Pinneberg
Elmshorn

Wo das Wohnen zur Nervenprobe wird

Gudrun Wagner (v. l.), Michael Kurzhals, Renate Dreyer sowie Ingrid und Karl Breslein leben seit Monaten mit Mängeln. Das Unternehmen Vonovia will die jetzt beheben

Gudrun Wagner (v. l.), Michael Kurzhals, Renate Dreyer sowie Ingrid und Karl Breslein leben seit Monaten mit Mängeln. Das Unternehmen Vonovia will die jetzt beheben

Foto: Andreas Daebeler / HA

Kein Telefon, kein Aufzug, keine Heizung: Immer Ärger mit der Vonovia in Elmshorn. Unternehmen gelobt jetzt Besserung.

Elmshorn.  Die rote Fassade glänzt im Schein der Wintersonne. Die Laubengänge sind aufgeräumt, der Fahrstuhl ist voller moderner Technik. Von außen betrachtet machen die Hochhäuser an der Beethovenstraße in Elmshorn einen prima Eindruck. Nach einem verheerenden Brand im März 2014 hat das Unternehmen Vonovia den Block mit viel Geld grundsaniert. Doch wer hinter die Türen schaut, trifft dort Menschen, die mit den Nerven am Ende sind. Sie berichten von Schimmel in Wohnungen, von toten Telefonleitungen, von fehlenden Fernsehanschlüssen, kalt bleibenden Heizkörpern. Und von einem Vermieter, der die Klagen der Mieter ignoriert.

Renate Dreyer ist Mieterin. Sie lebt im siebten Stock des Gebäudeensembles an der Beethovenstraße. Und sie berichtet von regelmäßig auftretenden Stromausfällen. Mehr noch: „Seit März 2017 haben wir kein Telefon“, sagt Dreyer, die seit 2013 in den Hochhäusern der Vonovia lebt.

Ingrid Breslein wohnt sogar schon zwei Jahrzehnte im sechsten Stock an der Beethovenstraße. Sie und ihr Mann Karl bezahlen eigenem Bekunden nach für Kabelfernsehen. Doch die Mattscheibe bleibe schwarz, wenn sie nicht den auf eigene Kosten angeschafften Digitalempfänger anwerfe. Als rund um die Weihnachtsfeiertage ein Fahrstuhl ausfiel, war Breslein so richtig gekniffen. Sie hat Schmerzen in den Knien, ist nicht gut zu Fuß. Mit dem Hund musste sie trotzdem raus – und sich die Treppen hochquälen.

Im vierten Stock der Hochhäuser an der Beethovenstraße wohnt Gudrun Wagner. Sie ist seit vier Jahren Mieterin der Vonovia, berichtet von Feuchtigkeit und Schimmel und klingt resigniert: „Ich habe ohne Ende Beschwerden geschrieben, aber der Konzern reagiert nicht darauf.“ Eine Erfahrung, die auch Michael Kurzhals gemacht hat. Er organisiert den Mieteraufstand, seit im Herbst für mehrere Wochen die Heizungsanlage ausfiel und Dutzende Menschen in ihren Wohnungen froren. Kurzhals, der für rund 60 Quadratmeter Wohnfläche monatlich 675 Euro warm an die Vonovia überweis, hat die Presse eingeschaltet, auch Fernsehteams waren bereits vor Ort. Das wirkt augenscheinlich. Für diese Woche hat sich ein Objektbetreuer angesagt, der sich Sorgen und Nöte anhören will.

18.000 Wohnungen im Land, 560 davon in Elmshorn

Auf dem deutschen Wohnungsmarkt ist die Vonovia ein Gigant, der offenbar weiter wachsen wird. Das Unternehmen, Nachfolger der mit zweifelhaftem Ruf belegten Deutschen Annington, bietet bundesweit rund 350.000 Wohnungen an. Nun wurde bekannt, dass der Bestand der Buwog AG übernommen werden soll. Allein in Schleswig-Holstein würden 17.000 Wohnungen hinzukommen. Aktuell besitzt die Vonovia laut Unternehmenssprecherin Jana Kaminski rund 18.000 Einheiten im Land. Im Kreis Pinneberg sei man mit 560 Wohnungen in Elmshorn vertreten.

Mit Mängeln und Vorwürfen aus Elmshorn konfrontiert, gibt sich die Sprecherin des in Bochum beheimateten Unternehmens geläutert und gelobt Besserung. „Als uns die Meldung über den ausgefallenen Aufzug in der Beethovenstraße 13 erreichte, haben wir direkt die verantwortliche Wartungsfirma mit der Reparatur beauftragt. Leider ist es aufgrund eines EDV-Fehlers bei dieser verantwortlichen Firma zur Verzögerung bei der Ausführung gekommen“, sagt Kaminski. Auch zu den Klagen über mangelnde Anschlüsse äußert sie sich: „Der Telefon- und Internet-Dienstleister ist mit Hochdruck daran, die Versorgung in den beiden oberen Etagen des Hauses nachhaltig sicherzustellen. Die Termine sind bereits vorgemerkt und werden derzeit mit unseren Kunden abgestimmt“ Die Arbeiten würden „noch in diesem Monat abgeschlossen“, so Kaminski weiter.

Der Sprecherin ist offenkundig daran gelegen, die Wogen zu glätten. „Wir haben großes Verständnis dafür, dass unsere Mieter unzufrieden sind. Wir entschuldigen uns ausdrücklich bei allen für die Unannehmlichkeiten“, lässt Kaminski vernehmen. „Selbstverständlich gewähren wir eine angemessene Mietminderung, über die wir die betroffenen Mieter noch im Einzelnen informieren werden.“ Auf die Frage, wie hoch besagter Mieterlass genau ausfallen wird, gibt es keine Antwort aus der Konzernzentrale in Bochum.