Pinneberg
Elmshorn

AfD-Anhänger hetzen gegen Lichtermarkt

Die Lichtgestalten laufen auf Stelzen bei der Weihnachtsparade in Elmshorn mit. Auch viele Lichterketten gehören zum Konzept des Stadtmarketings

Die Lichtgestalten laufen auf Stelzen bei der Weihnachtsparade in Elmshorn mit. Auch viele Lichterketten gehören zum Konzept des Stadtmarketings

Foto: Anne Dewitz / HA

Zehn Jahre gibt es den Elmshorner Lichtermarkt schon. Jetzt hat ihn Erika Steinbach entdeckt und sorgt für Hasskommentare.

Elmshorn.  Hasskommentare statt Besinnung: AfD-Unterstützerin Erika Steinbach postete am Dienstag auf Facebook ein Plakat vom Lichtermarkt Elmshorn und kommentierte: „Ich kenne kein Land, dass seine eigenen Traditionen und Kultur selbst aufgibt. Deutschland zerstört seine Identität selbst“. Steinbach, die in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Sprecherin für Menschenrechte war und dem Fraktionsvorstand angehörte, ehe sie im Januar aus Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin aus der CDU austrat und seitdem offen mit der AfD sympathisiert, befeuert mit ihrem Posting rechte Hetze in den sozialen Medien, die sich gegen den Begriff „Lichtermarkt“, wie auch das Motiv des Plakates richtet, mit dem das Stadtmarketing Elmshorn diesen bewirbt – ein dunkelhäutiges Kind.

Das Elmshorner Stadtmarketing richtet den Lichtermarkt unter diesem Namen seit 2007 in der Innenstadt aus. Der Markt ist Anziehungspunkt für Tausende Besucher. Daran soll sich auch 2017 nichts ändern. Die Stadt bezog am Dienstag schriftlich Stellung gegen die Instrumentalisierung. „Wir sind von der diesjährigen Reaktion auf den Elmshorner Lichtermarkt, insbesondere in den sozialen Medien, mehr als bestürzt“, sagt Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje. So werfe die ehemalige Bundespolitikerin Steinbach Elmshorn bundesweit vor, dazu beizutragen, die Identität Deutschlands zu zerstören und die eigene Kultur und Traditionen aufzugeben. „Für uns als Stadt ist es inakzeptabel, dass eine so traditionsreiche und von unserer christlichen Kultur geprägte Veranstaltung wie der Elmshorner Lichtermarkt instrumentalisiert wird, um im politischen Umfeld Stimmung zu machen“, betont Hatje.

Die Umbenennung erfolgte 2007 aus Marketinggründen

Der Begriff „Lichtermarkt“ sei 2007 gewählt worden, um vor allem auf eines aufmerksam zu machen: Den Betreiberwechsel. „Jahrelang pflegte der Elmshorner Weihnachtsmarkt ein Schattendasein“, sagt Hatje. Zum Weihnachtsmarkt 2007 wurde dann der erste PACT (Partnerschaft zu Attraktivierung von City-, Dienstleistungs-, und Tourismusbereichen) beschlossen, mit dem die in der City ansässigen Immobilieneigentümer sich verpflichteten, eine neue Weihnachtsbeleuchtung zu finanzieren. Davon sollte auch der Weihnachtsmarkt profitieren, der unter einem neuen Betreiber startete. Klares Highlight: Die neue Weihnachtsbeleuchtung – und die vielen Lichtpunkte, die in den Folgejahren in den Bäumen rund um die Hauptkirche St. Nikolai platziert worden sind. Die damalige Umbenennung erfolgte aus Marketinggründen.

Zu diesem Marketing gehört auch das Plakat zum Lichtermarkt, auf dem ein junges, dunkelhäutiges Mädchen als Engel abgebildet ist. „Auch dieses Plakat wird in diesem Jahr herangezogen, um zu instrumentalisieren“, so Hatje. Dabei ist es bereits seit 2011 im Einsatz und wird aus Gründen des Wiedererkennungswertes weiterhin genutzt. Damals waren 40 Elmshorner Kinder zu einem offenen Fotoshooting erschienen, um sich als Werbebotschafter fotografieren zu lassen. „An dem Fotoshooting nahmen Mädchen und Jungs vieler Nationen und Altersgruppen teil“, sagt Hatje. „Dass bei uns Menschen aus mehr als 120 verschiedenen Nationen leben, ist für uns als weltoffene Stadt supernormal.“ Die Fotografien der „Elmshorner Engel“ wurden in verschiedenen Geschäften ausgestellt. „Wir lassen uns auf keine Diskussion ein, in dem Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden.“ Für viele Elmshorner aus den verschiedensten Nationen sei der Lichtermarkt ein beliebtes Ziel, um die Vorweihnachtszeit zu genießen.

„Wir hoffen, dass wir auch in diesem Jahr ganz friedlich unsere liebgewonnenen Traditionen leben können, wie sie wohl überall in Deutschland kurz vor Weihnachten zu finden sind. Dazu gehört das gemeinsame Glühweintrinken, das gemütliche Bummeln über unseren schönen Markt und die vielen leckeren, weihnachtlichen Spezialitäten, die angeboten werden“, sagt Hatje. „Die Vorwürfe, dass unsere eigenen Traditionen, unsere Kultur und unsere Identität zerstört würden, sind nicht nur weit hergeholt, sie sind schlicht falsch. Den Versuch, die Stimmung auf unserem Markt derartig zu beeinträchtigen, halten wir für inakzeptabel.“