoff wieder ausgegraben ist, wird er gesäubert, getrocknet und geglättet. Im Anschluss wird er auf ein Papier gezogen. Und das Werk ist fertig. Was genau auf ihren Werken letztendlich entsteht, kann die Künstlerin nicht vollkommen kontrollieren. Selbst bei Arbeiten, bei denen sie mit gleichartigen Metallfundstücken und identischen Bedingungen arbeite, sei das Ergebnis immer unterschiedlich. Bei all ihren Werken handelt es sich daher um Unikate.

Museumsleiterin Ina Duggen-Below freut sich sehr über den Zuwachs in ihrer Sammlung. Ermöglicht wird dies durch eine Schenkung der Fielmann AG an den Förderverein des Pinneberg Museums. „Ohne die Unterstützung der Fielmann AG wäre eine Erweiterung unserer Sammlung gar nicht möglich, da wir über keinen Einkaufsetat verfügen“, sagt Duggen-Below. Seit mittlerweile 16 Jahren unterstützt die Optiker-Kette das Pinneberg Museum durch regelmäßige Schenkungen. Neuer Schwerpunkt ist seit zwei Jahren die Sammlung zeitgenössischer Kunst aus dem Kreis Pinneberg.

Inken N. Woldsen ist schon die dritte Künstlerin aus dem Kreis, von der Werke angekauft werden konnten. „Insgesamt besitzen wir derzeit sieben Objekte in unserer neuen Sammlung.“, sagt die Museumsleiterin. Jeweils zwei Werke konnten sie von der Fotosofin „Gagel“ und der Malerin Brigitta Höppner ankaufen. Die drei Werke von Inken N. Woldsen ergänzen nun die Sammlung.

Die Schenkung durch die Fielmann AG ist die Voraussetzung für die Ausstellung „Handeln durch Nichthandeln“ , die am 2. März eröffnet wird. Mit dieser Schau feiert die Künstlerin Inken N. Woldsen ihren 70. Geburtstag. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Entwicklung ihrer künstlerischen Arbeiten. Außer ihren Verknüpfungen aus Baumwollstoffen, rostendem Metall und der Natur werden auch kleine Skulpturen zu sehen sein.

Eröffnung: Fr 2.3., 17 Uhr, Dingstätte 25, Pinneberg