Kreis Pinneberg

Die Containerplätze im Kreis vermüllen

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Andreas Daebeler und Anne Dewitz
Der Pinneberger Herbert Hoffmann vor komplett vermüllten Containern am Eingang zur Parkstadt Eggerstedt

Der Pinneberger Herbert Hoffmann vor komplett vermüllten Containern am Eingang zur Parkstadt Eggerstedt

Foto: Andreas Daebeler / HA

Kaffeemaschinen, Batterien, Säure: Illegale Abfallentsorgung entwickelt sich zum Problem. Wer erwischt wird, muss hohe Strafe zahlen.

Kreis Pinneberg.  Berge von Hemden und Hosen. Eine alte, verrostete Kaffemaschine. Jede Menge abgelegtes Spielzeug und Plastiktüten ohne Ende. So sieht es dieser Tage am Eingang zur Parkstadt Eggerstedt aus. Im Umfeld der dort aufgestellten und teilweise total überfüllten Wertstoffcontainer. Der Regen hat die abgelegten Pappen aufgeweicht. Es stinkt gehörig. Das Tor zum von hübschen Stadtvillen gesäumten neuen Stadtteil – ein Paradies für Ratten. Nicht das einzige im Kreisgebiet.

Herbert Hoffmann kann das nicht fassen. Er ist Politiker, sitzt für die SPD im Rat. Und wohnt nicht weit entfernt von der Parkstadt, die ein Vorzeigeprojekt der Stadt Pinneberg ist. „Heute wollte ich eigentlich nur Flaschen wegbringen, da bot sich mir dieses Bild“, sagt er. Und berichtet von einer Tour durch die Stadt, an deren Ende er seine gesammelten Wertstoffe entnervt wieder mit nach Hause genommen habe. Sämtliche Standorte im Pinneberger Stadtgebiet seien überfüllt und zugemüllt gewesen. Für Hoffmann kein Zustand, den die Stadt weiter hinnehmen darf. „Die Menschen ärgern sich über diesen Anblick“, sagt der Sozialdemokrat.

In Elmshorn gibt es ähnliche Probleme. Containerstandorte sind verdreckt, Farbeimer, Säcke mit Restmüll und ähnliches wird illegal neben Glas- und Papiercontainern abgestellt, sagt Christina Schötzow vom städtischen Flächenmanagement. Dabei gibt es Resthöfe, die vieles sogar kostenlos entgegennehmen, wenn es dort vorbei gebracht wird. Und das scheint einigen Menschen zu viel Arbeit zu sein. Nun haben Verwaltung und Politik beschlossen, 17 von 58 Containerstandorten abzubauen – auch um das Umfeld sauberer zu halten. „Es werden trotzdem genügend Container bereitstehen“, sagt Schötzow.

Auch Batterien und Essigsäure entsorgt

So werden beispielsweise am Adenauerdamm drei Containerstandorte abgebaut und auf dem Parkplatz an der Waldorfschule zu einem eingezäunten Containerstandort zusammengefasst. „Die anderen drei stehen so, dass Radfahrer und Fußgänger am Adenauerdamm behindert werden“, sagt Schötzow. Es habe viele Beschwerden gegeben, weil Scherben auf dem Radweg lagen. Das hatte seinen Grund unter anderem darin, dass die Glascontainer überquollen. „Die Stadt hat keinen Einfluss darauf, wie häufig sie geleert werden“, sagt die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Die Vergabe des Dualen Systems erfolge bundesweit, und der zentrale Betrieb schreibe weiter an Subunternehmen aus. Für den Kreis Pinneberg heißt der Altglasentsorger Bötel, während die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Beseitigung (GAB) in Tornesch für die Altpapierentsorgung zuständig ist.

Müllfrevel ist seit Jahren ein Problem in der Region. Das weiß auch Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung in Elmshorn. „Viele Leute sind zu bequem, fahren zu den Containern und werfen ihren Dreck einfach nur raus“, sagt er. Oft komme es auch vor, dass kritische Stoffe neben den Behältern abgestellt würden. Etwa Autobatterien oder Kanister mit Essigsäure. „Dann rückt unser Umweltschutztrupp aus“, sagt Carstens. Anschließend obliege es dem Kreis, sich auf die Spur der Täter zu machen. Häufig seien es Gewerbetreibende, etwa Restaurantbetreiber, die im großen Stil entsorgten. Die kommen nachts, wenn die Gefahr geringer ist, ertappt zu werden.

Ermittler, die Müllfrevlern auf die Schliche kommen wollen, stoßen schnell an ihre Grenzen. Mit Erstaunen nimmt Herbert Hoffmann zu Kenntnis, dass sich in dem Müllberg am Eingang zur Parkstadt sogar Pakete mit gut leserlicher Anschrift finden. Da müsse es doch möglich sein, Verantwortliche ausfindig zu machen. „Das ist leider nicht so einfach“, entgegnet Carstens. Ein Adressaufkleber sei als Beweis nicht tauglich. „Das Paket könnte schließlich jeder irgendwo rausgefischt haben.“

Elmshorn will kommunalen Ordnungsdienst aufstocken

Herbert Hoffmann würde nicht davor zurückschrecken, harte Maßnahmen zu ergreifen: „Notfalls könnten an den Containerstandorten Kameras installiert werden, um die wilde Ablagerung von Dreck zu bekämpfen“, sagt er. Vor allem aber müsse die Stadtverwaltung auf regelmäßige Leerung der Behälter drängen.

Die ist übrigens Aufgabe einer Tochterfirma der GAB. „Deren Mitarbeiter sind für Reinigung und Kontrolle verantwortlich“, bestätigt Carstens. Zweimal pro Woche würden die Sammelplätze angesteuert, das habe ihm der Umweltservice Nord versichert. Allerdings seien die Mitarbeiter der GAB-Tochterfirma keineswegs dafür verantwortlich, den neben den Wertstoffbehältern abgestellten Schutt zu entsorgen. „Bis zu einer Menge von fünf Kubikmeter Müll ist das Sache der Kommunen“, sagt Carstens.

Bleibt die Hoffnung auf Abschreckung. Müllfrevler, die erwischt werden, müssen wegen der begangenen Ordnungswidrigkeit mit Strafen von bis zu 1000 Euro rechnen. Und sie sollten die offenen Augen ihrer Mitbürger nicht unterschätzen. So gibt es im Umfeld von Standorten, bei denen illegale Entsorgung ein Problem ist, auch mal aufmerksame Hausmeister, die Kennzeichen potenzieller Täter notieren. Oliver Carstens bemüht zudem den guten alten Appell an die Vernunft: „Leute, benehmt euch ein wenig“, sagt er.

In Elmshorn will man es künftig nicht mehr bei einem Appell belassen. Politik und Verwaltung haben sich geschlossen für die Aufstockung des kommunalen Ordnungsdienstes ausgesprochen. Etwa 35.000 Euro im Jahr wird die Schaffung der 0,6-Stelle kosten. Bislang gibt es eine 0,4-Stelle im Ordnungsdienst. Der Ordnungsdienst soll hauptsächlich im Außendienst tätig werden und auch für Sauberkeit auf den Straßen sorgen. So sollen auch Hundebesitzer verstärkt auf die Hinterlassenschaften ihrer Tiere angesprochen, illegale Müllentsorgung und Graffiti verhindert, aber auch penetrante Kundenfänger an Infoständen in der Innenstadt gebremst werden.

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