Pinneberg
Wirtschaft

Halstenbeker erfinden die Solartechnik neu

Carsten Corino (v. l.), Amelie Krahl, Matthew Laws, Johannes Kneer, Martin Düsing und Stephan Ulrich mit einem Modell der SunOyster vor einem der Prototypen in Halstenbek

Carsten Corino (v. l.), Amelie Krahl, Matthew Laws, Johannes Kneer, Martin Düsing und Stephan Ulrich mit einem Modell der SunOyster vor einem der Prototypen in Halstenbek

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Anlage erzeugt Strom, Wärme und Kühlung. SunOyster Systems GmbH erhält EU-Förderung, um das Produkt zur Serienreife zu bringen.

Halstenbek.  Eine kleine Halstenbeker Firma will groß ins Geschäft: Die SunOyster Systems GmbH hat eine neuartige Solartechnologie entwickelt, die Strom, Wärme und Kühlung erzeugt. Um ihr innovatives Produkt zur Serienreife zu bringen, erhält das Unternehmen Fördergeld der EU für ein Forschungsprojekt – als eine von nur zwei deutschen Firmen.

Die acht Mitarbeiter von SunOyster sitzen an der Poststraße – im einstigen Verwaltungsgebäude der Baumschule Pein & Pein. Wo früher Pflanzen in alle Welt versendet wurden, will Gründer und Geschäftsführer Carsten Corino nun dank der Kraft der Sonne einen weltweiten Erfolg landen. Wie das gehen kann, zeigt ein Prototyp, der zwei Häuser weiter auf einem Garagendach steht – und bestens funktioniert.

„Wir haben das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, das man aus der konventionellen Energieerzeugung in Blockheizkraftwerken kennt, quasi auf die Solarenergie übertragen“ erläutert Corino, der früher für ein Windkraftunternehmen arbeitete. Vor sechs Jahren hatte der Halstenbeker diese Idee – und fand ein Jahr später die Kapitalgeber für die Firmengründung. Seit fünf Jahren tüfteln er und sein kleines Team an der anspruchsvollen Technologie und haben in der ehemaligen Baumschulscheune diverse Prototypen gebaut.

Zwei Spiegel, gekoppelt mit je einem Receiver, bilden die eigens entwickelte SunOyster. Die Solaranlage dreht sich mit der Sonne mit und klappt die Spiegel des Sonnenkollektors wie eine Auster ein, falls Gefahr wie etwa durch zu starken Wind droht. Dank dieser Technologie kann die Anlage Strom mit einem deutlich höheren Wirkungsgrad im Vergleich mit herkömmlichen Photovoltaikanlagen produzieren und benötigt dafür eine deutlich kleinere Fläche. Zudem wird gleichzeitig Wärme quasi als Nebenprodukt erzeugt.

Dank der EU-Förderung arbeiten die Experten derzeit daran, die durch die SunOyster erzeugte Wärme in Kälte umzuwandeln. „Unser Unternehmen wird in den nächsten zwei Jahren die Kombination aus der SunOyster und thermischen Kältemaschinen zur Marktreife entwickeln“, sagt der Unternehmenschef. Auf diese Weise könne die Anlage den Bedarf eines Hauses an Strom, Wärme und Kälte decken. Auf dem Weg dahin haben die Halstenbeker bereits einige Hürden überwunden, sodass sie nun die Projektphase starten können. „Zunächst konzentrieren wir uns auf den Bereich Hotellerie.“ Geplant ist ein Demonstrationsvorhaben, bei dem ein kleineres Hotel mithilfe von vier SunOyster-Anlagen mit Strom, Wärme und Käte versorgt wird. Derzeit läuft dazu der Auswahlprozess.

Parallel sollen im ersten Quartal dieses Jahres Testmaschinen der Halstenbeker in unterschiedlichen Klimazonen auf der Welt getestet werden – etwa in Italien, Chile, Ägypten und Indonesien. Die Online-Überwachung erfolgt per Webcam aus Halstenbek. „Es geht auch darum, letzte Kinderkrankheiten auszumerzen“, so Corino weiter.

Langfristig kann sich der Firmenchef vorstellen, sein Produkt nicht nur gewerblichen Kunden, sondern auch Privathaushalten anzubieten. Erste Ideen, wie die SunOyster auch auf Schrägdächern funktionieren kann, gibt es bereits. „Wünschenswert wäre ein Preis von 5000 Euro“, sagt Corino.

Erster Entwurf für neue Firmenzentrale liegt vor

Doch zunächst stehen Großabnehmer im Fokus. Nach jetzigem Stand soll die Marktreife im Herbst kommenden Jahres erfolgen. Dann kann natürlich nicht mehr in der Scheune an der Poststraße produziert werden. Die Firma hat sich inzwischen Produktionsflächen auf dem GreenTEC Campus in Enge-Sande (Nordfriesland) gesichert, wo speziell Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien ansässig sind. Dort sollen größtenteils automatisiert die Anlagen zusammengesetzt werden.

Mittelfristig möchte das Unternehmen auch den Standort an der Poststraße, der langsam zu klein wird, verlassen. Corino ist in Halstenbek und Pinneberg auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück, auf dem ein futuristisches Büro- und Laborgebäude Platz fände. Einen ersten Entwurf gibt es bereits: Zentrum des Hauses ist ein großer Wassertank, der als Wärmespeicher dient. Er ist von einem gläsernen Atrium mit Wendeltreppen eingefasst und verbindet zwei Gebäudeteile. Auf deren Dächern: je eine SunOyster. Corino: „Unser Ziel ist es, ein autarkes Gebäude zu schaffen, das sich komplett selbst mit Strom, Wärme und Kälte versorgt.“