Pinneberg
Kreis Pinneberg

Neujahrsempfang: der Tag der großen Reden

Bürgermeisterin Urte Steinberg und Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk (CDU, l.) stoßen auf 2018 an

Bürgermeisterin Urte Steinberg und Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk (CDU, l.) stoßen auf 2018 an

Foto: Arne Kolarczyk / HA

In Pinneberg, Uetersen und Schenefeld sowie beim Kreisjugendring in Barmstedt war Sonntag der Tag der warmen Worte.

Pinnebergs Elbphilharmonie heißt „Westi“

Uetersen. Schwungvolle Klänge der Big Band der Johannes-Brahms-Schule läuteten den Pinneberger Neujahrsempfang am Sonntag im Rathaus ein. Und 2018 soll auch für die Kreisstadt ein Jahr werden, in dem Schwung drin ist – zumindest wenn es nach Bürgermeisterin Urte Steinberg geht. „Wir haben viel vor, und ich sehe den Herausforderungen mit großer Zuversicht entgegen. Die Voraussetzungen sind gut.“

Bereits im abgelaufenen Jahr habe Pinneberg einiges erreicht, so Steinberg vor mehreren Hundert Gästen. „Im Schulbau geht es mit großen Schritten voran. So sind zum Beispiel die zusätzlichen Betreuungsräume an der Grundschule Thesdorf und der Hans-Claussen-Schule und die Stahlaußentreppe an der Helene-Lange-Schule fertiggestellt.“ Der Busbahnhof gehe der Vollendung entgegen, für die neuen Räume im Jugendtreff Komet sei kürzlich Richtfest gefeiert worden.

„Hamburg hat die Elphi, wir haben die Westi“, so Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk (CDU). Die Pinneberger Westumgehung sei im Vergleich mit der Elbphilharmonie „nicht ganz so schön, nicht ganz so spektakulär, aber auch nicht ganz so teuer.“ Die Umgehungsstraße werde Ende 2018 fertig. „Ob die ersten Wagen Ende 2018 oder erst Anfang 2019 rollen, spielt keine Rolle. Wir können betroffenen Anwohnern sagen, dass die starke Belastung durch Verkehr absehbar ein Ende hat.“

Aber die Bürgervorsteherin sprach auch die ungewisse Zukunft der Ernst-Paasch-Halle („Eine Katastrophe für alle Nutzer“) und die seit Jahren erfolglose Suche nach einem Standort für einen Kunstrasen-Hockeyplatz („Eine Katastrophe für die starke Hockeyabteilung des VfL“) an. „Beides ist ein Armutszeugnis für unsere Stadt, mir fehlen dafür die Worte.“

Mit warmen Worten übergaben Bürgermeisterin und Bürgervorsteherin den neuen Preis „Förderer der Stadt Pinneberg“. Er geht an Firmen, die sich für die Stadt und ihre Einwohner engagieren. Erster Preisträger ist die Firma Alexander Grill, die insbesondere die Feuerwehr fördert. Chef Uwe Grill nahm die Urkunde entgegen.


Schenefeld vergibt Ehrenpreis an Team Sportabzeichen

Sie sind bei Wind und Wetter im Stadion zur Stelle, an jedem Montagabend, von Mai bis Oktober, ehrenamtlich – und das seit 35 Jahren. Die Sportabzeichentrainer und -prüfer von Blau-Weiß 96 Schenefeld leisten mit ihrem Einsatz viel für das Gemeinschaftsleben vor Ort. Allein 2017 erwarben unter ihrer Ägide mehr als 180 Kandidaten das Sportabzeichen – mehr als irgendwo sonst im Kreis Pinneberg. Für dieses Engagement überreichte Bürgervorsteherin Gudrun

Bichowski (SPD) dem Team beim Neujahrsempfang den Ehrenpreis 2017 der Stadt Schenefeld. Uwe Hahn, Chef der Prüfer, sagte: „Die strahlenden Augen unserer Prüflinge, wenn sie Gold geschafft haben – das ist mit Geld nicht zu bezahlen.“ Das mit der Ehrung verbundene Preisgeld in Höhe von 2000 Euro spenden die Prüfer an den Sozialfonds von Blau-Weiß.

Vor mehr als 200 Besuchern im Ratssaal ließen Bürgermeisterin Christiane Küchenhof und Bürgervorsteherin Bichowski das abgelaufene Jahr Revue passieren. Letztere hob insbesondere das Engagement und Organisationstalent der Feuerwehr für die an Leukämie erkrankte Paula Rüpcke hervor. Mehr als 3000 Menschen aus der ganzen Region waren im Sommer dem Aufruf der Jugendwehr gefolgt, sich als Knochenmarkspender registrieren zu lassen. „Die Resonanz hat alle Erwartungen übertroffen“, sagt Bichowski. Bürgermeisterin Küchenhof legte in ihrem Ausblick einen Fokus auf die Entwicklung des Stadtkerns. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibung des städtebaulichen Wettbewerbs. Ende 2018 soll der Sieger feststehen.

