Pinneberg
Serie „Auf Achse“

Auf Nachtstreife mit der Uetersener Polizei

Foto: Elvira Nickmann / HA

Viele Menschen sind täglich beruflich im Kreis Pinneberg unterwegs. Was sie erleben, erzählen wir in der Serie. Heute: Die Polizisten.

Uetersen.  Ein Freitagabend im Herbst. Zwei Polizisten der Uetersener Station sind während ihrer Nachtschicht im Streifenwagen auf dem Weg nach Pinneberg. Gut, dass Dienstgruppenleiter Holger Beck den VW Passat im Griff hat. Der Tachonadel klettert bis auf 130 Kilometer pro Stunde, als der Polizist gegen 23 Uhr mit Blaulicht, aber ohne Sirene geschickt mit dem Fahrzeug die Spuren auf der Landstraße wechselt, überholt und sich gerade noch rechtzeitig vor den entgegenkommenden Autos wieder einfädelt. Anlass für die Eile: ein flüchtiger Einbrecher, der noch in Pinneberg unterwegs sein soll. Während Beck sich aufs Fahren konzentriert, kümmert sich sein Kollege und Beifahrer Finn Saager (21) um die Infos. „Habt ihr die Fluchtrichtung und die Beschreibung?“, kommt die Frage von der Leitstelle über Funk. Der Gesuchte sei männlich, schwarz gekleidet, trage Kapuzenpulli, vermutlich halte er sich jetzt im Gebiet um die Straße Auwiese auf.

Beamte wünschen sich manchmal mehr Respekt

„Wir gehen jetzt zu Fuß in die Auwiese rein“, kündigt Beck, ein drahtiger Mittvierziger mit eckiger Brille und Dreitagebart, an und stellt das Auto in der Nähe ab. Hohe Mietshäuser reihen sich aneinander, das Gebiet ist unübersichtlich. Wenn der Einbrecher sich hier versteckt, kann er überall sein: hinter Mülltonnen, Hecken, Garagen. Andere Polizisten sind bereits vor Ort, das Areal wird in Kleingruppen abgesucht, Taschenlampenlicht streift über Vorgärten und in Hinterhöfe, Passanten werden angehalten und befragt. Kapuzenpulli-Träger sind einige unterwegs, doch der Gesuchte scheint sich in Luft aufgelöst zu haben. Gut, dass jetzt die Hundestaffel aus Henstedt-Ulzburg übernimmt. Den feinen Nasen der Hunde entgeht so schnell nichts.

Dabei hat der Abend in der Uetersener Wache für die vier diensthabenden Beamten der Nachtschicht völlig unspektakulär begonnen. Nach der Übergabe um 19.30 Uhr haben ihre Kollegen von der Spätschicht nach und nach das Gebäude verlassen. Gegen 19.50 Uhr ist es ruhig geworden, nur das Radio im Aufenthaltsraum dudelt vor sich hin, in der Ecke steht ein Funkgerät, über das der Funkverkehr mitzuhören ist. Eigentlich hätte Polizeiobermeister Alex Habermann bereits Feierabend, doch stattdessen sitzt er noch vor dem Rechner. „Dringendes muss sofort eingetragen werden, damit es recherchierbar ist“, sagt der 27-Jährige, unter Umständen müsse man eben einfach länger machen. Doch egal, wie lange er noch arbeitet: „Morgen früh um sechs Uhr muss ich wieder hier sein.“ Denn dann beginnt seine nächste Schicht.

Auch Finn Saager erledigt Schreibtischarbeit. Gerade einmal zwei Monate ist der großgewachsene Polizeiobermeister im Team. Was sich für Laien nach höherer Position anhören mag, ist tatsächlich der Einstiegsdienstgrad. Er habe sich für den Streifendienst beworben, weil er „ein bisschen mehr Action und ein bisschen was Gutes für Menschen tun wollte“, sagt Saager. Das muss das Stichwort gewesen sein, denn als Nächstes ertönt ein Alarm. Er kommt von einer örtlichen Bank. Ein Einbruch? Geordnete Hektik bricht aus. Beck und Saager sowie ihre Kollegen Stephan Curts und Sina Hunk verlassen im Laufschritt das Gebäude und treffen nach knapp 300 Metern mit Mannschafts- und Streifenwagen am Zielort ein. Die Beamten teilen sich auf, sondieren Gelände und Innenraum. Schnell steht fest: Fehlalarm.

Schon mal unterwegs, nutzen Saager und Beck die Gelegenheit für eine Streifenfahrt. Vor einer Uetersener Kneipe fällt ein Wagen auf, der auf dem Fußgängerweg geparkt ist. Ein Mann kommt auf das haltende Polizeiauto zu, Scheibe runter. „Ist was nicht in Ordnung?“, fragt er. Nachdem er den Auftrag erhalten hat, dem Besitzer zu sagen, dass der sein Auto wegfahren soll, verabschiedet er sich mit einem freundlichen „Danke, Jungs!“. „Bitte, Mädel“, sagt Beck leise und mit ironischem Unterton, während der Mann sich vom Auto entfernt. Freundlichkeit ist gut, etwas mehr Respekt wäre den Polizisten offensichtlich noch lieber. Das gilt auch für den Passanten, der später in Pinneberg gegen Mitternacht den Streifenwagen heranwinkt und von den Beamten verlangt, ihn nach Hause zu fahren. Er ist offensichtlich zu betrunken, um den Unterschied zwischen Taxi- und Polizeifahrzeug zu erkennen, und beharrt auf seiner Forderung, die die Beamten weder erfüllen wollen noch können. Sie lassen ihn stehen und setzen ihre Fahrt gerade fort, als ein Funkspruch ertönt: Ein Fahrradfahrer hat bei einer Kontrolle das Weite gesucht, und die Polizei hat ihn auf dem Weg zum Pinnau-Bogen verloren. „Der kommt doch hinter dem Golfplatz raus“, sagt Beck, der die Schleichwege und Pfade kennt, und gibt Gas, das Zielgebiet ist nicht weit. Es ist stockdunkel gegen Mitternacht, nur die Scheinwerfer erhellen den unbefestigten Weg, der unter dem Dach der Baumkronen wie ein surrealer Tunnel erscheint. Aussteigen, Licht aus, weiter zu Fuß. Verdächtige Geräusche entpuppen sich als von anderen Polizisten verursacht, die ebenfalls das Gelände absuchen. Leises Fluchen, als der Untergrund sich als einzige große Matschpfütze entpuppt, sonst ist alles still.

Ankunft auf dem Golfplatz, dort wurde tatsächlich das Fahrrad entdeckt, weggeworfen liegt es am Rand eines Sees. „Die Kollegen sind mit Wärmekameras auf dem Gelände, wir sorgen dafür, dass er nicht stiften gehen kann“, erläutert Beck, der neben einem Schenefelder Beamten steht, weitere Einsatzkräfte kommen aus Elmshorn, Wedel, und die Hundestaffel aus Henstedt-Ulzburg ist auch schon wieder da. Als die Arbeit der beiden Uetersener Polizisten beendet ist, gehen sie zurück zum Auto, Abschlussbericht an die Leitstelle. Ihre persönliche Bilanz zu Schichtende um 6 Uhr morgens: ein Überfallalarm, zwei Einsätze in Pinneberg, Entgegennahme eines gefundenen Rucksacks am Tornescher Bahnhof, mehrere Fahrradkontrollen und Streifenfahrten, Berichte verfassen, Pizza, Kuchen, viel Kaffee und Energydrinks.