Pinneberg
Quickborn

Er begleitet kranke Menschen beim Heimflug

Immer Auf Achse: Der Notarzt Lothar Löser aus Quickborn holt für den ADAC schwer erkrankte oder verletzte Urlauber zurück nach Deutschland

Quickborn.  Jahrzehntelang war er Anästhesie-Facharzt in mehreren Kliniken in Hamburg, Halle, Lüneburg, Soltau, Erlangen und Bern in der Schweiz und führte bis 2010 als niedergelassener Mediziner eine Facharztpraxis in Schenefeld. Seit drei Jahren ist der Quickborner Lothar Löser (65) als eine Art „gelber Gesundheitsengel“ ständig auf Achse für den Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC).

Der Notarzt und Intensivmediziner holt für den ADAC Urlauber, die sich bei einem Unfall im Ausland schwer verletzt oder einen Kreislaufkollaps erlitten haben, zurück nach Deutschland, damit sie hier zu Hause bei ihren engsten Angehörigen und dem hiesigen Medizinstandard behandelt werden und wieder schnell genesen können.

200-mal sei er bislang für kranke und verletzte ADAC-Mitglieder im Einsatz gewesen, erklärt der alleinerziehende Vater von zwei minderjährigen Söhnen. Als eine Art gelber Engel sehe er sich nicht. „Das sind die Pannenhelfer auf der Straße.“ Er gebe den Menschen, die für den Heimflug meist an Bord einer Linienmaschine seine Patienten sind, „Hoffnung und Sicherheit, dass sie bald wieder heil nach Hause kommen“, beschreibt Löser seine ungewöhnliche Aufgabe für den Automobilclub.

Meist kommen die Patienten aus typischen Urlaubsländern

Der Quickborner Arzt gehört zu einem Team von etwa 100 Ärzten, die der ADAC mit einer Tagespauschale und einem 20 Kilogramm schweren Notfallkoffer auf Reise schickt, in dem sich alle notwendigen Medikamente, Schmerzmittel, Instrumente und Spritzen für die Erste Hilfe von Patienten mit Bluthochdruck, Herz-Rhythmus-Störungen oder Herzinfarkt befinden. 12.100 solcher Krankenrücktransporte organisiert der ADAC pro Jahr, erklärt Sprecher Jochen Oesterle. Meist aus Urlaubsländern wie Spanien, Österreich, Türkei und Italien, aber auch aus Übersee und Fernost wie USA und Thailand. 4000 dieser Einsätze werden mit Linienflügen abgewickelt, die auch der Quickborner Arzt Löser nutzt. Für besonders schwere Fälle habe der ADAC auch Spezialflugzeuge im Einsatz, die ausgerüstet mit einer Herz-Lungen-Maschine und der Möglichkeit einer Blutwäsche in der Luft bereits mehreren Patienten das Leben haben retten können, erklärt Unternehmenssprecher Oesterle.

Für den Arzt Löser beginnt der Auftrag meist mit einem Anruf oder SMS der Johanniter-Unfallhilfe, die der eigentliche Vertragspartner für diese Rücktransporte über den ADAC ist. Dann müsse alles ganz schnell gehen. Oft noch am selben Tag steigt Löser in den Flieger, um die verletzten oder schwerkranken Patienten an ihrem Urlaubsort abzuholen und unversehrt zurückzubringen. Voraussetzung dafür sei, betont Löser, dass der behandelnde Arzt oder die Klinik im Ausland dem Patienten bescheinige, dass er transportfähig ist. Wenn nicht, müsse er natürlich am Unfallort behandelt werden, um nicht noch zusätzlich das Leben dieses Patienten zu gefährden, erläutert Löser die Bedingungen. „Das unterliegt einer strengen Prüfung der behandelnden Ärzte vor Ort.“

Zurzeit muss er selbst eine Grippe auskurieren, die er sich bei seinem jüngsten ADAC-Einsatz im spanischen Alicante zugezogen hat. Dorthin musste der Quickborner spontan an Silvester fliegen. „Ich hatte ohnehin nichts Besonders vor“, sagt Löser. „Und in Spanien war es angenehm ruhig.“ Keine Böllerei, wie sie hierzulande üblich ist.

Beim Flug entwickelt sich oft ein Vertrauensverhältnis

Am frühen Neujahrsmorgen habe er den 76 Jahre alten Mann, der Herzprobleme hatte, am Flughafen in Empfang genommen und ihn auf seiner Trage, die dafür mit Hilfe eines Hubwagens am Flughafen eigens im hinteren Teil der Maschine fest installiert wird, bis zum Hamburger Flughafen zurück begleitet, wo er dann mit dem Krankentransportwagen des DRK sofort in die nächste Klinik gebracht wurde.

Als erstes erkundige er sich bei dem Patienten, der ansprechbar war, nach seinem Gesundheitszustand und mache eine ärztliche Anamnese seiner Krankheitsgeschichte, erklärt Löser seine Arbeit. Nur wenn er selbst von der Transportfähigkeit der Patienten überzeugt ist, steigen sie in den Flieger. Bei unklaren oder komplizierten Fällen bitte der ADAC ihn zusätzlich um eine Visite im behandelnden Krankenhaus am Urlaubsort.

Für den ADAC ist das ein enormer finanzieller Aufwand, der je nach Schwere der Erkrankung bis zu 250.000 Euro kosten könne, erklärt ADAC-Sprecher Oesterle. Manchmal muss Dr. Löser auch ohne den Patienten wieder zurückfliegen, wie einmal von Bangkok aus, wo die Gefahr bestand, dass der Patient während des Rückfluges eine Lungenentzündung erleidet. „Das konnten wir nicht riskieren und mussten den Rückholeinsatz in Abstimmung mit dem ADAC abbrechen“, sagt Löser. „Aber das habe ich erst fünfmal erlebt.“

Für die Betroffenen seien diese Einsätze oft nicht nur lebensrettend, erklärt Oesterle. Es könne sie auch vor dem finanziellen Ruin bewahren. Denn wer für seine Auslandsreise keinen zusätzlichen Krankenschutz abgeschlossen hat, müsse den Krankenhausaufenthalt am Unfallort selbst tragen. „Das kann in den USA oder Australien schon mal 10.000 Euro am Tag betragen.“

Mit den Patienten entwickle sich auf diesen Flügen meist ein enges Vertrauensverhältnis, sagt Löser. Sofern es möglich sei, kämen sie da über alles Mögliche ins Gespräch. „Das beruhigt die Patienten, und mir hat es schon für sehr viele Dinge den Horizont erweitert“, sagt der Quickborner Arzt über diese Einsätze, die ihm als Arzt berufliche Genugtuung und viel Freude bereiteten. „Und die Patienten sind in den meisten Fällen voll des Lobes über den ADAC, wenn sie wieder heil zu Hause angekommen sind.“