KJR-Vorsitzender fragt Kreispolitiker: „Wollen Sie uns noch?“

Gut 100 Besucher, darunter zahlreiche Politiker aus Kreis-, Land- und Bundestag, kamen zum Neujahrsempfang des Kreisjugendringes (KJR) in die Jugendbildungsstätte nach Barmstedt. Dabei kritisierte der KJR-Vorsitzende Mats Hansen in seiner Ansprache die mangelhafte finanzielle Ausstattung seines Verbandes, dem kreisweit 66 Vereine mit 60.000 Mitgliedern angehören. Die 324.000 Euro, die der KJR jährlich vom Kreis Pinneberg erhält, reichten längst nicht mehr aus, Angebote müssten gekürzt werden. „Seit 2005 haben wir praktisch denselben Etat“, sagte er. Dabei seien die Personalkosten für die 16 Mitarbeiter seitdem um 30 Prozent gestiegen.

„Wollen Sie uns noch?“, fragte der KJR-Vorsitzende provokant in Richtung der Kreispolitiker, die mit betretenen Gesichtern seine Ansprache verfolgten. Denn die Politik habe es – für ihn völlig unverständlich – abgelehnt, 7000 Euro zur Verfügung zu stellen, damit auch zur Kommunalwahl am 6. Mai ein „Lokalomat“ hätte angeboten werden können, der mit dem Wahlprogrammen im Internet insbesondere junge Menschen für die Wahl hätte begeistern können. „Das ist ein großartiges Projekt und wäre ein gutes Beispiel für eine lebendige Demokratie gewesen“, sagte Hansen.

Geradezu als Affront bewertete Hansen die Kündigung des Kreises, um die Aufgabe der Kreisjugendarbeit neu auszuschreiben. Als die Politik dann festgestellt habe, dass diese gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe nicht ausgeschrieben werden müsse, sei der Kreis dann schnell wieder zurückgerudert, und Hansen habe am 29. Dezember, an seinem Geburtstag, den neuen Ein-Jahres-Vertrag für 2018 unterschreiben können, sagte Hansen. „So geht man mit langjährigen Partnern nicht um“, ärgerte er sich. „Damit wird der KJR in seiner Arbeit beschnitten und zum Bittsteller degradiert.“


Uetersens Bürgermeisterin feiert runden Geburtstag

Mit einer Gedenkminute für die plötzlich verstorbene ehemalige Bürgervorsteherin Heike Baumann begann der Neujahrsempfang mit etwa 300 Besuchern in der Schulmensa in Uetersen. Bürgermeisterin Andrea Hansen und Bürgervorsteher Adolf Bergmann (CDU) würdigten die Kommunalpolitikerin für ihren tatkräftigen Einsatz und ihre Menschlichkeit. Sie war vor wenigen Tagen 56-jährig gestorben.

In ihren Ansprachen, die vom A-cappella-Chor Elbvocal musikalisch begleitet wurden, gingen Hansen und Bergmann insbesondere auf die Kommunalwahlen am 6. Mai ein. „Gehen Sie zur Wahl und zeigen Sie, dass rechte Gesinnung in Uetersen keine Chance hat“, appellierte Bergmann an die Bürgerschaft, die ihm kräftig applaudierte. Das „Zusammenwachsen“ der unterschiedlichen Kulturen müsse in den Köpfen der Menschen gelingen. „Integration basiert auf Mitmenschlichkeit und Toleranz, damit die hierher zu uns geflüchteten Menschen heimisch werden können.“

Um mehr junge Menschen für die Kommunalpolitik zu begeistern, schlägt Bergmann ein konkretes Beteiligungsprojekt vor. „Wir sollten die Kinder und Jugendlichen fragen: Wie stellt ihr euch die Stadt in der Zukunft vor?“

Bürgermeisterin Hansen, die am Sonntag ihren 60. Geburtstag feierte, hob heraus, dass sich die finanziell angespannte Situation der Rosenstadt auch dank der Unterstützung des Landes erheblich verbessert habe. Darum erwarte sie auch, dass das Land die Freigabe der Straßenausbaubeiträge mit entsprechenden Zuschüssen an die Kommunen ausgleiche. „Wer die Musik bestellt, der zahlt sie auch“, sagte Hansen.

Zudem plädierte die Bürgermeisterin für „die große Lösung“ bei der Umgestaltung der Innenstadt mit Fußgängerzone und Parkpalette. Die Verwaltung habe der Politik dafür „den Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt“.