Pinneberg
Serie „Auf Achse“

„Die Pflege muss man einfach im Blut haben“

Melina Jessat ist 25 Stunden die Woche auf Achse, um alte Menschen in und um Quickborn ambulant zu versorgen und zu betreuen

Melina Jessat ist 25 Stunden die Woche auf Achse, um alte Menschen in und um Quickborn ambulant zu versorgen und zu betreuen

Foto: Burkhard Fuchs

Viele Menschen sind beruflich viel im Kreis Pinneberg unterwegs. Was sie erleben, erzählen wir in der Serie. Heute: eine Altenpflegerin

Quickborn.  Zu Werner Klecz, meist ihrer letzten Station auf der täglichen Tour durch Quickborn, Hasloh, Bilsen und Bönningstedt, geht Melina Jessat besonders gern. „Der versprüht immer so eine gute Laune. Das nimmt man mit für den restlichen Tag“, sagt die 25 Jahre junge Pflegediensthelferin, die seit einem halben Jahr für den ambulanten Pflegedienst CareProfis in Quickborn arbeitet.

Der 80 Jahre alte schlagfertige Rentner Klecz, der erst seit Oktober nach einem Klinikaufenthalt auf den Pflegedienst angewiesen ist, hat auch heute wieder gute Laune. Er steht gern spät auf, verzichtet aufs Frühstück und lässt sich von den Pflegedienst-Mitarbeitern wecken. „Die sind immer so freundlich und nett“, freut sich der Witwer über diese Abwechslung im täglichen Einerlei. Früher sei er Maschinenbauingenieur gewesen und habe eine eigene Firma geführt, erzählt er, während Melina Jessat ihn duscht, abtrocknet, eincremt, bürstet und wieder anzieht. „Ein schöner Rücken kann auch entzücken“, sagt die Pflegediensthelferin, als der Reporter Klecz beim Haare kämmen fotografieren möchte. „Bei einem jungen Mädchen, ja, aber doch nicht bei einem alten Mann“, erwidert Klecz mit einem Lachen.

Dankbarkeit der Kunden ist eine große Motivation

Nicht alle ihre Patienten, die sie Kunden nennt, sind noch geistig so frisch und lebenslustig wie der Rentner Klecz, sagt Melina Jessat auf dem Rückweg im Fahrstuhl. Die allermeisten seien nett und freundlich, aber manchmal seien auch „Knatschköpfe“ darunter. „Aber damit muss man umgehen können. Jeder hat mal einen schlechten Tag“, sagt Melina Jessat, die nach ihrer Elternzeit mit zwei kleinen Kindern in die ambulante Pflege eingestiegen ist. „Pflege muss man im Blut haben“, sagt sie.

Das sagt auch ihre Chefin Melanie Behrmann in ihrem Büro im Quickborner Forum am Bahnhof. „Man kriegt so viel zurück an Dankbarkeit von den alten Leuten, dass der Tag gleich schöner wird“, ist ihre Erfahrung aus 25 Jahren Altenpflege und die ihrer inzwischen 45 Mitarbeiter, die 150 pflegebedürftige Menschen in und um Quickborn herum ambulant betreuen. Die Patienten seien so froh, dass da jeden Tag jemand kommt, sich um sie kümmert und sie in ihrem eigenen zu Hause bleiben könnten. „Das wünschen sich doch so viele Menschen für ihr Alter. Darum ist es gut, dass es Pflegedienste gibt, die ihnen diesen Wunsch erfüllen können.“ Die steigende Zahl an Kunden gebe ihr Recht.

Die Aufgabe sei verantwortungsvoll und belastend, weiß die examinierte Altenpflegerin der CareProfis aus Quickborn. Darum sei es in allererster Linie wichtig, dass die Mitarbeiter „ihr Herz am richtigen Fleck haben und sehr viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für die alten Menschen aufbringen.“ Dass sie für ihre Arbeit motiviert, zuverlässig, pünktlich und flexibel sein müssten, verstehe sich von selbst. „Bei uns arbeiten zu 80 Prozent examiniertet Alten- und Krankenpflegekräfte.“ Diese verdienten in Vollzeit um die 2500 Euro brutto im Monat. Wer diese Ausbildung noch nicht hätte, könnte als Pflegediensthelfer sie auch in zwei bis drei Jahren Ausbildungszeit erwerben.

Altenpflege genießt nicht den Stellenwert, den sie verdient

Melina Jessat, die gerade ihre Probezeit erfolgreich beendet hat, möchte mit der Ausbildung im nächsten Jahr beginnen. Für sie, die in Norderstedt wohnt, war bei der Arbeitssuche wichtig, dass sie die Arbeit mit der Betreuung ihrer kleinen Kinder vereinbaren konnte. Das war bei den CareProfis kein Problem.

„Ich kann hier morgens um halb acht mit der Arbeit beginnen und so meine Kinder vorher in die Kita bringen“, berichtet die Pflegediensthelferin, die 25 Stunden die Woche bei den CareProfis beschäftigt ist. Nach der Schicht könne sie ihre Kinder rechtzeitig bis 14 Uhr wieder von der Kita abholen. Und wenn sie am Wochenende arbeiten müsste, was alle zwei Wochen der Fall sei, könnten der Vater oder die Oma die Kinder zu Hause betreuen.

Je nach Bedarf würden bis zu 15 pflegebedürftige Menschen von einem Vollzeit-Mitarbeiter in seiner Schicht betreut und gepflegt, berichtet Leiterin Behrmann. Die Arbeitszeiten verteilten sich in zwei Tagesschichten von 6 bis 21.30 Uhr an sieben Tagen in der Woche. Alle Mitarbeiter seien auch in Hauswirtschaft und Betreuung geschult, sodass sie neben der pflegenden Arbeit auch mit den Senioren spazieren gehen, sich mit ihnen unterhalten oder ihnen etwas vorlesen könnten. Behrmann: „Bei uns gibt es das Rund-um-Paket der Pflege.“

In der Gesellschaft genieße die Altenpflege nicht den Stellenwert, den sie verdiente, bedauert Behrmann. „Der Beruf müsste viel mehr anerkannt sein.“ Das gelte auch für die Bezahlung durch die Kranken- und Pflegeklassen. Auch in der Bevölkerung fehle oft das Wissen, was diese ambulante Pflege überhaupt ausmacht. „Das ist viel mehr als nur waschen, putzen, Toilette machen. Da steckt sehr viel psychosoziale Betreuung der alten Menschen drin, für die wir oft der einzige Ansprechpartner sind.“